Rund 40 Mitglieder hat die Ortsgruppe der Funkamateure im Illertal, darunter ein halbes Dutzend Jugendliche. Von ihrem Clubraum im Kindergarten Witzighausen aus sprechen sie über die Funkfrequenzen mit Gleichgesinnten in aller Welt. Ein Hobby, das heute exotisch wirkt: Warum funken, wenn man auch telefonieren oder skypen kann? „Das ist wie mit dem Bergsteigen“, sagt Jörg Steimann. „Man könnte auch die Seilbahn nehmen. Trotzdem klettert man hoch.“ Es sei die Herausforderung, die reize. „Und es hat eine unglaubliche Faszination.“

Steimann, seit der Jugend Funk-Amateur, leitet die Jugendgruppe der Sendener Ortsgruppe. Alle zwei Wochen treffen sich bis zu sieben junge Leute zwischen 12 und 25 Jahren, um sich ihrem Hobby zu widmen. „Wir sind sehr begeistert, wie viele da inzwischen kommen.“ Viele andere Ortsverbände hätten gar keine Jugendgruppe.

Für Michael, Christian, Alex und Ina steht heute Basteln an: „Ihr könnt euch aussuchen: Metalldetektor, Martinshorn oder Nebelhorn“, begrüßt sie Ausbilder Steimann. Die Bausätze der elektronischen Signalgeber bestehen aus vielen Einzelteilen, die ohne Vorkenntnisse schwer zusammenzusetzen sind. „Löten muss man dafür können“, sagt Steimann. „Das lernt man bei uns als erstes.“ Aber was haben Basteln und Bauen mit Funken zu tun? „Mit den Geräten kann man Schwingungen messen“, erklärt Steimann. „Durchs Ausprobieren erlebt man, wie sich Schwingungen verändern.“ Das wiederum ist Grundwissen für Funker.

Bis die Jugendlichen selber „echte“ Amateurfunker werden, ist es ein weiter Weg: Die Prüfung für die dafür notwendige Lizenz, die bei der Bundesnetzagentur abzulegen ist, sei schwierig und bedürfe intensiver Vorbereitung, erklärte Vereinsvorsitzender Karl-Otto Müller von Lossow. Zu büffeln seien Technik, Betriebstechnik und Gesetze. Erst nach bestandener Prüfung erhalte man sein eigenes, unverwechselbares Rufzeichen. Mit diesem dürfe man nur selbst funken, dürfe niemand anderes an die Geräte lassen. Einzige Ausnahme stelle die Ausbildungslizenz dar, die Steimann besitzt: Unter seiner Aufsicht dürfen auch Schüler funken.

Die einfachen Funkgeräte für Kinder oder Bergsteiger, die man im Spielwarengeschäft oder Sportladen kaufen kann, seien von der Lizenzpflicht ausgenommen, sagt Steimann. „Die haben nur eine minimale Reichweite und eingeschränkte Frequenzen.“

Alarm fürs Kinderzimmer

Der Weg zum Amateur-Funken führe in der Regel über Bekannte oder Verwandte, die bereits dabei sind. Verblüffenderweise seien die Eltern der Witzighausener Jugendlichen allesamt keine Funkamateure. „Meine Mutter hat in der Zeitung davon gelesen, und uns vorgeschlagen, da mal hinzugehen“, sagt der 15-jährige Michael. Gleich in der ersten Stunde wurde ein „Schubladenwächter“ gebastelt, eine Art Alarmanlage fürs Kinderzimmer.

Seitdem sind Michael und sein Bruder Christian dabei, lassen sich in die Welt des Funkens einführen und erlangen nebenbei Wissen, das ihnen auch in der Schule in Physik, Englisch oder Erdkunde nützt. „Es hilft sogar fürs Studium“, sagt Matthias Baur, der Nachrichtentechnik studiert und seit seiner Ausbildung zum Elektriker Funkamateur ist. Was er bei den Funkern gelernt hat, kann er jetzt sehr gut gebrauchen, sagt er. „Das greift ineinander.“

UKW-Contest: Das Ziel heute und morgen sind möglichst viele Verbindungen


Auf 900 Metern Der Ortsverband Iller des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) nimmt ab heute an einem UKW-Contest teil. Dieser geht von heute, 16 Uhr, bis Sonntagnachmittag, 16 Uhr. Ziel ist es, möglichst viele Kontakte auf den UKW-Amateurfunkbändern zu schaffen und zudem eine möglichst große Entfernung zu realisieren. Den Sendenern sind in den vergangenen Jahren bereits Verbindungen bis zur schottischen Grenze gelungen. Das Clubheim in Witzighausen ist zwar sehr gut ausgestattet, dennoch werden die Funker auf einen kahlen Berg bei Kempten ziehen und eine spezielle Funkanlage auf über 900 Meter errichten. Dafür, berichten die Funker, stellte die Firma Gutter mehrere Sprinter zur Verfügung. swp