Engagement Weil der Chef allein nicht alles schafft

Maria Stoll (l.) und Katja Blum leiten den Verein.
Maria Stoll (l.) und Katja Blum leiten den Verein. © Foto: Claudia Schäfer
Claudia Schäfer 04.05.2018

Als Angelika Kutter 1993 die Initiative zur Vereinsgründung ergriff, arbeiteten viele Frauen im Landkreis Neu-Ulm in den Handwerksbetrieben ihres Mannes mit, ohne die entsprechenden kaufmännischen Grundlagen zu haben. Seminare und Fortbildungen gab es nur für die Unternehmer selbst. Auch über ihre finanzielle und soziale Absicherung wussten längst nicht alle mitarbeitenden Frauen Bescheid. „Wir müssen selber schauen, wo wir unser Hintergrundwissen herkriegen“, beschrieb Schatzmeisterin Annelies Oppold die Situation in der Gründungsversammlung der UFH in Grafertshofen. „Mehr Wissen = mehr Können = mehr Erfolg“ wurde zum Leitspruch des Vereins „Unternehmerfrauen im Handwerk“.

Ein Vierteljahrhundert und viele Treffen und Seminare später hat sich die Lage der Unternehmerfrauen deutlich gewandelt. Über Fachzeitschriften und Internet sind Informationen schnell verfügbar, es gibt berufsbegleitende Abschlüsse und Fortbildungsangebote. Immer mehr „Unternehmerfrauen“ sind selbst Firmeninhaberinnen. Und es werden, so beschreibt es die derzeitige Vorsitzende des UFH, Maria Stoll, die Frauen im Handwerk viel mehr als früher „auf der gleichen Ebene wahrgenommen“ wie die Männer. Stoll und ihre Stellvertreterin Katja Blum, die seit vielen Jahren im Betrieb ihres Manns arbeiten, kennen noch den Satz: „Reden Sie darüber erst mal mit Ihrem Mann“. Sie wissen von Mitarbeitern, die heute noch lieber lange und ergebnislos über ein Problem nachgrübeln, statt die Chefin zu fragen. Und doch sagen sie, würden sie mehr „als Entscheidungsträger akzeptiert“, als Verantwortliche und Partner des Inhabers gesehen. „In diesem Punkt haben wir Einiges erreicht.“ Die Wertschätzung für das Handwerk sei generell eine andere, „und das gilt auch für die Frauen im Handwerk.“

Seit 25 Jahren leiste der Verein der Unternehmerfrauen einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung. Zum Einen, sagt Maria Stoll, gehe es im Verein um Information und Weiterbildung, etwa bei Seminaren zu juristischen oder betriebswirtschaftlichen Themen. Zum anderen gibt es den Austausch: Sie habe schon viel von den Erfahrungen anderen Unternehmerfrauen profitiert, sagt Katja Blum. Und dann sei da noch das gesellige Element, die gemeinsamen Betriebsbesichtigungen oder Studienreisen.

Der Austausch,  das „Netzwerken“, wie Maria Stoll es nennt, ist Herzstück der Vereinsarbeit. Gerade, weil sich eines kaum verändert hat in 25 Jahren und auch für die Unternehmerfrauen gilt, die ihren eigenen Betrieb leiten: „Wir sind Mädchen für alles“, sagt Maria Stoll. Frauen in Handwerksbetrieben seien Chefin, Managerin und Bürokraft und auch die, die die Familie am Laufen hielten. Für die „Macherin“ in einem kleinen oder mittelständigen Betrieb heiße das, sich neben der Korrespondenz mit Lieferanten, Kunden oder dem Finanzamt schon mal Gedanken über die Frage zu machen: „Was koche ich heute?“

Kurz vor der Auflösung

Dass ihr Verein am Wochenende das 25-jährige Bestehen feiern kann, freut Stoll und Blum sehr. Hatte es doch kürzlich noch so ausgesehen, als müsse sich der Verein mangels neuem Vorstand nach dem Ausscheiden der langjährigen Vorsitzenden Angelika Kutter auflösen. Doch nun gehe ein „Ruck“ durch den Verein. Die Unterstützung seitens der Kreishandwerkerschaft sei „enorm“, auch die Kammer sei sich der wichtigen Rolle der Frauen in den Betrieben bewusst. Mit neuen Veranstaltungsformen wie einem Stammtisch sollen weitere Mitglieder geworben werden.

Dem Hamsterrad entkommen

Vortrag „25 Jahre Unternehmerfrauen im Handwerk Neu-Ulm“ wird am Sonntag, 6. Mai, um 11 Uhr im Sitzungssaal des Weißenhorner Rathauses gefeiert. Josef Epp aus Bad Wörishofen spricht zum Thema „Sich schützen und stärken - dem Hamsterrad entkommen“.

Plan In den kommenden Monaten plant der Verein mehrere Veranstaltungen, etwa im Juni ein Besuch der ehemaligen Synagoge Fellheim.

Infos Vorsitzende Maria Stoll ist zu erreichen unter Tel. (0731) 71 57 91 12 oder (0170) 165 25 86.