Wain Weniger Elite, dafür mehr Sport

Wain / PETRA AST 26.08.2013
Mehr Sport und weniger Etikette verspricht ein neues Ligasystem und die Wiederaufnahme des Golfsports als olympische Disziplin bei den Spielen 2016 in Brasilien. In Wain setzt man auf einen Image-Wechsel.

Nach wie vor gilt Golf vielen als elitärer und vor allem teurer Zeitvertreib. Man bleibt auf Greens und Fairways gerne unter sich. Dafür sorgen Aufnahmegebühren und Mitgliedsbeiträge, die sich das Gros der Bevölkerung nicht leisten kann. Anders in Schottland, England und den USA. Dort wird das Spiel mit dem kleinen weißen Ball als Volkssport betrieben. "Ja, das Golfen gilt vielen als distinguiert und ein wenig antiquiert", erlebt Ernst Blattert, Präsident des Golfclubs Reischenhof Wain. Von der in diesem Jahr neu installierten Bundesliga für Golfer erhofft er sich einen Imagewechsel - hin zu einer stärkeren Leistungsorientierung, die junge Nachwuchsspieler für das traditionsreiche Spiel begeistert. Genauso wie die Wiederaufnahme als olympische Disziplin künftig dafür sorgen soll, dass das einst in Schottland entstandene Spiel massentauglicher wird und mehr Öffentlichkeit erfährt. 1900 und 1904 war Golf schon einmal olympisch.

Den außerhalb von Wain gelegenen, 135 Hektar großen Club hat der Hobbygolfer Blattert vor 26 Jahren mit gegründet. Damals spielte der ehemalige Geschäftsführer von Häwa im Golfclub in Ulm. Hunde seien dort strikt verboten gewesen. Für ihn, den Hundefan, ein Ärgernis und Grund genug, seine Golf-Aktivitäten stärker nach Bad Waldsee zu verlegen. Dort habe man seinen vierbeinigen Begleiter mitnehmen können. Schließlich der Traum von einem Club in seinem Heimatort. Ein dafür geeignetes Gelände hatte der rührige Blattert dafür bei seinen morgendlichen Hundespaziergängen entdeckt. Den im Besitz derer von Hermans befindlichen Reischenhof, auf dem Braunviehrinder gezüchtet wurden und den die Familie, wie sich später herausstellen sollte, bereit war in einen Golfplatz umzuwandeln. Mitstreiter, zehn an der Zahl, fanden sich schnell, wie sich der damalige und heutige Clubpräsident erinnert, und so habe man sich Ende der 80iger Jahre daran gemacht, zunächst eine Übungswiese und ein Übergangs-Club-haus auf dem Reischenhof aufzubauen. 1989 folgte die Eröffnung der provisorischen 9-Loch-Anlage, zwei Jahre später, ging der erste von später drei 9-Loch-Plätzen offiziell in Betrieb.

An diesem warmen Augusttag sitzt Blattert auf der Veranda des vor 13 Jahren eröffneten Clubhauses, vor sich die Chronik der Reischenhof-Golfanlage, die im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feierte. 781 Mitglieder, darunter 110 Jugendliche, zählt der Club. Die Golfer kommen aus dem Illertal, aber auch von der weiter entfernten Schwäbischen Alb nach Wain. Die 27-Loch-Anlage ist der einzige Golfplatz im Landkreis Biberach, und ob seiner Fläche mit 135 Hektar eine Ausnahme, wie der Clubpräsident hervor hebt: Zwar habe man damals den Traum eines vollständig ökologisch ausgerichteten Platzes nicht realisieren können, im Gegenzug sei jedoch ein sportlich überzeugendes Golf-Gelände mit breiten Spielbahnen nach amerikanischem Vorbild entstanden. Von den 135 Hektar werden 35 Hektar seither mehr oder weniger intensiv genutzt, drei Viertel des Golf-Areals fungieren dagegen als weitläufig vernetztes Biotop mit einer renaturierten Weihung und "der wahrscheinlich größten Streuobstwiese Oberschwabens".

Es gibt viel zu erzählen über den Club, vormittags fand ein Turnier statt. Jetzt am frühen Nachmittag sitzen mehrere Grüppchen auf der Terrasse zusammen. Nein, Sorgen müssten sie sich als eingetragener Verein, finanziert durch Aufnahmegebühren, Mitgliedsbeiträge und Spenden derzeit nicht machen. Doch neue Golfer fänden sich nur noch schwer. Das liege an den zwischenzeitlich zahlreichen Plätzen in der Region. Der nächste Club, Donau-Riss, wirbt bei Ehingen um Golfer, in Illerrieden treffen sich Ulms Golfer, schließlich haben Golffans in Bad Waldsee die Auswahl unter gleich zwei Plätzen. Zudem spiele die Konjunktur eine Rolle, ob sich jemand in einen Club einkauft. Nicht zuletzt beeinflusse das Wetter die Erfolgsaussichten einer Anlage. Das nasskalte Frühjahr 2013 habe bei vielen Clubs regelrechte Existenzängste ausgelöst. "Trotz der internationalen Erfolge von Bernhard Langer haben wir mit unserem Sport in der Öffentlichkeit bisher nicht wirklich punkten können", zieht Blattert Bilanz, der denn auch große Hoffnungen in die nun geplante sportlichere Ausrichtung des Traditionsspiels setzt. "Golfer galten damals wie heute als snobistisch. Das zeigt sich schon an der Struktur des Golfverbandes, die nach wie vor elitären Grundsätzen folgt."

Nun, mit der Initiative des Internationalen Olympischen Komitees, das Golfen als Disziplin ab 2016 wieder aufzunehmen, rücke der Wettkampf, die Leistungsorientierung des Spiels in den Fokus. Mehr leisten mit dem Schläger, weniger sein zwischen Greens und Bunkern, in denen die weißen Bälle nach den Schlägen verschwinden - so lautet das Motto der Olympiamacher.

Doch nicht nur bei dem Weltsportereignis schlechthin soll das verstaubte Image der Clubs aufpoliert werden. Seit diesem Jahr gibt es eine erste Bundesliga, unterteilt in Nord und Süd, für sportlich ambitionierte Golfer. Ähnlich wie im Fußball spiele man sich, vorausgesetzt, die Schlagzahlen stimmen, von der Landes-, über die Regional- bis in die Bundesliga. "Parallel dazu findet eine Ranglistenwertung für die einzelnen Spieler statt", erläutert Ingmar Peitz, Schriftführer und Vorstandsmitglied auf dem Reischenhof, und Kapitän der Bundesligamannschaft des Golfclubs Solitude in Stuttgart. Das Ligasystem, so der Golfer mit Handikap zwei, mache den Sport für Jugendliche interessanter "und professioneller". Jüngstes Beispiel, wie sich die auf dem Reischenhof betriebene Jugendförderung und ein sportlich ambitionierteres Wettkampfsystem auswirken: Der zwölfjährige Florian Kuhlert, der für den Reischenhof antritt, gewann vor kurzem auf der Anlage des Golfclubs Hetzenhof bei Lorch die baden-württembergische Jugend-Einzelmeisterschaft in der Altersklasse (AK) 12. Ein Jahr zuvor war der aus Dellmensingen stammende Gymnasiast Clubmeister in der Jugend auf dem Reischenhof geworden. "Darauf sind wir mächtig stolz", macht Blattert aus seiner Freude keinen Hehl.

"Das neue Ligasystem schafft Anreize, auch wenn die Belastung für den einzelnen Spieler steigt", verdeutlicht Peitz, der davon ausgeht, dass ein erfolgreicher Jugendspieler wie Florian Kuhlert der Außenwirkung des "Altherrensports" gut tun werde. Denn Nachwuchs bräuchten schließlich alle Clubs. "Die jungen Spieler sind die Zukunft des Golfsports", meint Blattert, "der wie andere mit der Zeit gehen muss".