Senden Vor Gericht: Katze vom Balkon geworfen

Senden / HANS-ULI MAYER 07.08.2013
Ein 43-jähriger Mann muss 900 Euro Strafe bezahlen, weil er seine Katze aus dem achten Stockwerk geworfen hat. Das Tier überlebte, der Mann leugnete, war aber beobachtet worden.

Schweren und ungelenken Schrittes hat am Dienstag ein 43-jähriger Angeklagter den Raum 103 des Neu-Ulmer Amtsgerichts betreten. "Kraftfahrer", gab er als Antwort auf die Frage der Richterin nach seinem Beruf und reichte noch ein halblautes "Invalide" nach. Nein, einen Unfall habe er nicht gehabt, "einfach die Füße weg, und das war es", sagte er.

Der von seiner Ehefrau und den beiden 13 und 20 Jahre alten Kindern getrennt lebende Mann wirkt resigniert, aber die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft scheinen ihm neues Leben einzuflößen. Entrüstet weist er den Vorwurf zurück, er habe die Katze, die ihm nach dem Auszug der Familie noch geblieben war, vom Balkon seiner Wohnung im achten Stock geworfen.

Tatsächlich hatte das arme Tier den Sturz auf die Borsigstraße in Senden mit schweren inneren Verletzungen überlebt und ist mittlerweile in einem Tierheim untergebracht - offenbar unbeachtet von der Besitzerfamilie.

Der 43-Jährige jedenfalls will bei sich keine Schuld erkennen, er sei nicht verantwortlich betont er und liefert gleich verschiedene Versionen des freien Falls der Katze. Mal ist das Tier selber gesprungen, dann wieder abgstürzt. Schließlich beteuert der Angeklagte, zum fraglichen Zeitpunkt überhaupt nicht in der Wohnung gewesen zu sein. "Ich war weggefahren." sagt der Mann, was das Interesse von Richterin Gabriele Buck hervorruft.

Die will nämlich wissen, wann er losgefahren ist und wohin. "Gute Frage", findet der 43-Jährige, drückt sich aber um eine Antwort. Für solche Fragen sei sie berühmt, kontert Richterin Buck cool und beharrt auf einer klaren Aussage.

Letztlich helfen dem Angeklagten alle Ausweichmanöver nichts. Schließlich hat eine Nachbarin alles genau beobachtet und gestern als Zeugin vor Gericht keinen Zweifel aufkommen lassen. Nach ihren Worten stand die Frau an jenem letzten Tag im März für eine Zigarette lang an ihrem Küchenfenster, und hatte freie Sicht aufs Geschehen: Der Angeklagte habe die Katze vom Balkon geworfen.

Offenbar war dem Mann das Tier im Weg gewesen, wie die gerichtliche Vernehmung seiner getrennt von ihm lebenden Frau ergibt. Die wollte die Katze zu sich nehmen, bat nach dem Auszug aber um ein paar Tage Aufschub. Doch ihr Ex-Mann bedeutete ihr unmissverständlich, das Tier sofort zu holen, sonst werde er es "wegtun".

Zudem passen seine Angaben vor Gericht nicht mit seinen früheren überein. Bei seiner ersten Vernehmung hatte der Angeklagte noch gesagt, er habe die Katze im Arm gehalten, als sie "aus Versehen" über die Balkonbrüstung gesprungen sei - und gestern will er gar nicht zu Hause gewesen sein.

Der Mann wurde letztlich wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro verurteilt, was letztlich 900 Euro entspricht. Doch diese Summe kann der 43-Jährige nach eigenem Bekunden nicht aufbringen. Gerademal 700 Euro betrage seine Rente, davon könne er schon kaum sein Leben bestreiten. Wie er jetzt auch noch die Strafe bezahlen solle, wisse er wirklich nicht: "Ich habe die Katze nicht geworfen. Außerdem habe ich kein Geld, schmeißen Sie mich halt ins Gefängnis."