Leutershausen Bürgermeisterin: Kripo durchsucht Rathaus und Wohnung

Sandra Bonnemeier kandidierte 2016 bei den BM-Wahlen in Schrozberg und  in Kirchberg.
Sandra Bonnemeier kandidierte 2016 bei den BM-Wahlen in Schrozberg und  in Kirchberg. © Foto: Hartmut Volk
Leutershausen / Harald Zigan 26.10.2018
Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier aus Leutershausen gerät zunehmend in Bedrängnis. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen die Rathaus-Chefin. Die Ermittler durchsuchten auch die Räume ihres Beraters aus Satteldorf.

Eine Affäre in Leutershausen zieht weitere Kreise: Beamte der Kriminalpolizei haben am Mittwoch das Rathaus der mittelfränkischen Stadt und die Privatwohnung von Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier durchsucht. Anlass war das gegen die Rathauschefin laufende Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue. Besuch von Polizeibeamten hatte zur gleichen Zeit auch ein Berater aus Satteldorf, dessen geschäftliche Kontakte mit Sandra Bonnemeier im Mittelpunkt des Ermittlungsverfahrens stehen.

Die Durchsuchungsaktionen bestätigte Staatsanwalt Jonas Heinzlmeier auf Anfrage der Fränkischen Landeszeitung (FLZ). Die Ansbacher Staatsanwaltschaft ermittelt aufgrund einer Anzeige seit Juli gegen Sandra Bonnemeier. Im Kern geht es um die Frage, ob bei den diversen, am Stadtrat vorbei erteilten Aufträgen an den externen Dienstleister aus Satteldorf alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Sandra Bonnemeier kandidierte im Mai und im Juni 2016 bei den Bürgermeisterwahlen in Schrozberg und in Kirchberg erfolglos um den Chefposten auf den Rathäusern: Sie erhielt 27,6 beziehungsweise 28,5 Prozent der Stimmen. Im November 2016 wurde sie schließlich von den Bürgern aus Leutershausen im benachbarten Landkreis Ansbach zur neuen Chefin der Stadtverwaltung gewählt.

Den Berater aus Satteldorf kennt sie bereits aus ihrer Zeit als Wirtschaftsförderin im nordrhein-westfälischen Oer-Erkenschwick. Schon damals soll sie dem Mann Aufträge erteilt haben, obwohl sie damit „ihre Kompetenzen deutlich überschritt“, wie der dortige Bürgermeister Carsten Wewers sagte.

In Leutershausen wiederum brachte im Januar 2018 eine Stele den Stein des Anstoßes ins Rollen: Ohne Beschluss des Stadtrates und ohne Genehmigung des Denkmalamtes ließ Sandra Bonnemeier die elektronische Informationstafel direkt vor dem Rathaus in der historischen Altstadt von Leutershausen aufstellen.

Die auf Geheiß der Behörden nach wenigen Wochen wieder abgebaute Stele schlug mit 60.000 Euro zu Buche. Allein der Berater aus Satteldorf soll für seine Dienste bei diesem Projekt rund 300 Arbeitsstunden bei der Stadt geltend gemacht haben, für die er circa 40.000 Euro brutto kassiert haben soll.

186.000 Euro aus der Stadtkasse

Damit aber noch nicht genug: Laut einer Liste, die den Stadträten von Leutershausen vorliegt, soll der Satteldorfer zwischen Dezember 2016 und Juli 2018 von der Bürgermeisterin mit weiteren Aufträgen bedacht worden sein, für die es ebenfalls keinerlei Beschlüsse des Stadtparlaments gab.

Aus der Stadtkasse wurden dem Berater für insgesamt 28 Rechnungen rund 186.000 Euro überwiesen – das entspricht durchschnittlich rund 9300 Euro pro Monat. Die Rathauschefin beruft sich darauf, dass die Dienstleistungen des Beraters „Geschäfte der laufenden Verwaltung“ seien, die ihren Verfügungsrahmen als Bürgermeisterin nicht überschritten hätten.

Auf der Suche nach Unterlagen

Die Durchsuchungsaktionen am Mittwoch deuten darauf hin, dass die bisherigen Ermittlungen den Anfangsverdacht der Untreue erhärtet haben. „Sonst hätte der Ermittlungsrichter keinen Durchsuchungsbeschluss ausgestellt“, wie der Ansbacher Staatsanwalt Jonas Heinzlmeier von der FLZ zitiert wird. Ziel sei es gewesen, Unterlagen zu finden, die im Zusammenhang mit den Vorwürfen stehen.

Ob Akten oder Computer in Leutershausen und in Satteldorf beschlagnahmt wurden, konnte der Staatsanwalt ebenso wenig sagen wie der Polizei-Pressesprecher Rainer Seebauer. Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier wollte sich Mittwoch am Telefon nicht zu der Durchsuchung des Rathauses und ihrer Privatwohnung äußern. Per E-Mail gestellte Fragen der FLZ beantwortete sie bis gestern nicht. Mit einem Ergebnis der Ermittlungen ist laut Staatsanwalt Heinzlmeier „in den nächsten Wochen“ zu rechnen.

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