Bauen Wiedergeburt für die Sparvariante

Von Niko Dirner 18.07.2017

Das sei doch fast ein Schnäppchen. So hat im Januar 2014 der Sendener Bürgermeister, welcher damals noch Kurt Baiker hieß, eine Studie für eine Fußgänger- und Radler-Unterführung am Bahnhof bezeichnet. Für 2,4 Millionen Euro, so das Planungsbüro Pöyry, ließe sich ein solcher Tunnel bauen: Einfach gehalten, handelsüblich sozusagen, mit Geländer, Treppen, Rampen und Park&Ride-Plätzen auf der Ostseite der Gleise. Und von dem genannten Betrag würde sogar eine Million Euro als Fördermittel an die Kommune zurückfließen. An diese Überlegungen erinnern nun die Freien Wähler. Nun, da heraus ist, dass die nach einem aufwendigen Realisierungswettbewerb derzeit geplante Unterführung des Büros Annabau aus Berlin plötzlich bis zu 16 Millionen statt der bisher genannten 8 Millionen Euro kosten soll.

„Der Entwurf von Annabau ist aus meiner Sicht nicht umsetzbar. Wir können uns diese exklusive Art der Unterführung nicht leisten“, sagt FWG-Fraktionschef Edwin Petruch. „Wir müssen back to the roots.“ Was Annabau geplant habe, sei vor allem wegen der damit einhergehenden Umgestaltung der Bahnhofstraße viel zu teuer. 16 Millionen Euro könne die Stadt derzeit und künftig nicht schultern – selbst wenn es bei der aktuell zugesagten 60-prozentigen Bezuschussung aus der Städtebauförderung bliebe.

Zuschüsse kommen erst spät

„Auch 40 Prozent sind viel. Außerdem muss man Zuschüsse vorstrecken und weiß nie, wann sie bei der Stadt ankommen.“ Die Stadtverwaltung müsse erneut mit der Bahn sprechen. „Wie kann ein anderer Zugang zum Bahnsteig aussehen?“ Bekäme der Tunnel keinen Durchstich zum Stadtpark, gäbe es vermutlich eine Drittel-Finanzierung von Stadt, Bahn und Bund.

Seitens der Bahn heißt es offiziell: „Sollte es neue Entwicklungen geben, können diese natürlich im Rahmen der regelmäßigen Projektbesprechungen der Vertragsbeteiligten diskutiert werden.“ Schon am Donnerstag soll, wie zu erfahren ist, eine weitere Gesprächsrunde in München stattfinden. Der Bahnsprecher sagt aber auch: „Die Bahn geht davon aus, dass die Stadt Senden ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllt. Die vorliegende verkehrliche Aufgabenstellung zur Bahnhofsunterführung und Gestaltung des Bahnhofsumfeldes wurden nicht nur mit der Bahn, sondern auch mit dem Freistaat Bayern vereinbart.“

Gemeint ist: Wenn Senden aus der Finanzierung des Tunnels aussteigt, steht ja in den Haushalten von Freistaat oder Bund nicht plötzlich Geld dafür bereit. Außerdem verweisen Experten darauf, dass bei einer Umplanung der gesamte Zeitplan ins Wanken geraten könnte: Bekanntlich soll bis 2022 nicht nur der Tunnel fertig sein, sondern auch der neue Bahnübergang, das neue elektronische Stellwerk, der neue Bahnhof mit Mittelbahnsteig. Für die Arbeiten muss die Bahn jetzt schon so genannten Sperrpausen, also temporäre Stilllegungen der Strecke, beantragen. Überdies plant die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft ja einen neuen Takt auf der Strecke durch Senden, mit mehr Zügen etwa von und nach Weíßenhorn.

Die SPD in Senden sieht die Mehrkosten für den Tunnel ebenfalls als Problem an. Fraktionschef Georg Schneider: „Wenn das bis zu 16 Millionen Euro kostet, können wir gar nichts anderes mehr machen.“ Dabei habe für die SPD Priorität, die Grundschule Wullenstetten als letzte in der Stadt endlich zu sanieren. Und die Kindergartenlandschaft so auszubauen, dass jedes Mädchen und jeder Bub einen Platz bekommen. „Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet.“ Schneider fürchtet aber, dass die Stadt sich der Firma Annabau nicht einfach so entledigen kann. „Die Frage ist, welche Folgekosten eine solche Trennung mit sich bringen würde.“

Bürgermeister Raphael Bögge verweist auf die Frage, was denn die Stadtverwaltung vorschlägt, auf die Pressemitteilung vom Freitag. Darin heißt es, wie berichtet, dass sich unter anderem nach Baugrunduntersuchungen das Projekt verteuert hat – schlimmstenfalls auf 16 Millionen Euro. Deshalb solle sich der Stadtrat am 25. Juli erneut mit dem Vorhaben befassen. Die CSU hofft, macht die Fraktionsvorsitzende Claudia Schäfer-Rudolf klar, dass bis dahin eine belastbare Stellungnahme der Bahn vorliegt.

So soll der goldene Tunnel von Annabau aussehen

Alu-Blech Im Herbst 2015 wurden die ersten drei Plätze des Wettbewerbs für die Bahnhofunterführung und die Neugestaltung der Bahnhofstraße vorgestellt. Das Berliner Büro Annabau errang den ersten Platz. Der Tunnel beginnt auf der Westseite auf Höhe der Gartenstraße. Dort spannt sich ein rund 60 Meter langes Dach über Treppe, Rampe und Rad-Abstellplätze. Die Tunnelwände erhalten gewelltes Blech aus eloxiertem Alu, das golden schimmert. Vom Bahnübergang her gen Süden soll ein Baum-Hain angelegt werden, ein „urbaner Freiraum“ samt Boule-Platz. Auf der Ostseite gibt es ebenfalls rollstuhlgerechte Rampen. Diese seien aber kaum wahrnehmbar, da das Gelände zu den Wegen abgesenkt wird.

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