Rothenburg Aus einer Idee wächst ein Event

Sandra Keiner aus Niederstetten erreicht beim zweiten Wertungslauf nach einer Viertelstunde gut gelaunt das Ziel.
Sandra Keiner aus Niederstetten erreicht beim zweiten Wertungslauf nach einer Viertelstunde gut gelaunt das Ziel. © Foto: Ralf Mangold
Rothenburg / Ralf Mangold 06.11.2018
Ein außergewöhnliches Hobby betreiben die rund 180 Starter beim 23. Schlittenhundewagenrennen in Oberndorf. Hier steht noch der Spaß im Vordergrund und das ganze Dorf ist als Helfer im Einsatz

Zufrieden kommt Sandra Keiner ins Ziel. Rund 14 Minuten hat sie mit ihren vier Hunden für die anspruchsvolle und rund 5,5 Kilometer lange Strecke benötigt, was nach den beiden Wertungsläufen am Samstag und Sonntag voraussichtlich Platz zwei bedeutet in ihrer Kategorie. „Das Ergebnis ist eigentlich völlig unwichtig“, erklärt die 31-Jährige, die schon seit drei Jahren an den Rennen im Geslauer Ortsteil  Oberndorf teilnimmt.

Durch Zufall sei sie zu den Schlittenhundewagenrennen gekommen. „Mein erster Hund war ein bisschen hyperaktiv“, erinnert sich die Niederstettenerin. „Die Hundeschule hat mir empfohlen, ihn abzugeben. Aber dann gab mir jemand den Tipp, ihn vor ein Fahrrad zu spannen.“ Und das hat super gepasst, „Argo“ konnte sich so richtig austoben und hatte zudem Spaß daran. So kam sie zum Bikejöring. Nach ein paar Jahren legte sie sich noch einen zweiten Hund zu, „doch das wurde mir schnell auf dem Fahrrad zu unsicher“. So kaufte sie sich einen Trainingswagen, „und schon benötigte ich insgesamt vier Hunde“, ergänzt sie schmunzelnd.

Jeden zweiten Tag trainiert sie in freier Natur auf dem Feld neben dem Aussiedlerhof, auf dem sie wohnt – und das eigentlich immer alleine, denn einen Verein gibt es in der Region nicht. „Meine ersten Hunde waren allerdings keine Rennhunde.“ Nachdem Argo gestorben war, kaufte sie sich vier Zuchthunde, drei Alaskan-Huskys und einen German Trailhound. Mit denen fährt sie zwei- bis dreimal im Jahr mit ihrem Freund zu Trainingslagern in Deutschland, Tschechien oder Schweden.

Lenkung erfolgt über die Stimme

Mit der Bremse am Trainingswagen kann sie die rasante Fahrt über Wiesen und Waldwege stoppen, „aber eigentlich lenke ich die Hunde nur  über meine Stimme. Im Idealfall schauen sich die jüngeren Hunde alles von den älteren ab.“ Dass dies sehr gut funktionieren kann, demonstriert eindrücklich ein Kontrahent, der mit einem völlig blinden Hund an den Start geht. Jener orientierte sich nur an den anderen Hunden.

Zudem startet Sandra Keiner jedes Jahr bei diesem Rennen in der Nähe Rothenburgs. „Das ist immer ein Highlight für meine Hunde und natürlich auch für mich.“ Am Berg unterstützt sie die Tiere ein wenig durch Anschieben, „ansonsten machen sie alles alleine“. Anspruchsvoll ist es, die Konzentration bei den Hunden hochzuhalten, bei den vielen Eindrücken rund um die Strecke. Ihr gefällt die enge Zusammenarbeit mit den Hunden als Team – und natürlich auch die Geschwindigkeit.

Unterstützt wird sie als Mu­sher (Gespannführer) bei den Rennen von ihrem Freund Christoph. Er  agiert als sogenannter „Dog-Handler“, hilft bei den Startvorbereitungen und der Pflege der Hunde. Normalerweise campen sie über die drei Tage auf dem riesigen Zeltplatz, aber weil ein Hund krank zu Hause bleiben musste, fahren sie in diesem Jahr abends immer heim. Auch beim beliebten  Nachtlauf musste sie deshalb am Freitag passen.

„Der Nachtlauf ist ein Highlight unserer Veranstaltung“, erzählt Matthias Kohr, der für die Öffentlichkeitsarbeit der „Sled dog friends Oberndorf“ zuständig ist und zu den Gründungsmitgliedern vor rund 23 Jahren gehörte. „Da kommen immer viele Zuschauer und die Stimmung ist super.“ Im Start- und Zielbereich werden bei dem Event ohne Wertung Fackeln aufgestellt, die Mu­­sher leuchten die Strecke mit ihren Stirnlampen aus.

Treibende Kraft bei der Gründung war der langjährige Vorsitzende Elmar Bamberger, der inzwischen seine Szenekenntnisse als Moderator an das Publikum weitergibt. „Er war früher selbst Musher und 1992 nach Oberndorf gezogen. „Drei Jahre später ist er auf uns zugekommen, ob wir nicht mal ein Schlittenhundewagenrennen durchführen wollten.“

Mit 30 Gespannen angefangen

Bei der Premiere waren es noch rund 30 Gespanne, inzwischen sind es rund 180 Starter mit über 800 Hunden. Die Musher kommen jedes Jahr am  ersten Novemberwochenende aus Frankreich, Österreich, Schweiz, Tschechien und ganz Deutschland.

„Inzwischen ist praktisch der ganze Ort eingespannt als Helfer“, so Kohr. Einige Hundeführer kommen schon seit vielen Jahren und dadurch sind inzwischen auch etliche Freundschaften entstanden. „Aber wir haben auch immer zahlreiche Neulinge, da wir kein Verbandsrennen sind und so auch keine strengen Vorschriften einhalten müssen. Hier geht es mehr um die Gaudi.“

Abends trifft man sich  im Festzelt und dort tauschen sich die Einheimischen und die Teilnehmer bei Musik noch ausgiebig über das Erlebte aus.

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