Memminger Drogendealer Drei Angeklagte im Drogenprozess verurteilt

Memmingen / Carsten Muth 20.08.2018
Im Memmingen Drogen-Banden-Prozess wurden drei Angeklagte verurteilt. Das Verfahren gegen die Haupttäter wurde abgehängt.

Sechs Verhandlungstage, Geständnisse aller Angeklagten, dazu einen „Deal“ zwischen den Prozessbeteiligten. Also eine Absprache, die das komplexe Verfahren abkürzen sollte: Dennoch ist der Prozess gegen fünf Männer einer Drogendealer-Bande gestern nicht vollends abgeschlossen worden. Am Ende gab es drei Urteile. Gegen die beiden Haupttäter wird jetzt weiterverhandelt. Das Verfahren gegen sie wurde überraschend abgehängt.


Anklage

Es geht um bandenmäßigen Drogenhandel. Die fünf späteren Angeklagten sollen 35 Kilogramm Kokain, 54 Kilo Ketamin und 6,5 Kilogramm Marihuana geschmuggelt haben – in Lastwagen und Autos, versteckt zwischen Eiscreme oder in umgebauten Autobatterien.


Haupttäter

Der  Staatsanwalt forderte zehn Jahre Haft für einen 37-Jährigen Autohändler, sechs Jahre für seinen Komplizen, 48, einen früheren Profi-Ringer in Rumänien. Die beiden Beschuldigten sind die mutmaßlichen Haupttäter der Bande und kommen aus dem Landkreis Neu-Ulm. Der Prozess gegen sie wird  am kommenden Freitag fortgesetzt. Weil das Gericht noch Klärungsbedarf sieht. Vor allem,  was die Rolle eines angeblichen wichtigen Hintermannes der Gruppe betrifft, der sich derzeit in seiner Heimat Rumänien wegen Drogenschmuggels vor Gericht verantworten muss.

Urteile

Die restlichen drei Angeklagten, zwei Lkw-Fahrer aus Rumänien sowie ein Mann aus dem Kreis Neu-Ulm, wurden wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Drogenhandel verurteilt: Die Lkw-Fahrer müssen dreieinhalb und fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, der Mann aus dem Kreis Neu-Ulm erhielt zwei Jahre Haft. Seine Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der zweifache Familienvater 5000 Euro Geldstrafe bezahlen. Er hatte die Autobatterien für den Drogenschmuggel umgebaut. In seinem Fall blieb die Große Strafkammer mit ihrem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sich für zwei Jahre und acht Monate und gegen eine Bewährung ausgesprochen hatte.

Urteilsbegründung

Der Vorsitzende Richter Jürgen Hasler sprach von schweren Verbrechen, die die Verurteilten begangen haben. In seiner Begründung der Urteile betonte er: „Wir haben es hier mit einer ganz erheblichen Menge an Drogen zu tun, die in Umlauf gebracht werden sollte“. Die ausgesprochenen Strafen sind nach Ansicht Haslers keineswegs zu hoch ausgefallen. Der Richter war überzeugt: Die Strafen für die Betroffenen wären um einiges höher ausgefallen – wenn diese keine Geständnisse abgelegt hätten. Oder wenn die Männer in England vor Gericht gestellt worden wären. Dort waren die von der Bande geschmuggelten Drogen sichergestellt worden.

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Telefone angezapft, Peilsender angebracht

Ermittlungen Die Anklageschrift in dem Verfahren umfasst 53 Seiten, die Verlesung derselben auf deutsch und rumänisch beim Prozess­auftakt dauerte drei Stunden. Die Ermittlungen wurden europaweit geführt, die Verdächtigen beschattet, ihre Telefone abgehört, Peilsender an den Fahrzeugen angebracht – und die Schmuggelfahrten von der Polizei „eng begleitet“. Die Initiative für die Ermittlungen ging von den Behörden in Rumänien aus. Beteiligt waren zudem Strafverfolger aus Deutschland, Spanien, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien.

Wert Allein der Warenwert des sichergestellten Kokains beträgt rund eine Million Euro.

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