Auch nach dem Pressetermin im AKW Gundremmingen am Freitag (wir berichteten), stellt sich die Ulmer Ärzteinitiative gegen die Verbrennung von leicht strahlendem Mischabfall im Müllheizkraftwerk in Weißenhorn. Ihr Sprecher Reinhold Thiel appelliert in einem offenen Brief an Landrat Thorsten Freudenberger und die Kreisräte: „Beenden Sie die Müllverbrennung der ,freigemessenen’ Materialien.“

Thiel erklärt: Bei der Verbrennung werde radioaktives Material freigesetzt und gefährde die Gesundheit der Bevölkerung. Möglich seien Erkrankungen und Erbgutveränderungen. Das vom AKW-Betreiber angeführte Argument, dass die „freigemessene“ Strahlungshöhe des angelieferten Mülls geringer sei, als die natürliche Hintergrundstrahlung, sei „irreführend“. Die zusätzliche Freisetzung künstlicher Strahlung auch bei einer kleinen Dosis – erlaubt sind maximal zehn Mikrosievert im Jahr – wirke nicht isoliert für sich allein, „sondern addiert sich mit anderen bereits bestehenden Belastungen und kann damit nicht vorhersehbare Folgen auslösen“. Thiel: „Bereits die niedrigen Dosen der ,natürlichen’ Hintergrundstrahlung führen zu epidemiologisch nachweisbaren Gesundheitsschäden.“

Der Arzt weist die Äußerung eines RWE-Sprechers (RWE betreibt das Kraftwerk in Gundremmingen) zurück, wonach die Bundesärztekammer sage, das Zehn­-Mikrosievert-pro-Jahr-Konzept senke das Risiko der Bevölkerung auf ein „vernachlässigbares Niveau“. Dabei handele es sich „offensichtlich um eine private Meinung eines Einzelnen, die nicht durch einen offiziellen Ärztekammerbeschluss gedeckt ist“. Vielmehr betone die Ärzteschaft, „dass es keine unschädliche ionisierende Strahlung gibt“.

Info Morgen (9 Uhr) befasst sich der Werkauschuss des Neu-Ulmer Kreistags mit dem AKW-Müll. Am Freitag trifft sich die Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung um 19 Uhr im Gasthof Zur Rose in Weißenhorn-Grafertshofen.