Wert des Wassers Die lange Suche nach dem Brunnen

Karl-Walter Simmendinger (Mitte) blickt mit seinem Nachfolger Andreas Palige (links) und Wasserwerk-Mitarbeiter Andreas Haisch in einen der Trinkwasserbrunnen. Viel ist von außen nicht zu sehen – nur eine Metallplatte, die den Zugang verschließt.
Karl-Walter Simmendinger (Mitte) blickt mit seinem Nachfolger Andreas Palige (links) und Wasserwerk-Mitarbeiter Andreas Haisch in einen der Trinkwasserbrunnen. Viel ist von außen nicht zu sehen – nur eine Metallplatte, die den Zugang verschließt. © Foto: Claudia Schäfer
Weißenhorn / Claudia Schäfer 04.09.2018
Weißenhorns ältester Trinkwasserbrunnen wurde 1948 gebaut und soll stillgelegt werden. Nun ist endlich ein Ersatz gefunden. Eine weitere Folge der Serie „Wert des Wassers“.

In einem kleinen Waldstück bei Grafertshofen schlägt das Herz der Weißenhorner Wasserversorgung. Wie Perlen an einer Kette reihen sich dort hinter einem Pumpenhaus drei der vier Brunnen aneinander, die das Stadtgebiet und die meisten Ortsteile versorgen. Viel zu sehen ist von den Brunnen nicht, nur eine quadratische Metallplatte, die den Zugang verschließt.

Der älteste Brunnen mit der Bezeichnung 1b stammt aus dem Jahr 1948 und ist mit einer Leistung von acht Litern pro Sekunde der schwächste der drei, erklärt Karl-Walter Simmendinger, bis vor wenigen Tagen Chef des städtischen Wasserwerks. Außerdem wird der Brunnen bei Hochwasser von der nahen Roth beeinflusst. Deshalb durchläuft das Wasser des 1b eine UV-Anlage, die möglichen Bakterien im Wasser den Garaus macht. Auf Dauer sei das im Unterhalt aber teuer, sagt Simmendinger.

Dem Entschluss der Stadt, den betagten Brunnen stillzulegen, folgte schon vor einiger Zeit die Suche nach einem Ersatz. Doch so einfach war das nicht. Mehrere Probebohrungen von Geologen eines Fachbüros brachten keinen Erfolg. Mal reichte die Menge nicht, mal war die Zusammensetzung des Wassers nicht optimal. Am Ende lag die Lösung buchstäblich nahe: Der neue Brunnen wird ebenfalls bei Grafertshofen gebaut, in Sichtweite des Brunnens Nummer drei. So kann er auch leicht an die bestehenden Leitungen angeschlossen werden.

Möglich wurde das, weil sich Simmendinger an einen alten Vertrag der Stadt mit einem Landwirt erinnerte, der der Kommune den Zugriff auf ein Grundstück nahe der jetzigen Wasserversorgung sicherte. Rund 300.000 Euro wird der neue Brunnen kosten und mit zwölf Sekundenlitern die Leistung des alten 1b deutlich übertreffen. Wie die anderen Brunnen ist er ein so genannter Flachbrunnen, das Wasser kommt aus rund zehn Metern Tiefe.

Ganz anders beim vierten Weißenhorner Brunnen in der Nähe des Gymnasiums. Er wurde im Jahr 1978 als Tiefbrunnen gebaut, der der Wasser aus bis zu 170 Metern Tiefe holt. Die Pumpe hängt bei 80 Metern und fördert pro Sekunde 22 Liter. Weil dieses Wasser aber sehr sauerstoffarm ist, muss es im Verhältnis zwei zu fünf mit anderem Brunnenwasser gemischt werden, bevor es schließlich zu den Haushalten gelangt. Heutzutage, sagt Karl-Walter Simmendinger, würde ein solcher Brunnen wohl nicht mehr genehmigt. Denn: „Das Tiefenwasser soll geschont werden.“

Ein Überbleibsel aus der Zeit vor der Gebietsreform ist die Wasserversorgung in den Teilorten Oberreichenbach und Biberachzell. Sie werden über einen eigenen Tiefbrunnen versorgt und haben auch ein eigenes Wasserwerk. Seit einiger Zeit gibt es für den Notfall eine Versorgungsleitung nach Weißenhorn. Früher habe man sich da mit Feuerwehrschläuchen behelfen müssen, erzählt Simmendinger.

Und noch etwas ist besonders in Biberachzell: Ist das Wasser im Weißenhorner Stadtgebiet mit 20 Grad deutscher Härte sehr hart, enthält also viel Kalk, kommt Biberachzell wegen anderer geologischer Gegebenheiten nur auf 14  Grad. „Das Duschen dauert da länger, das Putzen dafür weniger lang“, witzelt Simmendinger. Für ihn ist Kalk im Wasser kein Zeichen minderer Qualität, sondern durchaus gesund. Was viele Leute nicht wüssten: Manches Marken-Mineralwasser habe eine Härte von mehr als 30 und werde vielleicht gerade wegen des hohen Calciumgehalts gekauft.

Eine Besonderheit ist auch die Wasserversorgung von Oberhausen und Wallenhausen. Zwar bekommen die Bürger die Wasserrechnung aus dem Weißenhorner Rathaus, das Nass selbst aber aus Pfaffenhofen: über den Zweckverband „Rauher Berg“. Bezahlt wird auch der dortige Preis.

2000 Kubikmeter werden am Tag verbraucht

Menge Rund 750 000 Kubikmeter Trinkwasser werden in Weißenhorn jährlich verbraucht, auf den Tag gerechnet, sind das rund 2000 Kubikmeter. Während heißer Sommertage waren es auch schon mal 2700 Kubikmeter. Der Wasserpreis liegt seit dem Jahr 2000 unverändert bei 92 Cent Netto (98 Cent Brutto).

Verluste Die Verluste zwischen Brunnen und Verbrauchern, etwa durch Lecks in Leitungen, liegen in Weißenhorn bei drei bis sieben Prozent und damit unter dem bayerischen Schnitt von 9,6 Prozent.

Härte Die Härte des Wassers ist abhängig vom Gehalt der Calcium- und Magnesium-Verbindungen. Bei weniger als 8,4 Grad deutscher Härte spricht man von weichem Wasser, bei 8,4 bis 14 Grad von mittlerem und bei mehr als 14 Grad von hartem Wasser.

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