Energieeffizienz Wirtschaft konkret: Wie die Wärme im Werk bleibt

Der Kupferprodukte-Hersteller Wieland benötigt sehr viel Energie. Naturgemäß. Nur ein Teil des Produktionsprozesses lässt sich gestalten. Josef Althoff und weitere hauseigene Ingenieure nutzen diesen Spielraum und arbeiten an Einspar-Lösungen.
Der Kupferprodukte-Hersteller Wieland benötigt sehr viel Energie. Naturgemäß. Nur ein Teil des Produktionsprozesses lässt sich gestalten. Josef Althoff und weitere hauseigene Ingenieure nutzen diesen Spielraum und arbeiten an Einspar-Lösungen. © Foto: Volkmar Könneke
Vöhringen / Regina Frank 09.08.2018

Wieland verbraucht riesige Mengen von Energie. 400 Gigawattstunden Strom im Jahr, so viel wie 100 000 Vier-Personen-Haushalte. Und 200 Gigawattstunden Gas, so viel wie 16 000 Haushalte dieser Größe. Kupferschmelzen ist ein physikalischer Vorgang, der naturgemäß viel Energie erfordert. Nur etwa ein Drittel des Prozesses kann überhaupt energieeffizient gestaltet werden. Wo es gelingt, ist die Wirkung indes enorm. So wie bei dem Durchlaufofen, dessen Abwärme in weitaus größerem Maße zurückgewonnen und im Werk weiterhin genutzt wird als bei herkömmlichen Anlagen.

Die Temperaturen verteilt

Hauseigene Ingenieure haben Wege gefunden, wie sie erstens: möglichst viel Energie in diesem speziellen technischen Prozess belassen und ihm immer wieder zuführen. Zweitens: einen Teil der Wärme an anderer Stelle für die Produktion verwenden und drittens: Abwärme mit niedrigeren Temperaturen in die Lüftungsanlagen zum Heizen der Hallen lenken. Sie fanden also Verteilmöglichkeiten für unterschiedliche Temperaturniveaus.

Wieland hat seit Beschaffung dieses Ofentyps vor 20 Jahren dessen Energieeffizienz immer wieder verbessert: Heute können aufgrund all dieser Verbesserungen laut Angaben des Unternehmens 1950 Megawattstunden (1,95 Gigawattstunden) Abwärme rückgeführt werden. Wärme aus der Produktion, die sonst ungenutzt über Kühltürme in die Umgebung ausgeleitet würde. Eine Menge, die ausreicht, mehr als 150 Vier-Zimmer-Wohnungen zu beheizen. Im Werk Vöhringen stehen fünf von diesen Öfen.

Energieeffizienz in diesem Umfang lässt sich nicht ohne weiteres im Nachhinein in eine Fabrik einbauen, nicht durch Umbauten an den Anlagen erreichen. Energieeffizienz muss bereits bei deren Konzeption berücksichtigt werden, ist also von langer Hand vorbereitet. „Wir sind unsere eigenen Anlagen-Architekten“, sagt Technik-Vorstand Ulrich Altstetter. Etwa 80 Techniker befassen sich mit der effizienten Gestaltung von Anlagen. Sie machen den Herstellern Vorgaben. Das leistete sich heute kaum noch jemand in der Branche, sagt Altstetter. Es sei üblich, fertige Lösungen von Anlagenbauern zu kaufen.

Preis bei Wettbewerb

Wieland gehört zu den Gewinnern des „LEW Innovationspreis intelligente Energie“, belegte mit seinem Wärmekonzept den dritten Platz. Der Preis zeichnet Projekte aus, die in der Region neue Wege bei Klimaschutz und Energieeffizienz beschreiten.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für Wieland von jeher ein Thema: Der Illerkanal fließt unter dem Werk durch, dessen ist sich jeder Mitarbeiter bewusst. Und nur wenige Meter entfernt stehen schon die ersten Wohnhäuser, Westwind trägt Emissionen unmittelbar in die Nachbarschaft. Verantwortung für die Umgebung ist von daher in der Unternehmenskultur auf besondere Weise verankert.

Hinzu kommt eine Fehlerkultur, die besagt: Mitarbeiter dürfen, sollen sogar Fehler machen. Damit sie ins Risiko gehen und Neues wagen. Der Abteilungsleiter Energie, Josef Althoff, fasst das in drei Worten zusammen: „Freies Denken erlaubt.“

Vorteile lassen sich nur schätzen

Jeder eingesparte Euro beim Energieverbrauch ist auch ein Euro mehr Gewinn, könnte der Laie annehmen. So leicht lässt sich die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in Energieeffizienz jedoch nicht fassen. „Man kann die Vorteile nicht genau rechnen“, sagt Technik-Vorstand Altstetter, „nur abschätzen.“ Eine grobe Abschätzung aus seinem Munde klingt so: „Obwohl wir mehr ausgeben für Forschung, Entwicklung und neue Technologien, sind wir erfolgreicher.“ Erfolgreicher in Bezug auf bessere Qualität, besseres Ergebnis und mehr Wachstum.

Die Diskussion über die Energiewende sei bisher „sehr stark auf das Thema Strom fokussiert, das Thema Wärme ist noch relativ unbeleuchtet.“ Meint Altstetter, der über sich selbst sagt: „Energieeffizienz ist ein bisschen mein Hobby.“ Sonst würde er wahrscheinlich nicht in so vielen Verbänden mitarbeiten und Vorschläge unterbreiten.

Unterdessen hat sich Wieland zum Ziel gesetzt, in fünf Jahren bis zu 75 Prozent der Heizwärme für das Vöhringer Werk mit Produktionswärme zu decken.

Wirtschaftslexikon

Definition Energieeffizienz ist ein Maß für den Aufwand (Verbrauch) von Energie zur Erreichung eines bestimmten Nutzens. Ziel ist es, einen gewünschten Nutzen mit möglichst wenig Energieeinsatz zu erreichen. Je weniger Strom beispielsweise ein Gerät (Kühlschrank) zur Erreichung des Nutzens (Kühlung der Lebensmittel auf circa 7 °C) verbraucht, desto besser ist somit die Energieeffizienz.
(Quelle: IHK Ulm)

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