Zwei Jahre lang mussten die Weißenhorner auf eine neue Auflage des beliebten Leonhardirittes warten. Denn 2017 fiel die Veranstaltung erstmals in ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte wegen schlechter Witterung aus. Am gestrigen Sonntag ließen sich nun Zuschauer und Pferdeliebhaber nicht von Kälte, Matsch und Regen abschrecken – wenn auch weniger Menschen die Straßen säumten als üblich. Die Veranstalter von der Stadt und dem Reit- und Fahrverein (RFV) Weißenhorn waren dennoch zufrieden und die liebevoll gestalteten und geschmückten Wagen und Kutschen sorgten für viel Beifall.

Früher gab’s sogar schulfrei

Los ging es auf der Hasenwiese bei der Grundschule, wo sich die Teilnehmer nach dem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt aufstellten. „Bei schönem Wetter kann ja jeder reiten“, scherzte Josef Duile von den Böllerschützen aus Hetschwang. Für ihn ist es ausgesprochen wichtig, Traditionen wie den Leonhardiritt zu erhalten, die die lokale Kultur ausmachten. Er erinnert sich noch daran, dass es früher eigens für die Teilnehmer der Pferdewallfahrten schulfrei gab.

Schutz vor dem Regen bot Duile und seinen Mitstreitern gestern ein einladender Gesellschaftswagen von Alban Wolf aus Ettlishofen: überdacht und sogar mit einer Theke im Inneren ausgestattet. Bestaunt werden konnten auch die Tiere, darunter prächtiges belgisches Kaltblut mit einem Gewicht von 950 Kilogramm.

Auf der Bühne am Weißenhorner Hauptplatz stimmten Moderator Wolfgang Mayerföls und die Stadtkapelle Weißenhorn die Zuschauer auf den Leonhardiritt ein, der zu den größten und bedeutendsten Pferdewallfahrten in Schwaben zählt. Mayerföls erklärte auch den Hintergrund der Tradition: Pferde seien früher ein wichtiger Alltagsbegleiter der Menschen gewesen. Neben zahlreichen Arbeiten sei auch der Postverkehr mit ihnen abgewickelt worden, wobei ein Paket-Transport zwischen Mannheim und Stuttgart zwei Tage gedauert habe. Der heilige St. Leonhard werde mit der traditionellen Pferdewallfahrt  um seine Hilfe für die Gesundheit der Tiere gebeten, „dass wir den Viehdoktor uns sparen“.

Mayerföls kommentierte dann die Prozession der Pferde emotional, ließ dabei aber immer wieder Erläuterungen über lokale Unterschiede einfließen, etwa beim Geschirr der Pferde einfließen. Zuvor hatte Gérard Guille, Bürgermeister der Weißenhorner Partnerstadt Villecresnes, ein Grußwort gesprochen und dafür eigens einen deutschen Text gelernt. Zum Abschluss der Veranstaltung erteilte Pfarrer Lothar Hartmann auf der immer schlammiger werdenden Hasenwiese den Pferden den Segen.

Volker Drastik, der bei der Stadt Weißenhorn für Kultur und Tourismus zuständig ist, zog ein positives Fazit zum diesjährigen Leonhardiritt: 31 von insgesamt 37 angemeldeten Gespannen nahmen trotz des kalten Wetters teil. Eine wetterbedingte Absage der Veranstaltung habe man ohnehin nicht in Erwägung gezogen, sagte Drastik.

Auch sonst gab es positives zu berichten: Durch eine etwas veränderte Streckenführung habe der Zug nicht gestockt und sei kompakter gewesen als in den Jahren zuvor. Feuerwehr, Bauhof, Polizei und Rotes Kreuz sorgten außerdem für einen reibungslosen Ablauf des diesjährigen Leonhardirittes.

Schutzpatron der Tiere in der Landwirtschaft


Tradition Leonhardiritte oder auch Leonhardifahrten genannt sind in vielen Teilen Süddeutschlands und Österreichs schon lange Tradition.

Heiliger Mit den Prozessionen soll der heilige Leonhard von Limoges geehrt werden. Sein Gedenktag ist der 6. November. Als Schutzpatron zunächst der Gefangenen und später der landwirtschaftlichen Tiere, wurde und wird er in Bayern besonders verehrt. Er wird häufig mit Krummstab und/oder Kette dargestellt.