Die Weißenhorner sind derzeit gefragt, die Entwicklung ihrer Stadt mitzubestimmen. Eine Bürgerbeteiligung ist fester Bestandteil bei der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (Isek), das feste Orientierungsmarken und Leitlinien setzen soll in Fragen, wohin die Kommune in den kommenden Jahren steuert. Bereits zum zweiten Mal hat nun eine Bürgerwerkstatt getagt, um sich mit ersten „Skizzen“, so Martin Fladt vom moderierenden Büro „Umbau Stadt“, auseinanderzusetzen.

Fladt präsentierte den „Umgriff“ für ein weiteres Sanierungsgebiet. Es wäre das dritte nach den Gebieten „Altstadt“ und „Memminger Straße“ und würde diese westlich und nördlich in einem großen Bogen umklammern. Eine wesentlich kleinere „Exklave“ schlösse sich östlich an. In diesen Bereichen hat der Architekt nicht nur eine bedeutende Zahl sanierungsbedürftiger Gebäude ausgemacht, sondern gleichfalls öffentliche Räume mit Mängeln und unerschlossenem Potential, etwa die Schilleranlagen um die Roth-Arme.

In einem förmlich ausgewiesenen Sanierungsgebiet gebe es die Chance auf Fördermittel und Sonderabschreibungen, andererseits aber möglicherweise steigende Mieten. Das weitere Sanierungsgebiet habe nach den Vorstellungen der Stadt sogar Vorrang vor dem Isek, erklärte Fladt während der Bürgerwerkstatt vor rund zwei Dutzend Teilnehmern.

Die Bürger pochten vehement auf mehr Parkplätze, etwa in einer Tiefgarage auf dem Rössle-Areal oder bei einer möglichen Kita auf der Hasenwiese, die Fladt ins Spiel brachte. Ein halbes Dutzend solcher Areale sind als „Handlungsfelder“ mittlerweile definiert. Das Büro hat erste Ideen und „Skizzen“ dazu entwickelt, worin auch die Ergebnisse eines ersten Expertengesprächs und der ersten Bürgerwerkstatt eingeflossen sind.

Wohnanlage auf Rössle-Areal?

Auf dem Rössle-Areal wäre demnach eine Seniorenwohnanlage denkbar. Feuerwehr und Bauhof würden innerstädtischem Wohnen Platz machen. Auf die Hasenwiese käme auch noch ein Bürgerzentrum. Das grüne Band um die Roth wäre Thema eines freiraumplanerischen Wettbewerbs. Der Vorplatz der Fuggerhalle würde aufgewertet und um einen Spielplatz ergänzt. Der westliche Stadteingang könnte zum markanten Punkt werden. Die Kritik lautete, Fladt gehe von „Großstadtvoraussetzungen“ aus, widme aber dem ruhenden Verkehr kaum Aufmerksamkeit.

Der konterte: „Es geht nicht mehr, dass man alle Nutzungen auf Autos ausrichtet.“ Bei seiner Beschwörung der Tradition der „alten europäischen Stadt“ erfuhr er aber auch Rückhalt: „Man könnte meinen, dass Parkplätze das Wichtigste wären“, kommentierte ein Bürger lakonisch.

Außer spontanen Stellungnahmen war ebenso die Abgabe von schriftlichen Kommentaren möglich. Diese werden nun von „Umbau Stadt“ ausgewertet und fließen in die Fortschreibung des Isek-Prozesses mit ein. Doch ein Problem stand hinterher ungeklärt im Raum: Repräsentativ für die Weißenhorner Bürgerschaft sei diese „Werkstatt“ nicht.