Ebersbach 50 Flüchtlinge gehen Arbeit nach

Die Stadt Ebersbach hat vergangenes Jahr zwölf bunte Wohncontainer für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in der Daimlerstraße aufgestellt.
Die Stadt Ebersbach hat vergangenes Jahr zwölf bunte Wohncontainer für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in der Daimlerstraße aufgestellt. © Foto: Staufenpress
Ebersbach / TOBIAS FLEGEL 15.06.2018
Ohne engmaschige Begleitung ist dieser Erfolg gefährdet, meint die Flüchtlingskoordinatorin der Stadt.

Ein dreiviertel Jahr nach dem Einzug von anerkannten und geduldeten Flüchtlingen in ein Containerdorf in Ebersbach beurteilt die Flüchtlingskoordinatorin der Stadt die Fortschritte bei der Integration als positiv. „Ich finde, es klappt relativ gut“, sagt Andrea Schiller. Bis auf einige Frauen mit Kindern lernten alle Flüchtlinge Deutsch in Sprachkursen. Zudem machten etwa 50 der 194 Menschen mit Bleiberecht eine Ausbildung oder gingen zumindest stundenweise einer Arbeit nach. Schwierigkeiten sieht die Koordinatorin bei Disziplin und Weitsicht einiger Flüchtlinge: „Sie sind es nicht gewöhnt, eine Planung über ein halbes Jahr zu machen und diese dann auch durchzuziehen.“

Die Vermittlung von vorausschauendem Denken, das Einhalten von Terminen und Vereinbarungen gelingt Schiller zufolge durch eine enge Begleitung der Männer und Frauen. „Man muss dranbleiben – besonders bei denen, die arbeiten“, sagt Schiller. Für einheimische Arbeitnehmer selbstverständliche Dinge müssten Flüchtlinge erst lernen: Sie müssen für einen Arztbesuch ihres Kindes zuerst einen Termin ausmachen, ihren Arbeitgeber darüber informieren und sich frei geben lassen und schließlich auch zum Arzt gehen. Schiller und ihre Helfer schärfen den Flüchtlingen zudem die Bedeutung eines Jobs ein: „Wir haben betont, dass auch während des Ramadans die Arbeit vorgeht.“

Der Koordinatorin zufolge wissen die Flüchtlinge, dass sie mit Fragen zu ihr und ihrem Kollegen Bernd Matthiesen kommen können. Letzterer steht Andrea Schiller seit Mai bei der Begleitung der Menschen aus dem Ausland zur Seite. Schiller geht davon aus, dass anerkannte und geduldete Flüchtlinge mindestens ein halbes Jahr intensiv betreut werden müssen, bis sie soweit sind, sich alleine zurechtzufinden.

Hilfe bei der Bewältigung dieser Herausforderung ist eine vorrangige Aufgabe der zwei Flüchtlingskoordinatoren. Die beiden dienen aber auch Firmen und Betrieben als Ratgeber: „Die Arbeitgeber haben Beratungsbedarf“, berichtet Schiller. Unkenntnis herrsche mancherorts, welche Zuschüsse es für die Anstellung von Flüchtlingen gibt und wie die finanzielle Unterstützung beantragt werden könne.

Die Anstrengungen von Andrea Schiller und ihren ehrenamtlichen Helfern scheinen inzwischen Früchte zu tragen. „Wir haben viele schon in Ausbildung und Arbeit“, sagt sie. Die Koordinatorin betont, dass die Beschäftigungsverhältnisse Teilzeit- und Mini-Jobs mit einschließen. Die Auszubildenden machten eine Lehre als Koch, Maler, Schreiner, Pflegefachkraft oder Kraftfahrzeug-Mechaniker. Andere arbeiteten als Putzkräfte oder in einem türkischen Schnellimbiss.

Ein Bewerbungstraining gehört zu den Angeboten, die die Flüchtlingskoordinatoren für ihr Klientel auf die Beine stellen. Eine professionelle Trainerin soll im Juli Teilnehmern des Kurses zeigen, wie sie eine Bewerbung schreiben, sich für ein Vorstellungsgespräch kleiden und wie sie bei der Begegnung auftreten. Beim letzten von insgesamt sechs Terminen geht es um Etikette und Tischsitten, die bei einem gemeinsamen Essen geübt werden. Das Bewerbungstraining bietet die Flüchtlingshilfe aus Ebersbach zum zweiten Mal mit einer Trainerin aus Göppingen an, die kostenlos hilft.

Zum ersten Mal dagegen gab es im April und Mai einen Kurs, der sich an Familien richtete, die in der Anschlussunterkunft in der Daimlerstraße wohnen. Eine Pädagogin erklärte sechs Elternpaaren und einzelnen Müttern, wie die Betreuung an Kindergärten in Deutschland abläuft und wie sie ihre Kinder zur Grundschule oder einer weiterführenden Schule anmelden. Ein weiterer, der insgesamt vier Termine widmete sich Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in Ebersbach, und beim letzten Treffen bastelten Eltern und Kinder zusammen im Jugendhaus E3. Das Konzept für den Kurs plante Andrea Schiller mit sechs Studentinnen aus Esslingen.

Möglichkeiten wie dieses wollen Andrea Schiller und Bernd Matthiesen in Zukunft weiter anbieten. „Ich erhoffe mir durch meinen neuen Kollegen schon noch mal einen Schub“, sagt die Flüchtlingskoordinatorin. Sie habe vor, mit Hilfe von Lehrern der Arbeiterwohlfahrt einen weiteren Sprachkurs anzubieten. Die Integration der Flüchtlinge in Ebersbach sieht Schiller auf einem guten Weg.

Ein Kommen und Gehen seit 2015

Fluktuation: „Rund 400 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern sind seit Ende 2015 durch Erbersbach gezogen“, sagt Flüchtlingskoordinatorin Andrea Schiller. Von diesen sei nur ein junger Mann straffällig geworden. Wegen Beleidigung und gewalttätigem Verhalten soll er inhaftiert worden sein.

Unterbringung: Der Großteil der anerkannten und geduldeten Flüchtlinge lebt in Privatwohnungen. Rund 150 sind in Apartments untergebracht, die nicht der Stadt gehören. Drei Familien wohnen in Bünzwangen, Sulpach und Weiler. Weitere sind in fünf städtischen Wohnungen sowie im Containerdorf Daimlerstraße untergebracht.