Elchingen Wenn der falsche Enkel anruft

Kriminalpolizist Peter Hirsch weiß, wie Betrüger vorgehen.
Kriminalpolizist Peter Hirsch weiß, wie Betrüger vorgehen.
STEFAN CZERNIN 17.11.2012
Falsche Telekom-Mitarbeiter und ein betrügerischer Spendensammler waren jüngst in Elchingen unterwegs. Oft haben sie es auf Ältere abgesehen. Ein Kriminalpolizist gab jetzt Tipps, worauf zu achten ist.

Der ungebetene Besucher erwies sich als hartnäckig. Weil an der Vordertür niemand öffnete, versuchte er es daraufhin forsch an einem Seiteneingang. Dem Hausherrn - einem 74-jährigen Thalfinger - erklärte er, dass er Spenden für eine Schule sammele. Die Auskunft, für welche Schule er tätig sei, blieb der Mann ebenso schuldig wie einen Spendenausweis. Der 74-Jährige wurde misstrauisch, Geld gab er nicht. "An der Haustür bekommen von mir nur die Heiligen Drei Könige etwas", sagte er am Rande eines Vortrags zum Thema "Schutz vor Betrug an der Haustür" im Konstantin-Vidal-Haus. Die Entscheidung war wohl richtig. Eine Umfrage bei den Elchinger Schulen zeigt: Für sie war kein Spendensammler unterwegs, auch Bürgermeister Joachim Eisenkolb weiß nichts von einer solchen Aktion.

Auch mit falschen Telekom-Mitarbeitern hatten es die Elchinger in den vergangenen Wochen zu tun bekommen. Diese Betrüger behaupteten, im Auftrag der Telekom persönliche Daten - inklusive Kontoverbindung - zu sammeln, damit im jeweiligen Ortsteil bessere Internet- und Telefonleitungen verlegt werden könnten. Alles gelogen. Allerdings: Nicht jeder, der an der Haustür klingelt, ist ein Gauner. Noch bis zum 23. November etwa sammeln Schüler der Mittelschule Spenden für das Jugendherbergswerk. Diese haben ein Informationsblatt dabei, das den Stempel der Schule trägt, heißt es aus der Mittelschule.

Wie aber lassen sich Betrüger erkennen, was sind beliebte Maschen der Abzocker? Das erklärte Peter Hirsch von der Kriminalpolizei Neu-Ulm bei einem Vortrag im Zuge einer Reihe des Elchinger Seniorenkonzepts. Etwa 60 zumeist ältere Zuhörer waren an diesem Nachmittag ins Konstantin-Vidal-Haus gekommen; die Gemeinde hatte für die Veranstaltung eigens einen Pendelbus eingerichtet.

Intelligent, redegewandt und gute Schauspieler seien die Betrüger in der Regel, berichtete Hirsch. Und geübt darin, ihre potentiellen Opfer in scheinbar belanglose Gespräche zu verwickeln, um Vertrauen aufzubauen. "Es ist unglaublich, wie geschickt die sind", sagte der Fachberater für Verbrechensvorbeugung. "Wie Staubsaugervertreter, die ins Kriminelle abgedriftet sind." Für ihre Betrugsmaschen suchen sie sich gerne ältere Personen, die als vergleichsweise leichte Opfer gelten. Einige Beispiele, vor denen Hirsch warnte:

Haustürgeschäfte: Es klingelt und vor der Tür steht eine Person, die den Hausbesitzer - mehr oder auch weniger freundlich - zu einem Zeitschriftenabonnement überreden möchte. Das ist noch kein Betrug, sondern ein klassisches Haustürgeschäft.

Von diesen Verträgen können Überrumpelte innerhalb von 14 Tagen ohne Angaben von Gründen zurücktreten, so Hirsch. Am besten per Einschreiben. Vorsicht ist trotzdem geboten: Betrügerische Werber datieren die Verträge zurück, die Unterschrift erfolgt also etwa am 18. November, auf dem Vertrag ist aber der 3. vermerkt. Und somit ist die 14-tägige Widerrufsfrist scheinbar abgelaufen. "Und weisen sie das mal nach", sagte Fuchs.

Allgemein gelte an der Haustür: nicht einschüchtern lassen. Oder diese gar nicht erst öffnen. Erblicke man etwa durch ein Küchenfenster eine verdächtige Person, dann "bleibt die Haustür ohne Begründung zu", sagte Hirsch.

Falsche Handwerker: Ein freundlicher, aber falscher Mitarbeiter der Stadtwerke oder eines Handwerkbetriebs erklärt an der Haustür, dass es in der Straße einen Wasserrohrbruch gegeben habe. Nun solle der Hausbesitzer doch bitte mit ihm in den Keller gehen, damit er dort den Wasserdruck prüfen könne. Vorher achtet der betrügerischer Wasserprüfer aber noch sehr genau darauf, dass die Haustür vor dem Gang in den Keller offen bleibt, damit sein Komplize in der Zwischenzeit die Wohnräume nach Wertsachen durchsuchen kann.

In Elchingen sind noch bis Ende November - echte - Wasserableser der Gemeinde unterwegs. Diese haben einen Dienstausweis der Gemeinde Elchingen dabei.

Enkeltrick am Telefon: "Rate mal, mehr dran ist", meldet sich ein junger Mann am Telefon. Vermuten Oma oder Opa dann ihren Enkel Christian am anderen Ende der Leitung, beginnt der Betrugsversuch. Christian - dessen Stimme sich ein wenig anders anhört, weil er entweder erkältet ist oder schlechten Empfang hat - sitzt just in diesem Moment in Augsburg beim Notar, um sich eine neue Wohnung zu kaufen. Allerdings fehlen ihm 12 000 Euro, die er anzahlen muss. Ob ihm die Großeltern das Geld nicht für ein paar Tage auslegen könnten, fragt Christian. Selbst abholen könne er das Geld zwar nicht - er sitzt ja in Augsburg beim Notar -, aber zufälligerweise ist eine Angestellte des Notars gerade in der Gegend, sie könne den Betrag nach Augsburg mitnehmen. Wird das Geld dann tatsächlich an die Komplizin übergeben, ist es weg.

Nach dem Vortrag erkundigte sich eine Zuhörerin, ob denn der GEZ-Kontrolleur echt gewesen sei, der sich vor kurzem bei ihr in barschem Ton über die Wohnverhältnisse in der Nachbarschaft erkundigte. Hirsch konnte das zwar nicht beantworten, gab aber den Tipp: Auch hier nicht einschüchtern lassen. Und die Provisionsjäger auf keinen Fall gegen den eigenen Willen ins Haus lassen.