Natur Waldbrandgefahr ist trotz Hitze überschaubar

Felder und Wälder werden in der Region, wie hier im Landkreis Neu-Ulm, regelmäßig bei Kontrollflügen in Augenschein genommen. Die Flüge dienen dazu, Brände früh zu erkennen.
Felder und Wälder werden in der Region, wie hier im Landkreis Neu-Ulm, regelmäßig bei Kontrollflügen in Augenschein genommen. Die Flüge dienen dazu, Brände früh zu erkennen. © Foto: Patrick Fauß
Region / Wilhelm Stein 08.08.2018

Hitze, Sonne satt, kaum Regen. Temperaturen um die 30 Grad, damit steigt auch die Brandgefahr. Die Stadt Ehingen hat gestern aus Sicherheitsgründen Grillplätze in Waldnähe – insbesondere die Grillstellen am Kohlerberg, am Trimm-Dich-Pfad Untere Forchen und am Jägerhof – geschlossen und deren Nutzung untersagt. Das Verbot gilt so lange es die Witterung erfordert, heißt es in der Mitteilung, und: Man bitte „im Sinne des Brandschutzes und der öffentlichen Sicherheit um Verständnis“.

Bislang kam es im Kreis zu keinem Waldbrand, die Region sei grundsätzlich nicht besonders gefährdet, sagt Thomas Herrmann, Fachdienstleiter für Forst und Naturschutz im Landratsamt Alb-Donau, über die allgemeine Situation im Kreis. „Waldbrand ist bei uns kein großes Thema.“ In den vergangenen zehn Jahren habe es nur drei Brände gegeben, die rasch gelöscht wurden. Das relativ geringe Waldbrandrisiko liege zumeist an der Art der Bepflanzung, es gebe in der Region überwiegend Laub- und Mischwälder. Diese Mischwälder haben ein geringeres Brandpotenzial im Vergleich zu Monokulturen wie Nadelwälder.

Werner Bierer, zuständig für das 1400 Hektar große Forstrevier Weilersteußlingen, sieht im Alb-Donau-Kreis zwar wegen der Mischkulturen auch eine geringere Waldbrandgefahr als in den südlichen Landkreisen, wo mehr Nadelbäume wachsen. Dort wirkten von den Bäumen abgefallene, vertrocknete Nadeln wie Zunder, da genüge bereits ein Funke, anders als bei Laub. „Das heißt aber nicht, dass man hier nicht trotzdem vorsichtig sein soll!“ Nach wie vor gilt etwa ein Rauchverbot im Wald.

Ähnlich wie 2003

Und im Vergleich zu den vergangenen Jahren sieht Bierer gleichwohl eine höhere Brandgefahr, vergleicht die Situation gar mit dem Hitze-Sommer 2003. Immerhin: Der Regen, der gestern vereinzelt niederging, habe nun eine leichte Entspannung gebracht. „Viel bleibt zwar am Blätterdach hängen“, dennoch sei auf dem Waldboden etwas angekommen. Für Hubert Gobs, zuständig für das 1600 Hektar große Forstrevier Ehingen, war der Regen lediglich „ein Tropfen auf den heißen Stein“, häufig sei am Abend bereits alles wieder verdunstet.

Die Regierung Schwaben hat im Landkreis Neu-Ulm nun Überwachungsflüge angeordnet. Diese sollen ein frühes Erkennen und rasches Einschreiten bei Brandherden ermöglichen. Mindestens einmal pro Tag findet ein solcher Flug statt. Nach Angaben des Neu-Ulmer Kreisbrandrats Bernhard Schmidt ist dies das Standardvorgehen in Jahreszeiten mit erhöhtem Waldbrandpotenzial. „Weitere vorbeugende Maßnahmen sind nicht nötig, da keine akute Gefährdung herrscht“, sagt Schmidt. „Die Feuerwehren sind immer in Bereitschaft und in kürzester Zeit vor Ort.“

Dritte von fünf Gefahrenstufen

Ein weiteres Instrument zur Erfassung der Gefährdungslage von Waldbränden ist der so genannte Waldbrand-Gefahrenindex – der sich aus diversen gemessenen Werten zusammensetzt: Lufttemperatur, Luftfeuchte, Wind, Niederschlag und Bodenfeuchte. Der Index besteht aus fünf Stufen. Die Stufe eins steht für eine sehr geringe Gefahr, die fünfte Stufe für ein hohes Waldbrandrisiko. Für die Region gilt derzeit Stufe drei: mittlere Brandgefahr.

Ralf Ziegler, Kreisbrandmeister im Alb-Donau-Kreis, betrachtet die Lage gelassen. Er berichtet, dass es bislang in diesem Jahr nicht mehr Brände als in den Jahren zuvor gegeben hat. Vereinzelt sei es zu Feldbränden gekommen, die jedoch rasch gelöscht werden konnten. „Diese Feuer wurden durch technische Defekte an landwirtschaftlichen Maschinen wie heiße Auspuffrohre und warm gelaufene Lager herbeigeführt.“

Der Borkenkäfer ist ein Profiteur der Trockenheit

Befall „Bei uns brennt der Wald anders“, sagt Thomas Herrmann. Der Leiter des Fachdienstes Forst, Naturschutz im Landratsamt Alb-Donau meint die Gefahr durch den Borkenkäfer. Seit etwa eineinhalb Wochen zeichne sich in den tiefen Lagen des Kreisgebiets ein „Extrembefall“ durch den Holzschädling ab. Hermann nennt die Wälder bei Dietenheim, Balzheim und Langenau. Langsam, aber sicher werde sich der Befall auf auf die höheren Lagen der Alb ausdehnen, befürchtet der Fachdienstleiter. Umso wichtiger sei es, dass die Waldbesitzer regelmäßig kontrollieren und bei Anzeichen von Käferbefall schnell reagieren: Betroffene Bäume fällen und am besten gleich aus dem Wald transportieren. Lagerplätze seien ausreichend vorhanden. Zum Glück sei das Ende der Hitzewelle und der Trockenheit absehbar. Die Schäden dürften daher nicht so gravierend sein wie im schlimmen Käfer-Jahr 2003.

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