Ebersbach/Ulm / KARIN TUTAS  Uhr
Ein 41-jähriger Mann aus Ebersbach muss sich vor dem Landgericht Ulm wegen schwerer körperlicher Gewalt und sexuellen Missbrauchs seiner Tochter verantworten.

Wutanfälle, Schläge mit Stock, Faust und Gürtel, Tritte gegen den Leib eines hilflos am Boden liegenden Kindes. Bei der Wahl seiner Mittel war der Vater zweier Söhne und einer Tochter offenbar nicht wählerisch, wenn es darum ging, der Familie seinen Willen aufzuzwingen und vor allem seine Tochter gefügig zu machen. Die lange Liste der Vorwürfe, die Staatsanwältin Gabriela Stuhler verlas, lässt das Martyrium einer heute 19-Jährigen aus Ebersbach nur erahnen. Über einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren soll die junge Frau von ihrem Vater wiederholt körperlich misshandelt und vergewaltigt worden sein. Der 41 Jahre alte Mann muss sich jetzt vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm verantworten.

Der Leidensweg der jungen Frau begann laut Anklage, die sich auf zwölf Fälle seit dem Jahr 2000 beschränkte, bereits im Kindesalter. Sechs oder sieben Jahre alt war das Mädchen, als zur bereits erlittenen körperlichen Gewalt auch der erste sexuelle Übergriff kam. Mit Leidtragender war ihr Bruder, den der Vater mit Schlägen zum Geschlechtsverkehr mit seiner Schwester gezwungen haben soll. Auf zwölf Fälle beschränkt sich die Anklage – zuletzt habe der Mann seine Tochter im vergangenen Jahr drei Mal vergewaltigt. Nachdem er sie im November 2014 mit Faustschlägen traktiert hatte, war für die junge Frau das Maß voll. Sie ging zur Polizei.

„Wenn ich aufgeregt bin, weiß ich nicht was ich tue“

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft räumte der Mann im Grunde ein. Er bestritt allerdings, seine Tochter vergewaltigt zu haben, als sie noch ein Kind war. In öffentlicher Sitzung nahm der 41-Jährige aber nur zu den Vorwürfen der körperlichen Misshandlung Stellung. „Wenn ich aufgeregt bin, weiß ich nicht was ich tue“, betonte der Angeklagte immer wieder auf Nachfrage der Richter, die versuchten, sich einen Einblick in die Persönlichkeit des Mannes und seiner Motive zu verschaffen.

Er gerate schnell in Rage, auch bei der Arbeit, erklärt der in der Nähe von Ankara geborene Mann, der seit 1990 in Ebersbach lebt. Im Job als Produktionshelfer an wechselnden Arbeitsstellen habe er sich oft aufgeregt. 2009 musste er Privatinsolvenz anmelden, nachdem er zwischen 60.000 und 70.000 Euro an Automaten und beim Poker verzockt hatte. Darüber sei es immer wieder zum Streit mit seiner Frau gekommen, die er einmal mit dem Messer bedroht hatte, „um ihr Angst zu machen“.

Seine Tochter will er allenfalls geohrfeigt haben, zum Beispiel weil er sich über einen Internetchat mit einem Mann geärgert habe. Faustschläge könne er sich eher nicht vorstellen. „Ich bereue“, erklärte der 41-Jährige, der nach mehreren Suizidversuchen und wegen Depressionen in Behandlung ist, immer wieder. Wozu er allerdings zwei Schlagstöcke im Schrank hatte, mit denen er seine Tochter malträtiert haben soll, konnte er nicht schlüssig erklären.

Am 1. Juli ist die – voraussichtlich nichtöffentliche – Befragung des Opfers vorgesehen.