Denksport Zug um Zug zum Aufstieg

Dimitrij Anistratov (von links), Rolf Geiger, Bernhard Jehle und Mark Heidenfeld freuen sich über den Aufstieg.
Dimitrij Anistratov (von links), Rolf Geiger, Bernhard Jehle und Mark Heidenfeld freuen sich über den Aufstieg. © Foto: Manuela Rapp
Von Manuela Rapp 24.08.2018

Die zweite Bundesliga kommt nach Jedesheim. Ein klasse Schachzug für den örtlichen Schachclub:  „Das ist etwas Besonderes“, kommentiert Vorsitzender Bernhard Jehle den Aufstieg; „nicht nur für den Ort, vielmehr für die Region Oberschwaben.“ Berechtigtes Lob, denn Zug um Zug haben es seine Leute geschafft, sich nach oben vorzuarbeiten. Nicht umsonst meint Team-Mitglied Mark Heidenfeld: „Das ist eine klasse Leistung, ein tolles Erlebnis in der Vereinsgeschichte.“ Zumal auch die zweite und die dritte Mannschaft des Clubs aufgestiegen seien.   Das sagt einer, der starke Konkurrenz gewohnt ist: Heidenfeld gehört seit 1996 der irischen Schach-Nationalmannschaft an. „Wenn die Saison gut läuft, wäre der Klassenerhalt ein realistisches Ziel.“

Neue Entfernungen

Was ist mit der Erstklassigkeit? „Utopisch“, winkt der Ulmer ab. „Die zweite Liga in Deutschland ist stärker als viele andere Nationalligen“, betont der Mann, der lange für Post-SV Ulm Erfahrungen in der Bundesliga sammeln konnte.   Für die Jedesheimer ergeben sich mit den höheren Weihen hauptsächlich zwei Veränderungen: „Wir verlassen den regionalen Charakter“, erläutert Bernhard Jehle. „Es werden sehr viele ausländische Spieler dabei sein.“ Für sie sei die zweite Bundesliga das Sprungbrett in die Königsklasse. Die zweite Schachbundesliga ist viergeteilt und zwar nach geographischen Kriterien. „Sie geht rauf bis Frankfurt und umfasst Baden und Württemberg“, umreißt der Chef des rund 70 Mitglieder starken Clubs die neuen Entfernungen.   Der Modus ist einfach: Gespielt wird zweimal am Wochenende, samstags und sonntags. „Die Saison ist relativ kurz, alles ist komprimierter, dafür von der Organisation leichter“, sagtder Weißenhorner. Dazu stehen fünf Termine im Kalender, am 15./16. Dezember spielt die Mannschaft dann in der Gemeindehalle vor heimischer Kulisse. So ein Erfolg kostet Geld. Das spricht Bernhard Jehle offen an.  „Ohne finanzielles Engagement kann man sich hier nicht halten.“ Der Vereinschef denkt dabei beispielsweise an die anfallenden Fahrt- und Übernachtungskosten. „Unterstützung vom Gesamtverein ist sichergestellt. Wir wären jedoch froh, wenn wir noch Sponsoring bekämen.“ Der Schachclub, das muss man wissen, ist eine Abteilung des SV Jedesheim 1921.

Niveau halten

„Aufrüsten“ wollen Jehle und seine Mitstreiter die Bundesliga-Auswahl nicht. „Wir versuchen hauptsächlich mit der Mannschaft anzutreten, die aufgestiegen ist.“ Nur ein Neuzugang, ein 19-jähriger Schweizer, stoße dazu. „Wir möchten mit den gleichen Leuten unser Niveau halten“, bekundet der Vorsitzende. „Wir sind nicht schlecht“, fügt er hinzu. Die Investition in neue Spieler sei keineswegs Sinn und Zweck des Aufstiegs: „Wir sind nicht so fixiert auf die erste Mannschaft.“ Schließlich gebe es noch sieben weitere. „Ein Abstieg wäre auch kein Beinbruch.“ Ganz wichtig für die Jedesheimer ist vielmehr die Nachwuchsarbeit.

  Aus Dietenheim, Illertissen, Aalen, Illerkirchberg oder Ulm rekrutiert sich das Stammpersonal, doch die Jedesheimer erhalten durch junge Talente aus Vorarlberg auch spielerische Verstärkung. Und dann gibt es da noch eine weitere Trumpfkarte: „Wir haben einen Schachgroßmeister aus Serbien, unsere Stütze“, schmunzelt Jehle. Bei den Wettkämpfen sitzen acht Personen pro Team an den Brettern, acht weitere sind Ersatzleute. „Trainer haben wir keine, jeder Spieler bereitet sich individuell vor.“

  Wie er das macht, beschreibt Spieler Dimitrij Anistratov so: „Vor meinem Bundesligaeinsatz möchte ich noch bei Turnieren mitmachen, um meine sportliche Form zu halten“, sagt der Dietenheimer. Für ihn sei es unmöglich, alle in Frage kommenden Partien zu analysieren. Deshalb  will er das Können, das er hat, im Turnier anwenden.

Meisterturnier und Après-Schach

Regularien Die Württembergischen Schachmeisterschaften – neu konzipiert als Schachfestival Württemberg – finden von Samstag, 25. August, bis Sonntag, 2. September, täglich ab 14 Uhr in der Historischen Schranne Illertissen statt. Ausrichter ist der Schachclub Jedesheim. Insgesamt werden drei Turniere gespielt. Der sportliche Höhepunkt ist das internationale Meisterturnier, bei dem die besten württembergischen Spieler gegen vier ausländische Schachmeister antreten. Im zweiten Turnier, dem so genannten Kandidatenturnier, geht es ebenfalls um Aufstieg und Geldpreise. Zum ersten Mal ist zudem ein offenes Turnier für jedermann ausgeschrieben. Täglich findet von 18 Uhr an Après-Schach mit Cocktails auf dem Schrannenplatz statt. Unter dem Motto „Chess meets Folk“ geben die „Merk Brothers“ im Rahmen des Festivals am Freitag, 31. August, ab 19 Uhr ein kostenloses Konzert auf dem Schrannenplatz.

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