Integration Flüchtlinge: Wer bleiben darf, hängt sich rein

Vöhringen / Stefan Czernin 09.05.2018

Hilfe bei Wohnungs- und Arbeitssuche, Verlängerung des Aufenthaltstitels, Eltern- und Kindergeldanträgen. Brigitte Endriß, die für die SPD im Vöhringer Stadtrat sitzt, berichtete im Hauptausschuss über ihre Aufgaben als Koordinatorin für die Asylarbeit in der Stadt. Sie teilt sich die Stelle mit Emanuela Blumenschein, die sich um die Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in der Industriestraße kümmert, während Endriß ihren Fokus vor allem auf die anerkannten Flüchtlinge und ihre Familien legt, die dezentral in der Stadt leben. Endriß und Blumenschein arbeiten auf 450-Euro-Job-Basis und bieten Flüchtlingen in Sprechstunden ihre Hilfe an.

Helfer entlasten

Die Stellen waren im vergangenen Jahr geschaffen worden. Nicht zuletzt deswegen, um die ehrenamtlichen Helfer des Asyl-Freundeskreises zu entlasten. Bürgermeister Karl Janson nannte die Koordinatoren-Stellen eine wichtige Ergänzung. „Man darf den Helferkreis nicht überfordern.“ Der Hauptausschuss stimmte einer Verlängerung um ein weiteres Jahr zu.

Wie sieht die Situation der Flüchtlinge in Vöhringen aus? Die Lage ist ein Stück weit zweigeteilt, berichteten Endriß und Blumenschein. Endriß kümmert sich um die anerkannten Flüchtlinge. „Das sind etwa 15 Familien.“ Einige anerkannte Asylbewerber haben mittlerweile einen festen Arbeitsplatz, andere befinden sich in Ausbildung oder in beruflichen Qualifizierungskursen.

Bäcker Kurt Wiedenmayer hat einen jungen Afghanen eingestellt, der gerade ein Vorbereitungsprogramm durchläuft, um ihn für die Berufsschule fitzumachen. Anfang September beginnt seine Lehre in der Backstube. Über ein Praktikum hat der Bäckermeister den jungen Afghanen kennengelernt. „Ich kann nur das Beste über ihn sagen“, sagte Wiedenmayer auf Anfrage. Auch wenn die Einstellung „mit jeder Menge Papierkram“ verbunden war.  Schwierigkeiten  macht derzeit noch die Suche nach einer Wohnung für den angehenden Bäckerlehrling, der derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft lebt.

Fehlenden Ausweispapiere

Ein weiteres Problem neben dem Wohnungsmangel seien fehlende Kindergartenplätze, so Endriß. Frauen nehmen deshalb nicht so häufig an Sprachkursen teil, weil sie sich um die Kinder kümmern müssen.

Anders stelle sich die Lage in der Gemeinschaftsunterkunft in der Industriestraße dar, für die der Landkreis zuständig ist. Dort sind laut Karen Beth, der Leiterin des Geschäftsbereichs Kommunales, Ausländer und Soziales in der Kreisbehörde, 78 Flüchtlinge untergebracht. Hauptsächlich aus Afghanistan, Pakistan und Gambia. Bei vielen der Bewohnern ist das Asylverfahren beendet, sie sind eigentlich ausreisepflichtig. Das scheitert jedoch oft an fehlenden Ausweispapieren, so Beth. „Fehlende Perspektiven schlagen in Frustration um, die Rücksichtnahme auf sich und andere Bewohner und auch auf die Nachbarn sinkt“,  stellt der Vöhringer Freundeskreis Asyl in einem Schreiben fest.

Emanuela Blumenschein bemüht sich, in der Gemeinschaftsunterkunft die Bewohner dazu zu bringen, Deutsch zu lernen, sich sinnvoll zu beschäftigen. Allerdings:   „Die Motivation ist eingeschränkt“, berichtete Endriß.  Den Bewohnern fehlt in Deutschland eine Zukunftsaussicht, sie dürfen vielfach nicht arbeiten.  Abgeschoben werden sie aber auch nicht. Das passiert im Landkreis nur im Einzelfall.

„Dieses Dahindümpeln ist ein furchtbarer Zustand“, sagte SPD-Rat Volker Barth. Er mahnte eine politische Entscheidung an, um diesen Zustand der dauernden Unsicherheit zu beenden: Entweder den Betroffenen hierzulande eine Perspektive aufzuzeigen oder sie  zurück in ihre Heimat zu schicken.

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