Illertissen Wärme im Haus der Geborgenheit

Dieses Kunstwerk von Juditha Berschin aus Weißenhorn steht im Illertisser Benild-Hospiz.
Dieses Kunstwerk von Juditha Berschin aus Weißenhorn steht im Illertisser Benild-Hospiz. © Foto: Inge Sälzle-Ranz
Illertissen / INGE SÄLZLE-RANZ 20.12.2014
Im Februar kommen die Möbel, die Leitung des künftigen Benild-Hospizes in Illertissen steht fest, weitere Mitarbeiter sind eingestellt. Ende April ist die Einweihung geplant - eine Zwischenbilanz.

Rudolf Bader geht ab und zu in ein Zimmer des künftigen Benild-Hospizes und lässt es auf sich wirken. Er spürt dann die Stille im "Haus der Geborgenheit". Er versucht sich vorzustellen, wie das Haus die Menschen aufnehmen wird, die dort die letzten Tage ihres irdischen Daseins verbringen werden. Rudolf Bader ist als Architekt für den Neu- und Umbau des ehemaligen Juvenats der Schulbrüder in Illertissen zum stationären Hospiz verantwortlich.

Wenn er von der Wärme des Vinyl-Bodens spricht, dessen Oberflächenstruktur an die von Holz erinnert, wenn er darauf verweist, dass die Pflegebetten aus den Zimmern in den Garten geschoben werden können, wenn er sagt, dass es ganz wichtig ist, dass durch Vorhänge, Möbel und andere Ausstattung noch dafür gesorgt werden muss, dass es in den Räumen im Erdgeschoß nicht mehr hallt: Dann hört man heraus, dass das Hospiz für Bader mehr ist als ein gewöhnliches Bauprojekt.

Auch für Roswitha Nodin und Ansgar Batzner, die beiden Vorsitzenden des Fördervereins Hospiz Illertissen, Geschäftsführer Andreas Lazarek und den Bauleiter Kurt Wanner ist das Haus eine Herzensangelegenheit. Immer mehr Menschen teilen die Begeisterung. Sie seien nicht nur perfekt im Zeitplan, sondern auch im Kostenrahmen, erzählen die Organisatoren. 2,13 Millionen Euro galt es, für den Umbau aufzubringen.

Geholfen haben nicht nur Kommunen des Landkreises Neu-Ulm, sondern auch aus den Nachbarkreisen Alb-Donau, Günzburg und Unterallgäu; mit Hilfe der Landkreise selber, durch Zuschüsse vom Ministerium für Gesundheit und Pflege, von Stiftungen und Förderern wie Lions Club und Rotary Club; durch Patenschaften, Aktionen von Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen, die Bienen-Auktion der Stadt Illertissen und des Kunstzirkels, durch Spenden aus Nachlässen, der Fernsehlotterie und nicht zuletzt durch eigene Veranstaltungen des Fördervereins. Einige Helfer haben kürzlich im Garten 260 von der Gärtnerei Gaißmayer gespendete Stauden gepflanzt. Und die - mehrheitlich regionalen - Handwerker haben ihre Verbundenheit nicht nur durch große Verlässlichkeit gezeigt, betonen Ansgar Batzner und Rudolf Bader. Sie geben jetzt auch Nachlässe auf ihre Endrechnungen.

Im Erdgeschoß werden zurzeit noch Kabel eingezogen und Böden verlegt, an anderer Stelle ist schon der Staubsauger im Einsatz. Rudolf Bader verspricht: "Bis Weihnachten sind wir fertig." "Die Menschen sollen sich wohl fühlen bei uns", sagt Andreas Lazarek beim Blick auf die acht großzügig gestalteten Wohnräume mit ebenerdigem Zugang zum Garten, auf das künftige Ess- und Wohnzimmer, die Küche, auf das geräumige Pflegebad mit Sternenhimmel und Klangwellen. Der erste Stock mit Büros für die ambulante Hospiz-Gruppe und dem Übernachtungsraum für Angehörige der Hospiz-Gäste wirkt schon recht wohnlich. Im zweiten Stock gibt es einen 15 Meter langen Raum für die bisher 30 Hospizhelferinnen und -helfer. 15 weitere werden zurzeit ausgebildet.

Im Andachtsraum wird gerade getestet, welcher Lichtschein das von Juditha Berschin aus Weißenhorn gestaltete Kunstwerk am eindrucksvollsten aussehen lässt. Der rechteckige Porphyr mit unregelmäßiger Oberflächenstruktur weckt unterschiedliche Assoziationen. Aufgebrochen in vier Teile weist er auf das christliche Kreuz, es dominiert aber nicht. Schließlich ist das Hospiz für alle Menschen offen - unabhängig von der Konfession. Eine kleine goldene Kugel bricht das Ganze auf, "Kleines bewegt Großes", sagt Juditha Berschin und fügt hinzu: "Jeder Betrachter kann seine eigene Interpretation finden."s