Roggenburg Volkskunst im Krippenland - Ausstellung in Roggenburg

PATRICK FAUSS 07.01.2012
Schwaben ist ein Krippenland. Dies wurde bei der Eröffnung der neunten Ausstellung "Krippen und Klosterkunst" im Haus für Kunst und Kultur in Roggenburg klar. Sie ist noch bis zum 2. Februar zu sehen.

Weihnachten spielt für die Prämonstratenserpatres eine besondere Rolle. Schließlich wurde ihr Orden zu Weihnachten im Jahr 1120 gegründet. Zum neunten Mal sind im Haus für Kunst und Kultur im Kloster Roggenburg Weihnachtskrippen ausgestellt. Auf rund 1000 Quadratmetern gibt es Werke verschiedener Traditionen und unterschiedlicher Bauweise zu sehen. "Die Krippen sind ein Bekenntnis für eine Lebenshaltung, bei der es nicht ums Geld geht", stellte Pater Roman Löschinger, der Leiter des Bildungszentrums für Familie, Umwelt und Kultur in seiner Eröffnungsrede fest. Die liebevoll modellierten Figuren zeigen dem Betrachter unzählige kleine Geschichten und Szenen. Die Ausstellung könne dazu beitragen, Weihnachten das ganze Jahr über im Herzen zu bewahren - wie bereits Ordensgründer Norbert von Xanten lehrte.

Der Schirmherr der Veranstaltung, Landrat Erich Josef Geßner, zeigte sich erfreut, dass die Ausstellungsreihe wieder fortgesetzt werden kann. Weil der bisherige Vorsitzende des Illerberger Krippenvereins Anton Bidell erkrankte, war die Schau 2011 ausfallen. Inzwischen hat Roland Binder (67) die Leitung im Verein übernommen.

Zwei Dutzend Krippenbesitzer und -bauer stellen ihre Werke aus. Darunter Exponate, die der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich gewesen sind. Etwa eine große Krippe aus der Werkstatt der berühmten Krippengestalterin Angela Tripi aus Palermo. Oder die Krippe von Roman Schmid aus Biberachzell. Er hat die Weihnachtsgeschichte in einem Modell seines eigenen Bauernhofs untergebracht. Zu sehen sind außerdem einige so genannte Stumpenkrippen. Bei diesen dienen ausgehöhlte Baumstümpfe als Geburtsstätte Jesu.

Der Großteil der Ausstellungsstücke stamme aus Schwaben oder dem Alpenraum. Bei einigen dienen Nachbildungen des Heiligen Lands als Szenerie - bei den so genannten orientalischen Krippen. Das älteste Stück ist mehr als 100 Jahre alt und stammt aus dem Nachlass von Roland Binders Schwiegermutter. Deren Vater hatte sie um die Wende zum 20. Jahrhundert geschnitzt. Geßner wies darauf hin, dass Schwaben bereits seit Jahrhunderten ein Land des Krippenbaus ist. Der Siegeszug der Krippe sei letztendlich als Folge der Aufklärungsbewegung im 18. Jahrhundert zu sehen. Diese hatte alles bekämpft, was aus ihrer Sicht nicht rational oder real war. Insbesondere Krippenspiele oder das Aufstellen von Krippen in Kirchen kamen ins Visier. Der Fürst-Erzbischof von Salzburg, Hieronymus von Colleredo, hatte 1784 sogar ein entsprechendes Verbot erlassen. Nach der Verbannung der Krippen aus den Kirchen, pflegten die Menschen die Kultur umso intensiver bei sich zuhause. So überlebten die in bürgerlichen Händen befindlichen Kunstschätze die Stürme der Geschichte oft besser als mancher kirchlicher Besitz. Geßner wies zudem darauf hin, dass auch Klosterarbeiten, wie sie von Ordensfrauen früher hergestellt wurden, zu sehen sind.

"Nichts hat sich so gründlich dem Zugriff gelehrter Theologie entzogen wie die Weihnachtsgeschichte", sagte der neue Krippenvereinsvorsitzende Roland Binder. Die Männer und Frauen, die seit Jahrhunderten volkstümliche Krippen hämmern, schnitzen, modellieren oder meißeln, zeigen einzigartige Interpretationen der Geschehnisse vor 2000 Jahren in Bethlehem. Binder würdigte die Verdienste seines Vorgänger Anton Bidell. Dieser habe den Verein mit viel Arbeit und Hingabe geführt. Heute sind 170 Mitglieder, davon sind 15 Krippenschnitzer, im Verein organisiert.