Zupacken, nicht ausweichen. Kämpfen, Siege genießen, Niederlagen akzeptieren – dem Gegner hinterher die Hand reichen. Das hat Wolfgang Schrapp früh gelernt. „Beim Ringen“, wie der Vater zweier erwachsener Töchter sagt. Nun hat der 60-Jährige eine weitere Herausforderung angenommen: Schrapp will für die Freien Wähler in den bayerischen Landtag, nach der Wahl am Abend des 14. Oktober den Einzug in das Plenum feiern. Eine Herausforderung, die er sportlich angeht. Wie immer, wenn es im Leben schwierige Aufgaben zu meistern gilt. Schrapps Motto: „Nicht schwätzen, sondern machen!“

So tingelt der Bellenberger derzeit von Termin zu Termin, wirbt für sich und seine Freien Wähler, kritisiert die überbordende Bürokratie, auch und gerade für Unternehmen, ätzt gegen den seiner Ansicht nach zu starken Einfluss von Lobbyisten in der Politik, lobt Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, in Vereinen, Verbänden, Initiativen.

Schrapp ist selbst ein Vereinsmensch. Jahrelang leitete er den ehrwürdigen Athletik-Sportverein in seiner Heimatkommune. Den Job hat er vor einigen Monaten nach Unstimmigkeiten im Vorstand aufgegeben. Schweren Herzens. „So ist das Leben: Man muss auch mal loslassen können.“

Ergreifen will der 60-Jährige seine Chance bei der Landtagswahl. Schrapp steht auf Listenplatz elf in Schwaben, weiß: Es wird nicht einfach, von dort aus den Sprung in den Landtag zu schaffen, auch wenn die Freien Wähler in Umfragen gut dastehen. Laut Bayern-Trend kommen sie derzeit auf elf Prozent, befinden sich auf Augenhöhe mit der SPD. Schrapp hofft, dass nach der Wahl die Karten intern neu gemischt werden, möglichst viele Freie-Wähler-Kandidaten aus Schwaben zum Zug kommen, er so ins Maximilianeum einzieht.

Wer mit Schrapp an einem Tisch sitzt, mit ihm spricht, merkt rasch: Der Mann ist ein Energiebündel, ein Tausendsassa mit pickepackevollem Terminkalender. Langeweile jedenfalls dürfte ein Fremdwort für den jung gebliebenen 60-Jährigen sein, den Unternehmer, Zimmerer- und Dachdeckermeister, überzeugten Bio-Bauer mit eigenem Hof bei Kettershausen im Unterallgäu, Kreis- und Gemeinderat, Trainer, Sportler.

Apropos Sport. Bewegung, sich austoben dürfen und können. Alles das kommt nach Einschätzung von Schrapp in Erziehung und Schule zu kurz. Da will der Freie-Wähler-Mann und Kampfsporttrainer ansetzen. „Viele Kinder können heutzutage noch nicht einmal einen gescheiten Purzelbaum, geschweige denn schwimmen.“ Deshalb will er sich dafür einsetzen, Grundschüler in Bayern zum Schwimmunterricht zu verpflichten. Schwimmen, findet er, ist so wichtig wie Radfahren.

Politisch geprägt haben Schrapp die Überväter der Sozialdemokratie. „Willy Brandt und vor allem Helmut Schmidt waren schon Persönlichkeiten“, sagt er. Warum ist Schrapp dann bei den Freien Wählern gelandet, nicht bei der SPD? „Mir hat der Gedanke gefallen, in keiner traditionellen Partei zu sein“, sagt der Unternehmer. Ihm gefalle die Freiheit bei den Freien Wählern. Die Freiheit, als Mandatsträger selbst nach seinem Gewissen entscheiden zu können, sich keiner wie auch immer gearteten Fraktionsdisziplin unterordnen zu müssen.

Im Übrigen sollten Politiker wie Ringer sein. Hart in der Sache, konfliktfähig, fair, sagt Schrapp und erinnert an den Herbst 2015. Damals wollte er ein Gebäude an einen Investor verkaufen, der darin wiederum Flüchtlinge unterbringen wollte. Der Unternehmer wurde scharf attackiert, musste sich einiges anhören. „Dabei ging es nicht ums Profitmachen, sondern darum, Menschen im Not zu helfen.“ Die verbalen Angriffe haben ihn beeindruckt, seine Meinung aber nicht geändert. „Man muss für seine Überzeugung einstehen und auch mal anecken können.“

Seit 31 Jahren Unternehmer


Person Wolfgang Schrapp kam 1958 in Illertissen auf die Welt, wuchs in Bellenberg auf, wo er noch heute wohnt. 1987 gründete Schrapp mit seinem Geschäftspartner Dieter Salzgeber den gleichnamigen Zimmereibetrieb – mit heute 55 Mitarbeitern und Sitz in Illertissen. Schrapps Tochter Stefanie ist inzwischen Mitglied der Geschäftsführung.

Nuxit: Sorge um Norden des Landkreises


Entscheidung Der bayerische Landtag hat das Wort: Das Parlament wird, so will es das Gesetz, letztendlich über den angestrebten Austritt der Stadt Neu-Ulm aus dem gleichnamigen Landkreis entscheiden. Freie-Wähler-Landtagskandidat Wolfgang Schrapp hat dazu eine klare Meinung. Er betont: „Ich will nicht, dass Neu-Ulm geht. Mir geht es um das Gesamte, um den ganzen Landkreis.“

Wurmfortsatz Schrapp befürchtet: Sollte Neu-Ulm tatsächlich in die Eigenständigkeit entlassen werden, bricht ein maßgeblicher Teil des Kreises weg. Dann wird nach Ansicht des 60-Jährigen der Norden des Landkreises – Elchingen und Nersingen – abgehängt und zu einer Art Wurmfortsatz des Rests.