Kreis Göppingen / Dirk Hülser Am 26. Mai werden alle kommunalen Gremien neu besetzt: Seit Donnerstag steht fest, wer als Bewerber für die Kreistagswahl zugelassen ist.

Am 26. Mai dürfen die Wähler jede Menge Kreuze machen. Nicht nur die Europawahl steht an, auch auf kommunaler Ebene werden alle parlamentarischen Gremien neu besetzt: Hunderte Kandidaten bewerben sich um Sitze in der Regionalversammlung, im Kreistag sowie in Gemeinde- und Ortschaftsräten.

Gerade die Kreispolitik hat in den vergangenen Monaten und Jahren oft die Schlagzeilen bestimmt, zum Teil hitzig diskutierte Themen waren die Müllpolitik und das Müllheizkraftwerk, der Klinikneubau sowie der Nahverkehr, hier vor allem der VVS-Beitritt und das Nahverkehrskonzept. 449 Bewerber wollen diese Politik nun fortsetzen oder anders oder womöglich sogar besser machen. Sechs Parteien und die Freien Wähler treten am 26. Mai an – aber nur die SPD hat alle Bewerberlisten komplett füllen können. Ebenfalls auffällig: Der Frauenanteil unter den Kandidaten ist im Vergleich zur Wahl 2014 von 30,3 auf 28,5 Prozent  gesunken (siehe Infobox).

70 Wahlvorschläge zugelassen

Gestern hat der Kreiswahlausschuss im Landratsamt getagt und 70 Wahlvorschläge zugelassen, teilt Jasmin Buresch vom Hauptamt der Kreisverwaltung mit. Das heißt: Sieben Parteien oder Vereinigungen treten in jeweils zehn Wahlkreisen an. Insgesamt sind 58 Sitze im Kreistag zu vergeben, durch Ausgleichsmandate sitzen derzeit aber mehr, nämlich 63 Lokalpolitiker in dem Gremium. Da auf jeder Liste 50 Prozent mehr Bewerber stehen dürfen, als Sitze im jeweiligen Wahlkreis zu vergeben sind, hätten theoretisch 595 Kandidaten antreten können – 85 pro Partei. Weil jedoch außer den Sozialdemokraten niemand alle Listen füllen konnte, sind es nun tatsächlich 449 Kandidaten, die zur Wahl stehen. Der CDU fehlten am Ende drei Bewerber, um das Feld komplett zu machen. Die FDP hätte noch acht weitere Kandidaten gebraucht, die Freien Wähler elf, die Grünen fünfzehn. Die AfD bietet 45 statt 85 Kandidaten auf, die Linke 16.

Wer sich über einzelne Kandidaten informieren möchte, findet derzeit im Internet nur bei einigen Parteien die Listen mit den Namen. SPD und CDU bieten diesen Service, die Freien Wähler stellen sogar alle Bewerber mit Bild und kurzen biografischen Informationen vor. Bei den Grünen stehen nur Infos zu wenigen Wahlkreisen online, die anderen Parteien informieren gar nicht.

Traditionell ist ein Berufsstand im Kreistag überrepräsentiert: die Bürgermeister. Kein Wunder, wirken sich viele Entscheidungen des Gremiums doch direkt auf die Kommunen aus. Vor allem die Höhe der Kreisumlage ist entscheidend, muss dieser Beitrag doch aus den Rathäusern an den Kreiskämmerer überwiesen werden. Für die Freien Wähler treten vier Rathauschefs an, dazu kommen in Reiner Ruf (Rechberghausen) und Werner Stöckle (Wangen) zwei ehemalige Bürgermeister. Ihre Mandate verteidigen wollen Jochen Bidlingmaier (Albershausen) und Hans-Rudi Bührle (Bad Boll), erstmals im Kreistag Platz nehmen wollen Frank Dehmer (Geislingen) und Daniel Kohl (Schlat).

Bürgermeister treten wieder an

In den Reihen der CDU-Fraktion wollen vier Rathauschefs sowie ein Bürgermeister a.D. (Gerhard Ueding, Bad Ditzenbach) wiedergewählt werden. Es sind dies Guido Till (Göppingen), Matthias Wittlinger (Uhingen), Marc Kersting (Süßen) und Marius Hick (Gingen). Auch die SPD will nach der Wahl zwei Bürgermeister in ihre Fraktion aufnehmen: Erstmals treten die jungen Verwaltungschefs Julian Stipp (Salach) und Eberhard Keller (Ebersbach) an. Für die AfD geht ein ehemaliger Bürgermeister ins Rennen: Der frühere Göppinger Baubürgermeister Joachim Hülscher steht auf Platz 1 der Liste im Wahlkreis 1, Göppingen.

Landtagsabgeordnete sitzen ebenfalls im Kreistag, sie treten jetzt auch wieder an: Für die CDU Nicole Razavi, für die SPD Sascha Binder und Peter Hofelich.

Nicht alle Kandidaten wurden vom Landratsamt zugelassen. „In fünf Fällen musste der Kreiswahlausschuss Bewerber von den Wahlvorschlägen streichen, da die erforderlichen Zustimmungserklärungen oder Wählbarkeitsbescheinigungen nicht vorlagen“, schreibt Jasmin Buresch.

Zehn Wahlkreise bei der Kreistagswahl

Wahlkreis Sitze

1 Göppingen 13
2 Geislingen 6
3 Ebersbach 4
4 Uhingen 4
5 Rechberghausen 4
6 Heiningen 6
7 Eislingen 7
8 Süßen 5
9 Donzdorf 4
10 Deggingen 5

Im Mai stehen weniger Frauen zur Wahl als 2014

Bewerber   davon Frauen   Anteil

CDU 82 18 22,0%
FW 74 25 33,8%
SPD 85 37 43,5%
Grüne 70 26 37,1%
FDP 77 13 16,9%
Linke 16 5 31,3%
AfD 45 4 8,9%
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gesamt 449 128 28,5%
2014 429  130  30,3%

Die Wahlergebnisse der Jahre 2014 und 2009

2014 2009

CDU 35,5% 31,3%
FW 20,5% 21,5%
SPD 18,5% 20,1%
FDP 7,9% 14,0%
Grüne 13,8% 13,1%
Piraten 0,8% --
Linke 3,1% --
Die AfD tritt am 26. Mai zum ersten Mal bei der Kreistagswahl an, die Piraten treten nicht mehr an.