Rapper 14-jähriger Flüchtling verarbeitet in seiner Musik Krieg und Flucht

Freut sich auf seinen Auftritt in Göppingen: Der 14-jährige Flüchtling Manar aus Syrien lebt seit einer Woche in Hattenhofen. Mit seiner Musik versucht er die Erlebnisse seiner Flucht zu verarbeiten.
Freut sich auf seinen Auftritt in Göppingen: Der 14-jährige Flüchtling Manar aus Syrien lebt seit einer Woche in Hattenhofen. Mit seiner Musik versucht er die Erlebnisse seiner Flucht zu verarbeiten. © Foto: Gacinto Carlucci
Hattenhofen / DAVID STELLMACHER 04.03.2015
Von Syrien quer durch Europa nach Hattenhofen: Der junge Flüchtling Manar Bjeirimi versucht durch Rap-Musik, traumatische Erlebnisse des Bürgerkrieges und der Flucht seiner Familie übers Mittelmeer zu verarbeiten.

„Der Rap hilft mir, meine Erlebnisse aus dem syrischen Bürgerkrieg und von der Flucht mit meiner Familie zu verarbeiten“, sagt der junge Syrer Manar Bjeirimi, der seit einer Woche gemeinsam mit seinen Eltern und zwei Brüdern in Hattenhofen lebt.

Vor ihrer Ankunft im Kreis Göppingen erlebten Manar und sein Vater Alaiddin eine wahre Odyssee der Flucht. Ihren Heimatort Yarmouk, der 2014 durch syrische Regierungstruppen in Schutt und Asche gelegt worden war, verließen die beiden bereits ein Jahr zuvor in Richtung Ägypten, wo sie mit Schleppern die Überfahrt übers Mittelmeer nach Europa wagten: Zwölf Tage gemeinsam mit 350 anderen Flüchtlingen auf hoher See, viele Tage davon ohne Essen. In Sizilien angekommen versuchten sie zunächst, einen Weg nach Schweden zu finden, um den schrecklichen Zuständen italienischer Auffanglager zu entkommen. An der Grenze zu Frankreich wurden sie entdeckt und danach von italienischen Behörden als Flüchtlinge erfasst. Tatsächlich schafften sie es wenig später dennoch nach Schweden, indem sie sich gemeinsam mit anderen Flüchtlingen als Teil einer Hochzeitsgesellschaft ausgaben, die nach Schweden reiste.

Ein Youtube-Video zeigt Manar:


Dort angekommen lernte Manar Englisch und hatte einen Fernsehauftritt, wo er vor großem Publikum rappte. Nach zwei Monaten wurden der junge Flüchtling und sein Vater im Rahmen der europäischen Dublin II-Verordnung zurück nach Italien abgeschoben. Die dortigen Zustände schildert Manar als traumatisch: „Wir lebten in Mailand mit vielen anderen Flüchtlingen am Bahnhof und auf der Straße.“ Polizisten hätten die Flüchtlinge angebrüllt. Besonders in dieser Zeit fand er im Schreiben von Raptexten eine Zuflucht. In Mailand traf er auch den italienischen Filmemacher und Menschenrechtler Gabriele del Grande, Preisträger des Menschenrechtspreises der Stiftung Pro Asyl, der die skurrile Geschichte der Reise der „Hochzeitsgesellschaft“ über alle europäischen Grenzen hinweg in dem Film „Auf der Seite der Braut“ verarbeitete. Der Film wurde beim Filmfestival in Venedig gezeigt und beschäftigt sich auch mit den menschenunwürdigen Bedingungen für Flüchtlinge in Italien.

Im Dezember letzten Jahres kamen seine Mutter Sabah und die beiden Brüder nach Mailand, im Januar reiste die Familie weiter nach Deutschland, wo sie im Erstaufnahmelager Karlsruhe ankam. Dort wurde Oberbürgermeister Frank Mentrup auf den jungen Rapper aufmerksam und verschaffte ihm die Gelegenheit, bei einem Bürgerempfang der Stadt vor gut 1000 Zuschauern aufzutreten.

Manar sind diese Auftritte und der Gang in die Öffentlichkeit mit seinen Texten, die er auf Arabisch schreibt, wichtig. „Ich drücke damit aus, was in meinem Herzen ist“, betont er und fügt hinzu: „Ich möchte damit auf das Leid und den Krieg in meiner Heimat aufmerksam machen.“ Zur Zeit lernt Manar fleißig Deutsch, um bald Raptexte schreiben zu können, die hier jeder versteht. „Ich hoffe so sehr, dass meine Familie und ich hierbleiben dürfen und nicht wieder zurück nach Italien geschickt werden“, erzählt er weiter. Dann möchte er später eine erste eigene CD aufnehmen. Lachend fügt er hinzu: „Neben der Rapmusik ist es mein großes Ziel, Arzt zu werden, um verletzten Menschen, wie ich sie in meiner Heimat gesehen habe, helfen zu können. Ich hoffe, ich habe diese Chance.“

Info: Der Rapper Manar aus Syrien hat am Freitag, den 6. März um 15 Uhr einen Auftritt im Pavillon an der Stadtkirche in Göppingen.

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