Waffen Waffenscheine: Menschen in der Region rüsten kräftig auf

Wer eine kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschusswaffen mit sich führen. Sie sehen scharfen Waffen täuschend ähnlich.
Wer eine kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschusswaffen mit sich führen. Sie sehen scharfen Waffen täuschend ähnlich. © Foto: dpa
Region / CARSTEN MUTH 23.11.2016

Schreckschuss-Pistolen sehen scharfen Waffen nicht nur täuschend ähnlich, sie sind ebenfalls alles andere als ungefährlich. Vor diesem Hintergrund lassen Zahlen aufhorchen, die die Landratsämter in Ulm und Neu-Ulm präsentieren. Demnach hat sich die Zahl derer, die einen kleinen Waffenschein besitzen, in den vergangenen beiden Jahren nahezu verzehnfacht. Im Landkreis Neu-Ulm gibt es derzeit 500 kleine Waffenscheine, 2014 waren es gerade einmal 57. Im Alb-Donau-Kreis sind es aktuell 226. Zum Vergleich: 205 mehr als vor zwei Jahren.

Reizgas-, Schreckschuss- und Signalwaffen darf nur mit sich führen, wer einen kleinen Waffenschein hat. Und wer zuverlässig ist und die persönliche Eigenschaft besitzt, wie Wolfgang Höppler sagt, der Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit im Neu-Ulmer Landratsamt. Er betont: „Wenn ich eine Waffe führen darf, bin ich privilegiert. Dann muss ich einer besonderen Verantwortung gerecht werden.“ Hat ein Bewerber etwa Einträge im Bundeszentralregister, ist dies womöglich ein Ausschlusskriterium. Wer nachweislich Alkoholprobleme hat oder psychisch krank ist, muss sich gutachterlich untersuchen lassen, sagt Höppler. Er prüft jeden Fall „sehr genau und individuell“ – und bezeichnet den Trend hin zu mehr Waffen als bedenklich.

Jung, alt, Mann, Frau, Angestellte, Arbeiter, Unternehmer: Laut des Sprechers gehören die Besitzer der kleinen Waffenscheine allen Bevölkerungsschichten an. „Da ist alles vertreten.“ Aber woher kommt der verstärkte Wunsch, sich zu bewaffnen? Darüber vermag der Landratsamtssprecher nur spekulieren. Die vermehrten Wohnungseinbrüche? Die Flüchtlingskrise? Die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln? Schon möglich, dass dies alles viele Menschen verunsichert habe.

Schreckschusspistolen oder Elektroschocker vermitteln ihren Besitzern jedoch lediglich eine trügerische Sicherheit, findet der Mann aus dem Landratsamt. „Denn wer eine Waffe zieht, weil er sich bedroht fühlt, schafft automatisch eine neue Gefahrenquelle“, betont Höppler. „Dies kann schnell zu einer unkontrollierbaren Situation führen.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Heiner Scheffold, Landrat im Alb-Donau-Kreis: „Insgesamt sieht Landrat Scheffold, wie auch die Waffenbehörde des Landratsamts, den Anstieg bei den erteilten kleinen Waffenscheinen sehr kritisch“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde: „Sicherheit zu gewährleisten ist zu allererst eine Aufgabe der Polizei. Und ihr sollte man diese Aufgabe in unserem Staat auch überlassen.“

Dem Neu-Ulmer Landratsamtssprecher Höppler ist es eigenen Angaben zur Folge in einigen Fällen gelungen, Interessenten davon zu überzeugen, ihren Antrag zurückzunehmen. „Ich habe sie gefragt: Was wollen Sie denn mit diesem Ding? Sie gefährden sich mit den Waffen doch eher selber.“ Dies habe einige Bewerber tatsächlich überzeugt.

Die Polizei wäre froh, wenn dies in noch viel mehr Fällen gelänge. Auch sie betrachtet die gestiegenen Waffenschein-Zahlen mit Sorge. „Wir sehen es sehr skeptisch, wenn sich die Bürger bewaffnen“, sagt Jürgen Krautwald vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten, das auch für den Landkreis Neu-Ulm zuständig ist. Die gefühlte Sicherheit einiger Menschen hat mit der tatsächlichen nichts zu tun“, sagt Krautwald. Es gebe keinen Anlass für eine verstärkte Bewaffnung. Schließlich sei mit Blick auf die Polizeistatistik die Region verglichen mit anderen Gebieten in Deutschland alles in allem „sehr sicher“.

„Wer eine Waffe führt, sollte handhabungssicher sein“, sagt der Polizeisprecher. Das aber seien beileibe nicht alle. Seine Kollegen auf Streife etwa müssten manchmal sekundenschnell entscheiden, in welche Konfliktsituation sie geraten sind, ob die Waffe, die ein Beteiligter trägt, scharf ist oder nicht. Das schaffe eine Lage, in der alle Beteiligten einer unnötigen Gefahr ausgesetzt sind.

Großer Waffenschein

Berechtigung

Die Zahl der Besitzer großer Waffenscheine, der zum Führen scharfer Waffen berechtigt, ist im Alb-Donau-Kreis „verschwindend gering“, wie Landratsamtssprecher Bernd Weltin berichtet. Nähere Angaben macht er dazu nicht. Im Kreis Neu-Ulm gibt es keinen einzigen Besitzer eines großen Scheins.

Waffenbesitz

Jagdscheine berechtigen zum Führen von Jagdwaffen auf der Jagd. Die Waffen von Sportschützen sind in der Regel auf Waffenbesitzkarten eingetragen.