Engagement Wenig Blutspender im Sommer?

Die umfunktionierte Sporthalle war während der Langenauer Blutspendeaktion voll mit freiwilligen Spendern – und das während der Hitzewelle.
Die umfunktionierte Sporthalle war während der Langenauer Blutspendeaktion voll mit freiwilligen Spendern – und das während der Hitzewelle. © Foto: Karin Mitschang
Region / Wilhelm Stein und Karin Mitschang 25.08.2018

Bundesweit werden täglich etwa 15 000 Blutspenden benötigt. Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) herrscht allein in Bayern und Baden-Württemberg ein Bedarf von rund 3700 Konserven pro Tag. Statistisch gesehen spenden aber nur drei bis vier Prozent der Bevölkerung. Besonders in der Ferienzeit sind Blutspenden Mangelware. So kommt es vor allem in den Sommermonaten schnell zu regionalen Engpässen in der Blutversorgung, warnt das DRK. Kliniken müssen dann auf Reserven zurückgreifen. Doch auch diese lebenswichtigen Puffer müssen regelmäßig erneuert werden, denn eine Blutkonserve ist nur 42 Tage haltbar. Ein weiterer Grund für die saisonale Knappheit von Blutkonserven ist die Sperrung vieler Urlaubsrückkehrer, die gerne spenden wollen (siehe Infokasten).

Doch in der Region können sich trotz der Urlaubszeit und der hohen Temperaturen die Blutspenderzahlen sehen lassen. In Vöhringen spendeten kürzlich zum Beispiel 136 Menschen Blut, davon zehn zum ersten Mal. Mit fast 300 Spendern legte Weißenhorn nach. An den beiden Terminen war das neunköpfige Team des DRK bestehend aus drei Ärzten und fünf Krankenschwestern sowie einem Teamleiter gut ausgelastet. Laut dem stellvertretenden Teamleiter Anton Seitz sind diese Aktionen ohne ehrenamtliche Helfer fast nicht machbar.

Sie übernehmen die Anmeldung und Versorgung der Spender und helfen dort aus, wo gerade Not am Mann ist. Viele der Helfer unterstützen das Rote Kreuz schon seit vielen Jahren. So wie der 83-jährige Franz Maier, der seit 55 Jahren dabei ist. Er tue das für den guten Zweck und möchte noch so lange wie möglich weitermachen.

In Weißenhorn waren neben Mehrfachspendern wie Martin Fruth, der seit zwölf Jahren spendet, auch Erstspender vor Ort. Wie die 21-jährige Nicole Sygi und die 20-jährige Alisa Span. Ihre Motivation: „Wir wollten das schon immer tun“, sagte Nicole Sygi. Anton Seitz vom DRK merkte an: „Man sollte Zeit mitbringen, denn mit Hektik und Stress kommt man nicht weit.“ Erstspender sollten zur Kontrolle noch 30 Minuten dableiben.

Das durchschnittliche Spendenalter liegt laut Stefanie Fritzsche, Pressesprecherin des DRK für Baden-Württemberg und Hessen, bei 42 Jahren. Neben dem steigenden Durchschnittsalter kämpft das Rote Kreuz auch mit rückläufigen Spenderzahlen. „Es liegt nicht daran, dass junge Menschen grundsätzlich nicht wollen.“ Sie seien sogar absolut offen für das Thema. „Nur sind halt viele andere Dinge wie Schule, Studium und Beruf dazwischen“, sagte Fritzsche. Um dagegen anzugehen, werden unter anderem Mehrfachspender zu Blutspendeterminen eingeladen.

Eine Aktion der besonderen Art fand kürzlich in Langenau statt. In der Stadthalle boomte es zur Blutspendenaktion mitten in der Hitzewelle: Volle Sitzbänke vor der Arztuntersuchung, daneben Dutzende Liegen voller Spender und ehrenamtliche Helfer, die ihnen beistanden. Dann ein Raum voller Menschen, die Formulare ausfüllten, und schließlich das gut gefüllte Foyer. In diesem ließen sich ganze Familien und Vereine den frisch gegrillten Burger, die Saitenwurst oder den Fleischsalat schmecken. Draußen am Eisstand gab es je zwei kostenlose Kugeln zur Erfrischung.

Spanferkel für Blutspender

Den großen Erfolg von insgesamt 366 Blutspendern, davon allein 32 Erstspender, schreibt das örtliche DRK nicht zuletzt seinen besonderen Angeboten an diesem Tag zu. Dazu gehörte auch eine Spanferkel-Aktion für die größte angemeldete Gruppe. Dafür wurde auch im Radio die Werbetrommel gerührt.

Vor vier Jahren hatten die Verantwortlichen im DRK in Langenau Alarm geschlagen, berichtete Christa Staib, kommissarische Vorsitzende und Bereitschaftsleiterin des Langenauer DRK. „Es kamen kaum noch Leute, manchmal nur noch 30“, sagte Staib, die mit aller Macht den typischen Einbruch der Spenderzahlen von erwarteten zehn Prozent im Sommer verhindern wollte.

Mit Erfolg: „Das ist ein tolles Ergebnis“, resümierte die Vorsitzende. Und Gewinner gab es auch: Die Motorradfreunde aus Rammingen waren mit 30 Blutspendern die größte Gruppe und gewannen das Spanferkel.

Urlauber müssen mit dem Blutspenden warten

Spender Jeder, der sich in guter gesundheitlicher Verfassung befindet, kann vom 18. bis zum vollendeten 65. Lebensjahr das erste Mal Blut spenden. Für Mehrfachspender ist das Höchstalter das vollendete 73. Lebensjahr.

Urlauber Wer aus dem Urlaub zurückkommt, kann oftmals nicht sofort Blut spenden. Je nach Urlaubsort müssen Sperrfristen von vier Wochen bis zu sechs Monaten eingehalten werden. Dies ist vor allem bei Urlaubszielen mit hohem Risiko einer Virusinfektion der Fall – wie zum Beispiel Indien, Thailand, Bali oder Teile Afrikas.

Verwendung Auch die modernste medizinische Versorgung benötigt Blut. In vielen Gebieten der Medizin ist es unabdingbar. Der größte Teil des gespendeten Blutes wird für die Behandlung von Krebspatienten benötigt. Gefolgt von Herzerkrankungen, Magen- und Darmkrankheiten.

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