Tiefenbach bei Illertissen Vorwürfe und Misstrauen

Tiefenbach bei Illertissen / INGE SÄLZLE-RANZ 14.11.2012
Enttäuschung, Empörung, Misstrauen, Vorwürfe und die Forderung an die Illertisser Stadtspitze, endlich massiv aktiv zu werden: Die Bürgerversammlung in Tiefenbach war spannungsgeladen.

Gut 100 Tiefenbacher waren zur Bürgerversammlung in die Gemeindehalle gekommen. Zu Wort meldeten sich außer dem Vereinsring-Vorsitzenden Gerhard Leopold ausschließlich Mitglieder des Arbeitskreises Autobahnanschluss A 7 - und sie erhielten mehrmals Beifall. Sie ließen ihrer Enttäuschung freien Lauf: Bürgermeisterin Marita Kaiser, das städtische Bauamt, "seelenlose Beamte im staatlichen Bauamt", Vertreter des Landkreises machten seit Jahren Versprechungen. Und nichts geschehe, um die Verkehrssituation zu verbessern. Es gärt gewaltig in Tiefenbach. Autobahnauffahrt, Zufahrt zu selbiger und belastender Lkw-Verkehr bringen viele in Rage.

Vor etlichen Tagen hatte der aus acht Personen bestehende Arbeitskreis mit einer Wurfsendung in die Briefkästen die Tiefenbacher aufgefordert, zur Versammlung zu kommen, um auszudrücken: "Wir sind nicht bereit, unsere völlig ungeeignete Ortsdurchfahrt als Autobahnzubringer zu akzeptieren." Die bisherigen Planungen der Zufahrt zur neuen A-7-Auffahrt würden jedoch diese Gefahr bergen. Gerhard Leopold riet der Bürgermeisterin, sie solle sich unabhängig vom Bau der Auffahrt vehement für eine Geschwindigkeits- und Tonnagen-Beschränkung für Lkw in Tiefenbach einsetzen. Schließlich habe der Verkehr auch so schon zugenommen.

Die Vorwürfe der enttäuschten Redner richteten vor allem gegen die Verwaltungschefin. "Seit 2001 ist nichts passiert. Viele Tiefenbacher warten darauf, dass Sie sich für unser Dorf einsetzen und uns ernst nehmen", empörte sich Petra Rothenbacher. Karl Bauer nahm Bezug auf Kaisers Rede: "Sie haben gesagt, Kinder sind das Wichtigste, also setzen Sie alle Hebel in Bewegung, um diese Kinder zu beschützen. Es ist fünf vor zwölf."

Ulrich Maier-Collin, Sprecher des Arbeitskreises A 7, hatte sich im Vorfeld der Bürgerversammlung erkundigt, wie weit die Bemühungen der Stadtverwaltung um das im September vom Bauausschuss beschlossene Gutachten für eine Verkehrsberuhigung gediehen sind. Bei dem laut Aussage von Tiefbauamtsleiter Bernd Hillemeyr bereits beauftragten Fachbüro erhielt er die Auskunft, es sei gar kein Auftrag eingegangen. Da sei es nicht verwunderlich, dass der Eindruck entstehe, die Stadtverwaltung verzögere absichtlich die Umsetzung der Aufträge aus dem Stadtrat, sagte Maier-Collin. "Da muss sich der Stadtrat wehren." Maier-Collin hat herausgefunden, dass das gleiche Büro, das den Bellenberger Flächennutzungsplan ausarbeitete, auch das Gutachten für eine Verkehrsberuhigung in Tiefenbach erstellen sollte. Das könne nicht angehen. Er forderte eine neue Auftragsvergabe.

Bürgermeisterin Kaiser ließ sich kaum provozieren. Sie sei sich dessen bewusst, dass sie bei manchen Tiefenbachern "keinen Blumentopf mehr gewinnen" könne. Aber: Die Aufträge aus dem Stadtrat würden erledigt, "wie es die Zeit erlaubt". Zum Thema Verkehrsberuhigung in Tiefenbach sei sie in regelmäßigen Gesprächen mit den zuständigen Behörden, "aber es wird schwierig, mit dem Landkreis eine Einigung zu finden". Die Zeitabläufe für den Bau der Autobahnauffahrt seien nicht vom Rathaus aus zu steuern, das Planfeststellungsverfahren sei erst nach einer Einigung zwischen Bellenberg und Illertissen möglich.

Um Klarheit darüber zu erhalten, wie die unterschiedlichen Informationen über das erteilte oder nicht erteilte Gutachten zustande kamen, hat SPD-Fraktionschef Wolfgang Ostermann eine Anfrage an Kaiser gerichtet. Falls nötig, sei eine Sondersitzung einzuberufen.

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