Gastronomie Mit „Adelbar“ ein Kindheitstraum verwirklicht

Von Kristina Betz 11.01.2018
Zwei junge Frauen aus Wäschenbeuren haben dem ehemaligen Haus des Gastes in Adelberg einen neuen Anstrich verpasst.

Es war nur ein Konjunktiv, wir haben es immer auf die lange Bank geschoben“, sagt Margret Mihai strahlend. Irgendwann hätten sie es einfach mal tun müssen, sagt die 30-Jährige und blickt zu ihrer Schwester Eva Mihai, die überzeugt nickt. Die „Adelbar“, ein Mix aus Café und Bar, sei die Verwirklichung eines Kindheitstraums, sagen die zwei Schwestern, die ihr erstes eigenes Lokal Anfang Dezember eröffnet haben.

Den Traum hegten die beiden Frauen schon lange. Auch als das „Wolke 7“ in Rechberghausen schloss, hätten sie es fast gewagt. Die Umstände hätten dann aber doch nicht so optimal gepasst, wie beim ehemaligen Haus des Gastes im Adelberger Klosterpark. Die Lokalität haben die Betreiberinnen von der Investorenfirma Klosterpark GmbH gepachtet, die das ganze Areal um das ehemalige Montemaris, den früheren Campingplatz sowie das Spielland und die Eishalle komplett umbauen wollen.

Ob ihr Café künftig stehen bleiben wird, wissen die Betreiberinnen noch nicht. Früher diente das einstöckige, etwas verwinkelte Gebäude als Rezeption für den Campingplatz. Die Fenster waren gelb lackiert, die Wände grün, die Möbel rustikal. Margret Mihai, die von Freunden und Familie nur „Maggie“ genannt wird, schleppt einen Stuhl in den Gästebereich des Cafés, der so gar nicht zum modernen schwarz-weißen Einrichtungsstil der „Adelbar“ passt. Das Holz hat sich verfärbt, orangene Stellen, Macken und Kratzer blitzen auf. Das Kissen ist abgewetzt. Ein Großteil des Mobiliars und der Deko in der Adelbar ist selbst gemacht. Eine große schwere Baumscheibe dient als Couchtisch. „Selbst gesägt“, sagt Maggie Mihai, die beruflich bei Stihl in Waiblingen Motorsägen entwickelt.

Der Bruder der Schwestern baute die Bar selbst und auch dahinter ist natürlich alles selbst gemacht: „Maggie entwickelt die Rezepte, ich die Getränke und Cocktails“, erzählt Eva Mihai, die als Redakteurin bei einer Tageszeitung in Aalen arbeitet. Maggie Mihai überschlägt sich fast in Euphorie über das Backen. Das sei ihre ultimative Entspannungstherapie. „Ich liebe das“, sagt sie strahlend. Es stecke viel Leidenschaft hinter der „Adelbar“ betonen beide.

Unser Café ist ein „Mitmach-Café“, erzählt Eva Mihai vom Konzept. Auf der Speisekarte stehen Gerichte wie „Jannis Weißwurstfrühstück“, „Michis Flammkuchen“ oder „Yaelles petit déjeuner“. „Alles Rezepte, die von Freunden oder Gästen kommen oder die uns darauf gebracht haben“, sagt Eva Mihai. Die Karte unterliege so ständigem Wandel, immer wieder verändere sich etwas oder komme etwas dazu. „Jeder kann sich einbringen“, erklärt die 27-Jährige.

Zusammen mit zwei weiteren Freundinnen bilden Eva und Maggie Mihai ein Viererteam, das den Laden gemeinsam schmeißt. Da alle vier unter der Woche einem Vollzeit-Job nachgehen, beschränkt sich der Adelbar-Betrieb aufs Wochenende. Gestresst fühlen die beiden sich nicht. „Hier her kommen ist ja ein bisschen wie Heimkommen“, erzählt Eva Mihai und Maggie Mihai ergänzt: „Es ist nicht nur anstrengend, es ist auch unser Hobby.“ Vor allem der Umbau sei „die Entspannungstherapie schlechthin“ gewesen. Monatelang gestalteten die vier Freundinnen mit viel Hilfe von weiteren Freunden und Familie das Haus um. Zum vorherigen Zustand des Hauses sagt Maggie Mihai immer wieder: „Es war gastig.“

Um die Pacht für das Gebäude zu erwirtschaften, setzen die Betreiberinnen auch auf Veranstaltungen. Gleich am Eröffnungswochenende fanden zwei Firmenfeiern in der Adelbar statt. Bis zu 40 Gäste bekomme man unter, im Sommer, mit dem Außenbereich auch bis zu 100 Gäste. „Viele Wanderer gingen hier laufen und fragten sich durch, wo man denn noch was trinken gehen könne“, erzählen die Schwestern.

Ein Café habe hier definitiv gefehlt, sind sich die beiden sicher. Auch für Hochzeiten, die zum Beispiel im nahegelegenen Kloster stattfinden, sei man Anlaufstelle. „Wir wollen gerne Treffpunkt im Dorf und darüber hinaus werden“, hoffen die Betreiberinnen.