Senden Wohnungsbau auf Webereigelände gekippt

Auf drei Etagen wird gewohnt, dazwischen: ein Park. So der Entwurf für die Sendener Sozialwohnungen. Grafik: Büro Maslowski
Auf drei Etagen wird gewohnt, dazwischen: ein Park. So der Entwurf für die Sendener Sozialwohnungen. Grafik: Büro Maslowski
Senden / NIKO DIRNER 01.08.2013
Der Vorstoß des Sendener Bürgermeisters, 108 Sozialwohnungen auf der Weberei zu bauen, bekam am Dienstag im Stadtrat genau eine Stimme: die des Bürgermeisters. Für die Räte sind noch zu viele Fragen offen.

Wer gehofft hatte, die Zeiten persönlicher Beleidigungen im Sendener Stadtrat seien vorbei, der wurde in der Sitzung am Dienstag enttäuscht. In der Diskussion um das Thema "Sozialverträglicher Wohnungsbau" auf dem Webereigelände attestierte der Grüne Helmut Meisel Bürgermeister Kurt Baiker: "Gegen ihre Wandlungsfähigkeit ist ein Chamäleon eine graue Maus." Baiker entgegnete ihm, er höre sich an wie ein "Märchenonkel". Letztlich votierte das Gremium mehrheitlich für einen Antrag der SPD, zunächst tiefergehende Informationen einzuholen. Und damit war Baikers Vorschlag, auf der Weberei drei Blocks mit insgesamt insgesamt 108 Wohnungen zu bauen, erstmal vom Tisch.

Die Stadträte begründeten ihre Ablehnung damit, dass ihnen die Datengrundlage sowie ein Gesamtplan sowohl für die sozialen Probleme in der Stadt wie auch für die Gestaltung der Weberei, ein Masterplan, fehle. "Man klotzt jetzt diese drei Riesen-Blocks rein, ohne zu wissen, wie man zu einer Durchmischung kommt", monierte etwa CSU-Fraktionschef Walter Wörtz. Die Fraktion sei nicht gegen Sozialwohnungen, aber auf dem Areal seien doch auch Kettenhäuser und andere Wohnformen vorgesehen. Thomas Vogel (Grüne) meinte, "die Massierung von 108 Wohnungen sei nicht sozialverträglich, sie führt zu neuen Problemen". Außerdem habe dieses städtische "Filetgrundstück" eine bessere Architektur verdient. Meisel wunderte sich in dem bereits wiedergegeben Dialog mit Baiker darüber, dass die Grünen jüngst dafür plädierten hätten, vordringlich bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, von Baiker aber abgekanzelt worden seien. Der Bürgermeister antwortete, damals habe man über anderes gesprochen.

Georg Schneider (SPD) sagte, die Fraktion habe ihren Antrag - die Verwaltung klärt die Finanzierung und die Fördermöglichkeit für günstige Wohnungen und organisiert eine Tour zu Vorzeigeprojekten - ja gestellt, "um Struktur hineinzubringen". Der Stadtrat sollte sich erst Grundlagen aneignen und dann einen Architekturwettbewerb veranstalten. Auch Manfred Frisch von den Freien Wählern plädierte dafür, jetzt "Know-How" zu sammeln.

Baiker antwortete, der Bedarf sei da - und definierbar: Laut Faustformel gelte ein Prozent der Bevölkerung als krisengefährdet - das wären rund 200 Sendener. Derzeit seien alle städtischen Wohnungen belegt, die Zahl der Zwangsräumungen nehme ständig zu. Einen sozialen Brennpunkt auf der Weberei mit 108 Wohnungen befürchte er nicht: "Wenn jemand kein Geld hat, bedeutet das nicht, dass er ein Problemfall ist." Auch ein gerade noch wohlhabender Unternehmer könne plötzlich verarmen. Von daher sei "eine Durchmischung" der Mieterschaft gegeben. Hans-Manfred Allgaier attestierte: "Wir machen die Leute schlechter, als sie sind!"

Nur Baiker stimmte für die Verwaltungsvorlage mit 108 Wohnungen. Keine Mehrheit fand ein Antrag der Freien Wähler, die Zahl zu streichen, ansonsten das Projekt aber voranzutreiben. Die meisten votierten letztlich für den zitierten Antrag der Sozialdemokraten.

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