Abschied Weißenhorn: Mitarbeiter der Stadtverwaltung geht in Pension

Weißenhorn / Claudia Schäfer 22.08.2018
Karl-Walter Simmendinger hat als Mitarbeiter der Weißenhorner Stadtverwaltung seinen letzten Arbeitstag.

Drei Bürgermeister hatte er als Chefs, er hat den Bau der Müllverbrennungsanlage, des Freibads und der neuen Kläranlage und damit so manchen politischen Aufreger hautnah miterlebt. Karl-Walter Simmendinger kann einiges erzählen aus seinen 47 Jahren Dienstzeit bei der Stadtverwaltung Weißenhorn. Und schnell wird dabei klar – da geht kein Paragraphenreiter in Pension, sondern einer, der seine Arbeit immer als Dienst am Bürger verstanden hat.

Viel Kontakt zum Bürger

Das aus vielen Beamtenwitzen bekannte Bild des Verwaltungsmitarbeiters im erholsamen Büroschlaf straft der 64-Jährige Lügen. Abwechslung und ruhig auch ein wenig Action, das schätzte Simmendinger während seiner fast fünf Jahrzehnte bei der Weißenhorner Stadtverwaltung.  Dazu übernahm er die Jobs, um die sich andere nicht unbedingt rissen, war als stellvertretender Kämmerer und Werkleiter des Wasserwerks zuständig für Gebühren, Müll, Wasser und Kanal, dazu für Zuschüsse und den Betrieb der Weißenhorner Bäder. Alles Bereiche mit viel Kontakt zum Bürger und einigem Konfliktpotential, gerade in Sachen Gebühren und Müll.

Als etwa Mitte der 90er Jahre für 25 Millionen D-Mark eine neue Kläranlage gebaut werden musste und dafür die Weißenhorner Bürger anteilig mit meist vierstelligen Summen zur Kasse gebeten wurden, stand Simmendingers Telefon nicht mehr still. Im Geschäft nicht, zu Hause nicht. Sogar auf dem Weg zur Kirche wurde er angesprochen, erinnert er sich. „Keiner war begeistert.“ Solchen Diskussionen ist Simmendinger nicht aus dem Weg gegangen: „Am besten ist es, wenn die Leute sich erst mal austoben können und wir dann gemeinsam eine Lösung finden.“ Das klappe meistens ganz gut. „Ich mag es, auf den Bürger zuzugehen, für den Bürger da zu sein, die Leute zu informieren.“ Vielleicht habe er deshalb ständig mindestens zehn Aushänge an der Amtstafel hängen und bediene den Stadtanzeiger wie kaum ein anderer.

Eigene Trauung verschoben

Seine offene und zupackende Art blieb seinen Chefs nicht verborgen: Lange Jahre war Simmendinger „Cheffahrer“ der Stadtverwaltung und holte etwa während der Anhörungen zum Bau der Müllverbrennungsanlage Anwälte vom Ulmer Bahnhof ab: „Das war damals eine echt heiße Geschichte.“ Schon während seiner Beamtenausbildung war Simmendinger auf Anraten des damaligen Bürgermeisters Baur bei der Feuerwehr gelandet, wo man laut Baur „Leute wie ihn“ gut gebrauchen könne. Baur behielt Recht: Simmendinger brachte es auf 46 aktive Jahre bei der Feuerwehr und ist immer noch Kassierer im Feuerwehrverein.

Der Dienst für Stadt und in der Feuerwehr seien „immer sehr wichtig“ gewesen, sagt Simmendinger. Immer wieder seien auch beide Aufgaben verschmolzen, etwa beim Bau des Freibads vor rund 50 Jahren. Mit Kollegen aus dem Rathaus strich Simmendinger das neue Becken, später nutzte er mit Kameraden ein Löschfahrzeug, um die neu angelegten Grünanlagen am Bad zu wässern.

Privat noch genug zu tun

Dass das Privatleben manchmal zurückstehen musste, nimmt Simmendinger mit Humor. Zum eigenen Polterabend sei er zu spät gekommen, weil er noch als Fahrer fürs Rathaus unterwegs war. Die standesamtliche Trauung musste verschoben werden, weil es bei Peri brannte und Simmendinger nach dem Einsatz noch zwei Kameraden mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus fahren musste. Der Standesbeamte – sein späterer Chef Heinz Berchtenbreiter – und seine Braut hätten aber geduldig gewartet.  Er sei keinen Tag ungern zur Arbeit gegangen, sagt Simmendinger. Ein bisschen stolz macht es ihn schon, dass sein Nachfolger Andreas Palige das Haus gut bestellt vorfindet. Für ihn selber gebe es privat noch genug zu tun. Mehr Zeit zu haben für Familie, Frau und die zwei erwachsenen Söhne sei schön. „Meine Frau freut sich, dass jetzt mal drei Wochen Urlaub mit dem Wohnwagen drin sind statt zwei.“

Auch handwerklich will er sich betätigen, eine Wohnung renovieren ist angesagt. Für entspannte Stunden hat er von seinen Wasserwerks-Kollegen schon mal das passende Geschenk bekommen: Einen zum Stehtisch umfunktionierten alten Hydranten.

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