Kreis Göppingen 2950 Rentner im Kreis haben Minijob

SWP 20.11.2015
Immer mehr Rentner im Kreis Göppingen sind auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Rund 2950 Menschen über 65 Jahre haben derzeit einen Minijob.

Wie die Industriegewerkschaft Bau errechnet hat, sind momentan 57 Prozent mehr Menschen in Minijobs als noch vor zwölf Jahren. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur. Die IG Bau warnt deshalb vor einer Zunahme der Altersarmut.

"Ein Minijob ist für viele ältere Menschen im Kreis Göppingen die einzige Möglichkeit, um am Monatsende über die Runden zu kommen. Das darf aber nicht zum Normalfall werden", sagt Mike Paul von der IG Bau Stuttgart. Die Politik müsse dringend gegensteuern und für eine Rente sorgen, die zum Leben reiche. "Wie das gehen kann, zeigen Erfahrungen aus den Betrieben - vom Tariflohn bis zur betrieblichen Altersvorsorge", so Paul.

Für den IG Bau-Bezirksvorsitzenden ist es zudem "höchste Zeit, die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente rückgängig zu machen." Man könne nicht hinnehmen, dass über 70-Jährige Treppenhäuser putzen oder sich als Gärtner etwas hinzuverdienen müssten, obwohl sie Jahrzehnte gearbeitet hätten, kritisiert der Gewerkschafter: "Wer 3000 Euro im Monat verdient, muss schon heute 26 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, um später eine Rente an der Armutsgrenze zu bekommen - nämlich gerade einmal 760 Euro im Monat."

Dabei gebe es längst bewährte Modelle. "In der Bauwirtschaft finanzieren Arbeitgeber und Beschäftigte seit Jahrzehnten eine betriebliche Zusatzrente. Auch wer durch Krankheit früher mit dem Beruf aufhören muss, ist dadurch abgesichert", erklärt Paul. Die Rente auf dem Bau sei ein Muster-Beispiel für die ganze Wirtschaft, so der IG Bau-Bezirkschef. Denn die Zusatzrente gelte überall - im Großunternehmen genauso wie im Drei-Mann-Betrieb. Dafür habe die Gewerkschaft durch allgemein verbindliche Tarifverträge gesorgt.

"Damit die Arbeitsplätze im Kreis Göppingen wirklich demografiesicher werden, brauchen wir mehr Bezahlung nach Tarif", ist Paul überzeugt. Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde reiche für eine spätere Rente, von der man leben könne, nicht aus. Die IG Bau habe schon jetzt am Tarif-Tisch wesentlich höhere Branchenmindestlöhne vereinbart: unter anderem im Baugewerbe, im Dachdecker-, Gerüstbauer-, Maler- und Lackierer-Handwerk.