Weißenhorn Weißenhorn sucht Platz für junge Familien

CARSTEN MUTH 06.07.2013
Mehr junge Familien sollen in Weißenhorn ein Zuhause finden. Darin sind sich Verwaltung und Stadtrat einig. Über Lösungswege jedoch nicht.

Wie andere Kommunen wirbt auch die Stadt Weißenhorn um junge Familien. Wer sein Heim in der Fuggerstadt errichten will, soll dazu die Möglichkeit erhalten. Dass diese Möglichkeit nicht immer gegeben ist, zeigt ein Fall, mit dem sich der Bauausschuss kürzlich befasst hat.

Es geht um den Wunsch einer jungen Familie, die im Tannenweg ein Haus bauen will. Und zwar auf einem familieneigenen Grundstück, das sich zwischen Tannenweg und Reichenbacher Straße erstreckt. Das Problem: Auf dem Grundstück befindet sich schon ein Wohnhaus. Das neue Gebäude wäre nur von der Reichenbacher Straße aus zu erschließen. Deshalb müssten dort ein Gehweg und eine neue Zufahrt gebaut, der Bebauungsplan müsste geändert werden. Auch die vier Nachbarn würden dann zur Kasse gebeten und an den Kosten für die Erschließung beteiligt.

Das Stadtbauamt wollte die Anfrage deshalb ablehnen. Eine Änderung des Bebauungsplanes komme in dem Fall einer "Gefälligkeitslösung" für nur einen Neubau gleich. Bürgermeister Wolfgang Fendt jedoch wollte das Projekt nicht beerdigen. Er sagte: "Wir sollten signalisieren, dass wir eine Lösung wollen." Die Mehrheit im Stadtrat sah dies genauso und schuf damit eine Art Sonderfall. Das Gremium stimmte der Anfrage zu.

Die Nachbarn wollen keine Kosten übernehmen. Die Stadt will nun versuchen, die Betroffenen zu überzeugen, doch noch mitzumachen, damit das gesamte Areal neu erschlossen werden kann. Schließlich könnten auch die Nachbarn einmal von einem neuen Erschließungsweg profitieren, heißt es. Bürgermeister Fendt schlug sich auf die Seite der jungen Familie, auch wenn das Landratsamt eine Zusage der Stadt womöglich wieder kassieren könnte, wie er einräumte. Fendts Begründung: "Andere Städte kämpfen um junge Familien. Das sollten wir auch tun."

Einige Stadträte gingen noch weiter. Sie brachten eine Umsetzung des Bauprojekts ohne Bebauungsplanänderung ins Spiel, um den jungen Eltern zu helfen. Herbert Richter ging das zu weit. Der SPD-Fraktionsvorsitzende warnte davor, die Regeln zu verletzen. Zwar sprach auch er sich für den Bau aus. "Aber nur mit Bebauungsplan." Sollte die Stadt mit einer Ausnahme einen Präzedenzfall schaffen, wäre das fatal: "Das holt uns wieder ein."