Leutershausen Bürgermeisterin fühlt sich verfolgt wie die Juden

Leutershausen / Harald Zigan 13.11.2018
Sandra Bonnemeier nutzt das Amtsblatt der Stadt Leutershausen für Schmähungen ihrer Kritiker.

Sandra Bonnemeier steht unter einem schwerwiegenden Verdacht: Die seit November 2016 amtierende Bürgermeisterin von Leutershausen, die im Mai und Juni 2016 erfolglos um den Chefsessel auf den Rathäusern in Schrozberg und Kirchberg kandidiert hatte, soll einem Berater aus Satteldorf binnen eineinhalb Jahren diverse Aufträge mit einem Volumen von insgesamt 186.000 Euro zugeschanzt haben – ohne jegliche Genehmigung durch den Gemeinderat.

Damit hat der externe Berater durchschnittlich 9300 Euro pro Monat kassiert – eine fürstliche Summe, die einschließlich der Bürgermeisterin kein einziger Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Leutershausen verdient. Für die seltsamen Methoden der Sandra Bonnemeier interessiert sich inzwischen auch die Staatsanwaltschaft in Ansbach: Die Ermittler der Justiz gehen dem Verdacht der Untreue nach.

Eine Durchsuchungsaktion der Polizei im Rathaus von Leutershausen, in der Privatwohnung der Bürgermeisterin und beim Berater in Satteldorf war Ende Oktober der vorläufige Höhepunkt in einer Affäre, die sich schon seit Januar 2018 hinzieht.

Einen Stadtrat im Visier

Die Liste mit Kritikpunkten an Sandra Bonnemeier ist mittlerweile ellenlang und reicht von einer Info-Stele, die ohne Genehmigung des Denkmalamtes aufgestellt wurde, bis hin zu dem Vorwurf, dass die Bürgermeister­in Anträge und Beschlüsse des Stadtparlaments schlichtweg ignoriere oder monatelang nicht umsetze.

Die massive Kritik an ihrer Amtsführung ficht Sandra Bonnemeier offenbar nicht an – ganz im Gegenteil: In einem privaten Internet-Blog keilt sie kräftig gegen ihre kommunalpolitischen Gegner. Im Visier hat sie dabei vor allem ihren schärfsten Kritiker Manfred Schmaus, Stadtrat der Alternativen Liste Leutershausen (ALL) und stellvertretender Bürgermeister, den Bonnemeier schon mehrfach als „Lügner“ schmähte und ihm unterstellte, die Stadt „in Schutt und Asche“ legen zu wollen.

Die Bürgermeisterin selbst sieht sich als Opfer von missgünstigen Machenschaften: Sie werde „denunziert, beleidigt, beschimpft und sogar bedroht“, wie sie im April 2018 im Mitteilungsblatt der Stadt barmte. Inzwischen scheut Sandra Bonnemeier auch nicht mehr davor zurück, Parallelen zwischen ihrem Fall und der Verfolgung der Juden in der NS-Diktatur zu ziehen.

„Aufgehetzte Menschen“

So nutzte die Bürgermeisterin Mitte Oktober wiederum das amtliche Organ der Stadt als Plattform für ihre ureigene Sicht der Dinge. Zur Reichspogromnacht im Jahr 1938 schrieb Sandra Bonnemeier: „Was mir ergänzend noch sehr am Herzen liegt, sind ein paar Worte zu den Ursachen und Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit den Gräueltaten vor 80 Jahren, aber auch dem Hier und Heute.“

Denn „noch immer lassen sich Menschen nur allzu leicht aufhetzen und glauben viel zu oft nur allzu leicht, was sie glauben sollen, was sie hören, was sie lesen – ohne zu hinterfragen.“

Und erneut muss Manfred Schmaus als Watschenmann für die Bürgermeisterin herhalten. Er habe sie nämlich „in einem Atemzug mit Goebbels, also einem der schlimmsten Verbrecher der jüngeren Geschichte, genannt und verglichen.“

Was Sandra Bonnemeier allerdings verschweigt: Die Bürgermeisterin hatte zuvor in ihrem Blog von „Plus- und Minusmenschen“ schwadroniert, was der Stadtrat im April 2018 gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ so kommentierte: „Das ist wie in einem totalitären System, das ist der Sprachduktus der Nazis, wie damals bei Goebbels, der von Herren- und Untermenschen redete.“

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