„Manche Camps sind furchtbar, andere besser“, sagt Stefan Eichenhofer nach seiner Rückkehr aus dem Libanon. Flüchtlingslager gibt es dort genau genommen nicht. „Informelle Siedlungen“ nennt man die notdürftigen Unterkünfte, weil sie nicht offiziell von der Regierung errichtet werden. Eichenhofer, 46 Jahre, IT-Produktmanager aus Illerberg, war vier Wochen mit der Hilfsoganisation Humedica in einem solchen Camp, nahe der Stadt Zahleh, gut 50 Kilometer östlich von Beirut, der Hauptstadt des Libanon. Dort, in der Beeka-Ebene, breiten sich die Lager durch den syrischen Krieg dramatisch aus. In der Hochebene leben gut 570.000 Einwohner und momentan etwa 250.000 Flüchtlinge. Die Zahlen lassen sich laut Eichenhofer nur schätzen. Sicher ist: hunderte, tausende Menschen fliehen jeden Tag vor dem Bürgerkrieg in Syrien ins westliche Nachbarland.

Humedica kümmere sich in 40 Camps um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge. Eichenhofer hat das Team der Hilfsorganisation als Assistenz-Koordinator unterstützt: Er hat Ausgaben dokumentiert, Essen verteilt und Patienten an örtliche Krankenhäuser vermittelt. Allerdings könne sich nicht jeder einen Aufenthalt im Krankenhaus leisten. Nur denjenigen, die bei der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) als Flüchtlinge registriert sind, bezahlt die Organisation 75 Prozent der Klinikkosten. Diesen offiziellen Flüchtlingsstatus muss man aber erst einmal erhalten. „Die Registrierung kann Monate dauern“, weiß Eichenhofer. Und selbst dann könnten sich manche den Eigenanteil von 25 Prozent nicht leisten. „Wir können nur die medizinische Grundversorgung machen.“

Von den Syrern, die sein Team behandelt hat, hatten manche alltägliche Krankheiten, andere Verletzungen durch den Krieg in ihrem Heimatland. So hätten Ärzte bei mehreren Kindern Symptome festgestellt, die sie eindeutig auf einen Giftgasanschlag zurückführten. Die seelischen Nachwirkungen des Krieges hat Eichenhofer vor allem bei den Kindern wahrgenommen. Einerseits seien sie aufgeweckt und neugierig, andererseits würden sich die schlimmen Erfahrungen in ihren Augen widerspiegeln. Er hat im Camp zwei Jungs getroffen, so traumatisiert, dass sie kein Wort mehr reden. Andere erzählten ihm von einem Bombenangriff: „Sie beschrieben, wie sie verschiedene Körperteile herumliegen sahen, wie es anfing zu stinken – und das erzählten sie, während sie spielten. Als wäre es etwas ganz Normales.“

Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sein erster Einsatz für Humedica bei einer Naturkatastrophe sein würde. Eichenhofer ist der Hilfsorganisation Anfang des Jahres beigetreten und hat im Juni ein Vorbereitungswoche für den Einsatz absolviert: „Ich wollte nicht mehr wegschauen.“ Ursprünglich sollte ein jüngerer Kollege in den Libanon fliegen. Doch als Anfang September die US-Regierung mit dem Gedanken eines Militärschlags spielte, sprang der ab. Eichenhofer wurde daraufhin per E-Mail angefragt. Und sagte zu. Der Vater von drei erwachsenen Kindern nahm seinen Jahresurlaub, um zu helfen. Seiner Frau Stefanie war bei der ganzen Sache mulmig zumute: „Aber nachdem er mir das erste Mal geschrieben hatte, war ich beruhigt.“

Nach den ersten Tagen zurück im deutschen Alltag sagt Eichenhofer mit einem Schmunzeln: „Jetzt muss einem das, was einem unwichtig ist, plötzlich wieder wichtig sein.“


Lied

Eichenhofer hat über seinen Aufenthalt in dem Flüchtlingslager im Libanon ein Lied geschrieben und aufgenommen. Hier kann man es anhören. Der Songtext:

Shadows in your eyes
Skies are weeping bitter tears
It´s the way you look at me – a heart full of despair
A mother on her knees
Holding on to what is gone
A weary broken-hearted face makes my heart burn, burn, burn

Refrain:
I am here to help you live and
heal those wounds, dry those tears you have to cry
cause your Baby died In your arms tonight
You were desperately yelling Help me, help me
But there was no one there. To hear your cry
They let your baby die In your arms tonight
She was everything you had

I hold your shaking hands,
wipe away your tears
Everything will be alright Is what I hear me say.
War is in this place
You don´t know about tomorrow
But i am here to help you live
Cause my heart burns, burns, burns

Refrain