Illertissen Wieder Leben im Schloss

WILLI BÖHMER 04.04.2013
Seit 2010 ist das Vöhlinschloss Illertissen auch Sitz der drei schwäbischen Hochschulen. Dozenten und Studenten gehen aus und ein. Der einstige Sitz der Grafen von Kirchberg steht wieder mehr im Rampenlicht.

Es herrscht wieder Leben im Vöhlinschloss, das hoch über der Stadt Illertissen thront. Seit die drei schwäbischen Hochschulen Neu-Ulm, Kempten und Augsburg dort ihr Wissenschaftszentrum eingerichtet haben, gehen Studenten aus und ein, treffen sich Dozenten zum Austausch und tagen Wirtschaftsdelegationen in dem stolzen Gebäude. Das "Hintere Vöhlinschloss" und ein angrenzender Flügel sind für den Hochschulbetrieb reserviert worden.

Ursprünglich galt die Finanzhilfe des Freistaats Bayern für den Erhalt der Immobilie nur für drei Jahre. Vor etwas mehr als einem halben Jahr gab es deshalb eine Besprechung, an der das Wirtschaftsministerium und das Finanzministerium teilnahmen. Das hat geholfen: Inzwischen hat die Immobiliengesellschaft Bayern, die die staatlichen Gebäude verwaltet, eine dauerhafte Zusage gegeben. Das Land unterhält das Schloss, die drei Hochschulen übernehmen die Personalkosten für das Fortbildungs-, Management- und Tagungszentrum. "Die Kosten sind überschaubar", sagt Werner Martin, der Leiter des Hochschulzentrums Illertissen. Dafür sollten sie dem Vöhlinschloss, das nach dem Auszug des Amtsgerichts Illertissen ein Stück weit brach lag, wieder Leben einhauchen. Das ist gelungen, sagt Werner Martin.

Seit März 2010 arbeiteten sie daran, das Hochschulzentrum auszubauen. Intern weiter umorganisiert werden konnte nur, wenn gerade keine Tagungen stattfanden. Ende 2011 war die Startphase beendet. Anfangs war unklar gewesen, wie die Räume von den Hochschulen genutzt werden würden. Dass das Zentrum über die A 7 gut erreichbar ist, war hilfreich, sagt Werner Martin. Die Entwicklung lässt sich an den Belegtagen ablesen: im Sommersemester 2010 waren es gerade mal 14, im Wintersemester bereits 42, im Wintersemester 2012 96. Viel mehr werden es wohl nicht werden können, sagt der Geschäftsleiter.

Die so nahe Hochschule Neu-Ulm, die ihren Sitz auf dem Wileygelände in Neu-Ulm hat, profitiert am meisten davon. Im Wintersemester 2012/13 entfielen 52 Prozent der Belegungen auf sie. Kempten schaffte 10 Prozent, Augsburg 16. Der Rest waren Fremdvermietungen. "Ich bin überrascht, wie gut das Zentrum angenommen wird. Ich dachte, so weit sind wir erst in fünf Jahren." "Unser Ziel ist es, einen öffentlichen Bildungsauftrag zu erfüllen", sagt Martin. Er und seine Mitarbeiter wollen einen regen Austausch zwischen der Hochschule und der Wirtschaft erreichen.

Begonnen wurde mit einem breiten Spektrum von Veranstaltungen, sagt der Hochschulmanager. "Das funktioniert sehr gut." Er will den Standort in den nächsten drei bis fünf Jahren zum interdisziplinären Zentrum weiterentwickeln. "Damit die Studenten auch mal über den Tellerrand ihres Fachgebiets hinausschauen." Schon heute sind 57 Prozent der Nutzer Studenten. Aber es melden sich auch immer mehr Tagungsgruppen an. Wirtschaftsinformatiker aus ganz Deutschland trafen sich dort und diskutierten drei Tage lang. Und die Industrie- und Handelskammern Ulm und Schwaben hielten in den Räumen ihren "Indian Summer" ab. Die Illertisser Gesundheitsgespräche finden vierteljährlich im Schloss statt. Die Öffentlichkeit könnte etwas stärker vertreten sein, sagt Werner Martin. Und auf dem Dach hat das Vöhlinschloss besondere Gäste: ein Storchenpaar mit Jungen.

Als er die ersten Begehungen in den Räumen machte, sagte sich Werner Martin, die Räume sind ideal für Bilderausstellungen. Kunstwerke aus der ganzen Region oder aus ganz Bayern hätten dort Platz. Den Gedanken hat er noch nicht aufgegeben. Wechselausstellungen, die zwei bis drei Monate dort zu sehen sind, sollen das Spektrum erweitern und zusätzliche optische Anreize schaffen. Das Schloss lebt, sagt Werner Martin, und es schwingt ein klein wenig Stolz mit.