Kreis Neu-Ulm / CLAUDIA SCHÄFER  Uhr
Streifen bald Wildkatzen durch den Landkreis Neu-Ulm? Naturschützer glauben, dass die scheuen Waldbewohner dort wieder heimisch werden – am wahrscheinlichsten im Roggenburger Forst oder im Eschach.
Auch wenn sich die Wildkatze auf den ersten Blick kaum von einer getigerten Hauskatze unterscheidet, historisch gesehen ist sie – anders als die von den Römern mitgebrachte Hauskatze – eine Ureinwohnerin unserer Wälder. Jahrzehnte lang wurde sie gnadenlos gejagt und dadurch fast völlig ausgerottet. Inzwischen zeigt ein Wiederansiedlungsprojekt des Bund Naturschutz in Bayern (BN) Wirkung. Vom Spessart aus breitet sich die Wildkatze langsam in Bayern aus. Sie könnte schon bald den Landkreis Neu-Ulm erreichen, glauben Ulrike Geise und Bernd Kurus-Nägele vom BN.

Laut Geise, Koordinatorin des Wildkatzenprojekts, ist es sogar möglich, dass die Wildkatze den Sprung in den Landkreis bereits geschafft hat, auch wenn es dafür noch keinen Nachweis gibt: „Über kurz oder lang ist auf jeden Fall damit zu rechnen.“ Sicher ist, dass die Vierbeiner bereits im Landkreis Unterallgäu und in der Gegend um Zusmarshausen (Kreis Augsburg) leben, also in der Nachbarschaft.

Festgestellt wurde die Wildkatze im Winter 2014/15, als Ehrenamtliche Naturschützer und Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforste 1100 Lockstöcke in südbayerischen Wäldern – auch im Landkreis Neu-Ulm – verteilten: raue mit Baldrianlösung besprühte Holzstäbe. Rieb sich eine Katze daran, konnten die hängengebliebenen Haare anschließend genetisch untersucht werden. Geise zufolge die einzige Möglichkeit, Wildkatzen sicher von Hauskatzen zu unterscheiden.

Zwar fanden sich nur an insgesamt 16 Stöcken Wildkatzenhaare, und keiner davon stammte aus dem Landkreis, doch ist dies für Bernd Kurus-Nägele, Geschäftsführer der Neu-Ulmer BN-Kreisgruppe, kein sicherer Beweis, dass die Wildkatzen nicht doch schon in unseren Wäldern leben: Bei etwa 120 Lockstöcken im Landkreis habe es sich „nur um Stichproben“ gehandelt.

Für Kurus-Nägele ist klar: „Wenn der Mensch es erlaubt, kann die Wildkatze dorthin zurückkehren, wo der Lebensraum noch da ist.“ Im Landkreis sei dies vor allem der Roggenburger Forst mit seiner Größe und seiner in Teilen „variablen Struktur“ mit feuchten Gebieten und einer vielfältigen Vegetation. Auch der Eschach-Wald bei Holzschwang sei als Lebensraum der Wildkatze denkbar. Die Illerauen mit ihrem „tollen Biotopcharakter“ seien wohl zu schmal.

Kurus-Nägele glaubt, dass die Wildkatze im Landkreis allen willkommen wäre – auch den Jägern und Förstern. Diese „ehemaligen Feinde“ (Ulrike Geise) seien nun massive Unterstützer einer Wiederansiedlung. Denn das Image der Samtpfoten habe sich gewandelt: Früher seien Wildkatzen ebenso wie Luchs und Wolf regelrecht „verteufelt und als große Räuber dargestellt“ worden. Inzwischen seien sie Sympathieträger. Auch sei bekannt, dass die Wildkatze fast nur Mäuse auf ihrer Speisekarte hat.

Was es braucht, um den Tieren bei ihrer Rückkehr zu helfen, definiert Kurus-Nägele so: Waldgebiete mit einer möglichst großen Vielfalt an Lebensräumen. Diese Wälder sollten nicht exzessiv genutzt werden und durch Korridore miteinander verbunden sein, damit die Katzen keine für sie gefährlichen großen Straßen überwinden müssen. Unterstützen könnte dabei ein Wildkatzenwegeplan, wie er in einigen Bundesländern bereits bei der Regionalplanung berücksichtigt werde, ergänzt Geise.

Bis sich die wilden Katzen wirklich in der Region etabliert haben, dürften noch 10 bis 20 Jahre vergehen. Gerade die Entwicklung im Landkreis Neu-Ulm sei „eine spannende Geschichte“, meint Geise. Denn dort sei eine Zuwanderung der Katzen auch von württembergischer Seite möglich, wo es ebenfalls Wildkatzenvorkommen gebe. Die Koordinatorin des Wildkatzenprojekts freut sich schon auf den ersten Nachweis in der Region: „Es ist einfach toll, wenn ein wildes Tier seine alte Heimat zurück erobert.“

Info
Um untersuchen zu können, ob die Wildkatze tatsächlich eingewandert ist, sucht der BN Helfer, die Lockstöcke kontrollieren. Kontakt unter Tel. (0911) 81 87 80, E-Mail ulrike.geise@bund-naturschutz.de.