Rivalen Weißenhorner Derby zieht Hunderte Fans an

Rund 600 statt der üblichen 150 Zuschauer kamen gestern zum Spiel in den Weißenhorner Ortsteil.
Rund 600 statt der üblichen 150 Zuschauer kamen gestern zum Spiel in den Weißenhorner Ortsteil. © Foto: Henri Gallbronner
Weißenhorn / Henri Gallbronner 20.08.2018

FV Weißenhorn gegen SV Grafertshofen – vor einigen Jahren nicht nur kaum denkbar, sondern vor allem ein Klassenunterschied wie zwischen dem SSV Ulm 1846 Fußball und der SG Eintracht Frankfurt. Doch leider muss sich der einstmals stolze Amateurligaverein FV Weißenhorn 1920 nach dem Abstieg in der vergangenen Saison inzwischen mit dem harten Alltag in der Kreisliga B/Iller anfreunden.

Gleich zum Saisonauftakt kam es gestern also zu jener Pflichtspielpremiere zwischen den beiden Vereinen, deren Fußballplätze zwar nur rund 800 Meter auseinanderliegen, die sich aber bisher nur in Freundschaftsspielen begegnet waren – zuletzt 2014. Stadionsprecher Matthias Sauter begrüßte das Publikum zu einem „historischen Tag im lokalen Fußball“. Rund 600 Zuschauer hatten den Weg auf den Grafertshofener Fußballplatz gefunden – normalerweise sind es ungefähr 150. Der Verein war selbstverständlich sowohl auf die größere Zuschauerzahl, als auch auf die Hitze eingestellt: „Nur das Wasser ist uns am Ende ausgegangen“, sagte Vorsitzender Hans Glogger.

Die Weißenhorner Anhängerschaft trat den Weg in den Ortsteil zum Teil mit sehr gemischten Gefühlen an: „Ganz ehrlich, es ist schade, dass wir abgestiegen sind“, meinte Vinzenz Kühner, der lange Jahre im Verein aktiv war, unter anderem als Jugendtrainer des heutigen Ulmer Pokalhelden Vitalij Lux. Der große Publikumsandrang hat ihn dennoch nicht verwundert: „Wenn im Endeffekt Weißenhorn gegen Weißenhorn spielt, dann kommt alles, was Zeit hat.“ Auch Leute aus Bubenhausen und Attenhofen habe er getroffen. „Für mich ist es wichtig, dass Weißenhorn gewinnt, weil das mehr Sicherheit gibt“, sagte Kühner.

Dieser Wunsch sollte ihm erfüllt werden. Zwar gingen die Gastgeber in der 18. Minute zunächst durch Levent Luka Eberle in Führung, doch Carlo Kühner konnte in der 21. Minute für den FVW ausgleichen. Durch zwei nahezu identische Freistöße direkt vor dem Strafraum erzielten beide Mannschaften jeweils ein weiteres Tor, sodass es nach der 39. Spielminute 2:2 stand. Nach einem bis dahin ausgeglichenen Spiel sorgte Martin Widmer mit einem Doppelpack kurz vor der Pause für die Weißenhorner Halbzeitführung.

Wer sich eine ähnlich torreiche zweite Spielhälfte erhofft hatte, wurde enttäuscht. Das einzige Tor nach der Halbzeitpause fiel erneut durch eine Standardsituation: Mateusz Jakubowski verwandelte einen Foulelfmeter in der 62. Minute und machte das 5:2 aus Weißenhorner Sicht perfekt.

Beim SV Grafertshofen ließ man sich die gute Laune nicht verderben: „Ich bin mit dem Event zufrieden. Es war eine tolle Zuschauerkulisse aus Weißenhorn und Grafertshofen“, sagte Georg Rueß. Ein solches Spiel sei sicherlich „einmalig in den letzten 20 Jahren“. Auch die Schiedsrichterleistung, die gerade in der Schlussviertelstunde nach einigen Fouls, besonders an Grafertshofer Spielern, lautstark kritisiert wurde, lobte Rueß. Seine Zusammenfassung: „Schönes Wetter und gute Geschäfte.“ Vorsitzender Glogger äußerte sich ebenfalls zufrieden: „Das Spiel ist fair abgelaufen und Weißenhorn hat letztendlich verdient gewonnen.“

Grafertshofen muss in Vöhringen ran

Saison Nachdem die Kreisliga A und die Bezirksliga bereits vergangene Woche in die Saison gestartet sind, hat nun die Kreisliga B den Spielbetrieb aufgenommen. Während der FV Weißenhorn diese Woche spielfrei hat, muss der SV Grafertshofen am Sonntag auswärts gegen die SG Vöhringen-Illerzell ran.

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