Vortrag Vortrag: Rolf Bäurle spricht über Saudi-Arabien

Rolf Bäurle hat lange in Saudi-Arabien gelebt.
Rolf Bäurle hat lange in Saudi-Arabien gelebt. © Foto: Thomas Vogel
Thalfingen / Thomas Vogel 15.06.2018
Der Sendener Rolf Bäurle hat in Thalfingen über seine Erfahrungen in Saudi-Arabien gesprochen. Er zeichnet ein düsteres Bild.

36 Jahre seines beruflichen Lebens verbrachte der Bauingenieur Rolf Bäurle in arabisch-islamischen Ländern. Davon war er allein 30 Jahre lang in Saudi Arabien, wo er seit 1968 zahlreiche Großprojekte wie den Bau von Universitäten, Industrie-Anlagen oder Hotels zu betreuen hatte. Kürzlich hat er in der Thalfinger Brasserie Adler über seine Erfahrungen gesprochen. Die Senioren-Union und der Freundeskreis-Asyl hatten zu dem Vortrag eingeladen.

Düsterer Überwachungsstaat

Es war wohl eine völlige Parallel-Welt in der die Fachleute da lebten – inmitten einer von ihnen als fremdartig wahrgenommenen Umwelt. Kulturell geprägt war sie den Schilderungen Bäurles zufolge vor allem durch die Religion. In Saudi-Arabien folge sie bis heute der wahhabistischen Spielart des Islam, die sich durch eine rabiate Intoleranz gegenüber allen auszeichnet, die nicht als „echte“ Gläubige gelten. Bäurle hatte in seinem persönlichen Rückblick dafür kaum mehr als Sarkasmus übrig.

In seinem Vortrag zeichnete der Sendener ein düsteres Bild der Verhältnisse eines religiösen Überwachungsstaats. Soziale Kontakte zur einheimischen Bevölkerung waren seinen Schilderungen zufolge daher fast unmöglich. Alles, was auch nur vage an ein Kreuz erinnerte, sei zu entfernen gewesen. Wer mit einer Bibel erwischt wurde, habe ein Todesurteil riskiert.

Bäurle, der heute in Senden lebt, schilderte Saudi-Arabien als Absurdistan unter religiöser Knute und unterlegte diese Aussage mit zahlreichen Anekdoten: eine mehrtägige zwangsweise Hotel-Schließung, weil auf einem Kuchen ein Schweiz-Fähnchen mit dem Schweizer Kreuz entdeckt wurde; das Verbot für Frauen, eine Eiswaffel zu schlecken; ein enormer logistischer Aufwand, um Männer und Frauen räumlich zu trennen. Dazu eine rigide Zensur, die Missachtung der Menschen- und Frauenrecht.

„Haben Sie auch was Positives erlebt?“, wollte eine Zuhörerin am Ende wissen. Die abwägende Betrachtung Bäurles bestand dann darin, „dem Westen“, insbesondere den USA, ein propagandistisch verzerrtes Bild etwa der irakischen Politik unter Saddam Hussein vorzuhalten, um damit die Interventionen in Kuwait und später im Irak zu rechtfertigen: „Im Namen der Demokratie wurden dann hunderttausende Irakis umgebracht.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel