Infrastruktur Zukunft des Sendener Bades weiter unklar

Senden / Niko Dirner 26.07.2018

Einen „Rettungsring“ für das Sendener See- und Hallenbad haben Stammgäste und engagierte Bürger, wie berichtet, unlängst aufgepumpt – der Förderverein für die beliebte, aber in die Jahre gekommene Freizeiteinrichtung besteht seit 12. Juli. Am Dienstag nun hat Zweiter Vorsitzender Andreas Mayer im Stadtrat dargelegt, wofür die Organisation kämpfen will: für eine maßvolle und damit bezahlbare Sanierung.

Also genau das nicht, was ein Planer der Firma Fritz aus Bad Urach dem Gremium vorstellte. Er referierte eine auf Grundlage eines Ratsbeschlusses vom Januar 2017 erstellte Machbarkeitsstudie für die Sanierung des Außenbeckens und die Erneuerung der Röhrenrutsche. Aber offenbar nicht so, wie sich die Räte das gedacht hatten. Sondern eben als die vom Förderverein abgelehnte „Luxus-Variante“. Untersucht worden ist demnach, wie sich das Außenbecken zweiteilen ließe, so das eine Hälfte mit Zugang vom Hallenbad aus auch im Winter nutzbar wäre. Zudem plante Fritz eine neue Breitrutsche, Massagedüsen, Sprudelliegen. In allen drei Varianten würde das die Stadt 2,3 Millionen Euro kosten.

In der Sitzung kam der Fachmann nicht dazu, alle Varianten vorzustellen, weil Georg Schneider, SPD, ihn alsbald erbost unberbrach: „Diese Planung interessiert mich nicht“, sagte er. „Diese Millionen können wir nicht bezahlen.“ Er wolle wissen, was es kosten würde, das geflieste Außenbecken durch ein Edelstahlbecken auszutauschen. „Nicht mehr!“ Andere Stadträte stimmten mit ein. Es wäre „verlorene Zeit“, sich die gesamte Präsentation anzuhören, sagte Walter Wörtz, CSU. „Das, was uns hier vorgestellt wird, können wir uns nicht leisten.“

Anton Leger von den Bürgerinteressen sagte, dass seine Fraktion vor vier Jahren ein Angebot einer Firma vorgelegt habe, wonach ein Edelstahlbecken samt Rutsche weniger als eine Million Euro gekostet hätte. Aus dem Sendener See- und Hallenbad solle „kein Spaßbad“ werden. Ein im Winter nutzbares Außenbecken mache keinen Sinn: „Das müssten wir ja auch heizen.“ Dadurch würden die Eintrittspreise steigen und die Besucherzahlen sinken.

Zu wenig Pumpleistung?

Nach dem Proteststurm beharrte der Planer darauf, er habe eben den Auftrag bekommen, ein kombiniertes Sommer-/Winterbecken zu planen. Der Stadtrat beschloss letztlich, den Punkt zu vertagen und dem Büro den Auftrag zu erteilen, eine einfache Sanierung des Außenbeckens abzuschätzen. Dass es freilich damit allein nicht getan ist, machte ein zweiter Fachplaner von Fritz deutlich. Er wies darauf hin, dass Umwälzpumpen heute schon eine zu geringe Leistung erbringen, um die DIN-Normen zu erfüllen. Folglich müsste wohl auch in die Technik investiert werden.

Bürgermeister Raphael Bögge sagte gestern: Dass der Vortrag der Ingenieure abgebrochen wurde, sei „ohne Stil“. Unklar bleibt, warum Bögge seinen unlängst der Presse präsentierten Vorschlag im Rat nicht ausbreitete: 2019 nur die unaufschiebbare Sanierung des Auslaufbeckens der Rutsche durchziehen; nach 2020 das Außenbecken modernisieren, die Lüftung im Rutschenturm erneuern. 2,3 Millionen Euro würde das kosten. Wenn vorher Becken oder Rutsche kaputt gingen,  müssten diese allerdings gesperrt werden. Insgesamt würde eine Grundsanierung 5,5 Millionen Euro kosten. Attraktivitätssteigerungen wären erstmal nicht drin.

Neues Innenbecken mit Rutsche

Für den neuen Förderverein sagte Andreas Mayer, es gäbe die Möglichkeit, das Bad „mit einem weit niedrigeren Budget“ zu sanieren. Illertissen habe das mit dem Nautilla gezeigt, dort habe ein neues Innenbecken mit Rutsche nur 250 000 Euro gekostet. Er habe den Eindruck, die Stadt schlage eine „zu teure Sanierung“ vor, um dann sagen zu können, das sei nicht zu leisten. Das sei „verantwortungslos“. Bögge will nun das Gespräch suchen.

Stadtverwaltung lehnt Wunsch-Listen ab

Streit Bislang sind sich der Schwimmbad-Förderverein mit Dietmar Roschkar an der Spitze und Bürgermeister Raphael Bögge nicht wirklich grün. Das wurde in der Stadtratssitzung am Dienstag deutlich, als Roschkars Stellvertreter Andreas Mayer der Stadtverwaltung vorwarf, eine Umfrage unter Badegästen zu verhindern. Man habe auf Aushängen um Vorschläge bitten wollen, wie das Bad schöner gestaltet werden könnte. Walter Gentner von der Verwaltung antwortete, die Stadt wolle nur verhindern, dass Begehrlichkeiten geweckt werden, die dann nicht erfüllt werden können. Offenbar aber ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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