Ärzte Weißenhorner Zahnärzte behandeln Patienten in Mongolei trotz Stromausfalls

International: Der Gang zum Zahnarzt macht oft Angst. Werner und Elisabeth Krapf aus Weißenhorn bekämpften sie mit Geduld und Gesang.
International: Der Gang zum Zahnarzt macht oft Angst. Werner und Elisabeth Krapf aus Weißenhorn bekämpften sie mit Geduld und Gesang. © Foto: Privat
Weißenhorn / CLAUDIA SCHÄFER 30.09.2015
Sein zweiter Einsatz für "Zahnärzte ohne Grenzen" hat den Weißenhorner Werner Krapf und seine Frau Elisabeth in die Mongolei geführt. Zwei Wochen arbeiteten sie unter schwierigsten Bedingungen.

Wenn beim Ehepaar Krapf in Weißenhorn Urlaub ansteht, lässt der erfahrene Zahnarzt den Bohrer noch lange nicht ruhen. Im vergangenen Jahr arbeitete Werner Krapf mit Unterstützung seiner Frau Elisabeth drei Wochen lang in Nepal, heuer reisten die beiden für "Zahnärzte ohne Grenzen" in die Zentralmongolei. Dort erlebten sie im Team mit zwei weiteren Ehrenamtlichen den Kampf zwischen Tradition und Moderne und die einfachen Verhältnisse der Mongolen hautnah mit. In nicht einmal drei Wochen behandelten sie rund 950 Patienten.

Einsatzorte waren die Dörfer Erdene und Arhust rund 250 Kilometer von der Hauptstadt Ulan Bator entfernt. Während die Krapfs dort bei der Ankunft einen fast westlichen Standard mit Einkaufsmeilen, Straßen und Kliniken erlebten, stießen sie abseits der Hauptstadtgrenzen schnell auf "ärmlichste Verhältnisse", wie Elisabeth Krapf erzählt. Doch das Ehepaar war darauf vorbereitet und hatte kiloweise zahnmedizinisches Material eingepackt. Ein mobiles Gerät mit Bohrer, Lichthärte- und Zahnsteingerät wurde von "Zahnärzte ohne Grenzen" gestellt. Als besonders wichtig erwies sich eine Stirnlampe, die Werner Krapf dabei hatte. Sie leistete ihm gute Dienste, wenn mal wieder der Strom ausfiel und das Dieselaggregat erst anspringen musste.

Wie bereits in Nepal strömten die Patienten auch hier zu den europäischen Ärzten und warteten ungeduldig auf die Behandlung. Der Zustand der Zähne sei sehr schlecht gewesen, berichtet Krapf. Billige Süßigkeiten aus China seien sehr beliebt in der Mongolei, deshalb habe er schon einjährigen Kindern sämtliche Zähne ziehen müssen. "Das Problem ist, dass dann die bleibenden Zähne nicht richtig nachwachsen", sagt der Zahnarzt. Seinen Patienten erklärte der Weißenhorner geduldig den Gebrauch von Zahnbürste und Zahnpasta und verschenkte haufenweise Zahnpflegesets.

Ungewohnt war für das Ehepaar sein Domizil in einer Jurte vor der Klinik. In dem großen Raum lebten Krapfs mit den beiden anderen Helfern zusammen. Ein Badezimmer gab es nicht, lediglich ein Plumpsklo abseits der Jurte. Zum Duschen mussten sich die Deutschen zwei Tage vorher anmelden, dann wurden sie ins Badehaus des kleinen Ortes gefahren.

Auf dem Land hätten sie kein einziges modernes WC gesehen, erzählt Elisabeth Krapf. Selbst die Bürgermeister hätten neben ihren üppig ausgestattete Amtsräumen nur ein einfaches Plumpsklo. Gewöhnungsbedürftig war das Essen: Mit dem in der Mongolei in rauen Mengen verzehrten fetten Hammelfleisch konnten die Europäer nicht viel anfangen. Obst und Gemüse, sogar Reis gab es kaum. "Die Mongolen leben von der Weidewirtschaft, pflanzliche Kost muss überwiegend importiert werden", sagt Werner Krapf. Zu trinken gab es vergorene Stutenmilch, Milchtee und Wodka.

Begeistert waren die Weißenhorner von der Gastfreundschaft der Mongolen, die sie bei einer traditionellen Hochzeitsfeier und Ausflügen in die Steppe kennen lernten: "Das ist ein stolzes Volk, vielleicht distanzierter als die Nepalesen, aber sehr freundlich", betont Werner Krapf.

Zudem seien die Mongolen begeisterte Sänger und das bei so ziemlich jedem Anlass. Das machten sich die Weißenhorner bei der Behandlung nervöser Patienten zunutze und sangen fröhlich von der "Schwäb'schen Eisebahne".

Nach drei Wochen in der Mongolei kehrte das Ehepaar Ende August nach Deutschland zurück - um viele Erfahrungen reicher und wegen einer Magen-Darm-Grippe um mehr als drei Kilo leichter. "Hart und intensiv" sei der Aufenthalt gewesen, sagen beide: "Wir waren ganz schön kaputt." Trotzdem schließen sie nicht aus, wieder für "Zahnärzte ohne Grenzen" ihre Koffer zu packen.

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