„Eine beachtliche Aufgabenstellung.“ So fasste Bürgermeister Karl Janson den Vöhringer Haushalt für 2019 zusammen. In einer gemeinsamen Sitzung diskutierte der Haupt- und der Bauausschuss das ordnerfüllende Zahlenwerk, nahm einige Änderungen vor und überwies Verwaltungs- und Vermögenshaushalt zur Verabschiedung einstimmig in den Stadtrat. Einige der Vorhaben im Überblick:

 

Wasserversorgung Die Stadt Vöhringen schöpft ihr Trinkwasser aus einem einzigen Brunnen. Das kann zu Problemen führen, zuletzt mussten etwa die Weißenhorner gleich zwei Mal kurz hintereinander ihr Wasser abkochen, das durch Bakterien verunreinigt war. Für solche Notfälle wird die Stadt Vöhringen für 120 000 Euro ihre Wasserleitung zu den Wielandwerken verbessern. Das Unternehmen kauft sein gesamtes Wasser von der Stadt, jährlich bis zu 50 000 Kubikmeter – aus Kostengründen. Auf dem Werksgelände gibt es einen Trinkwasser-Brunnen. Der vorsorgliche Betrieb einer Chlorreinigung war dem Unternehmen aber auf Dauer zu teuer.  Mit der neuen Leitung kann das Wasser in beide Richtungen fließen: Von der Stadt zu Wieland. Und im Notfall vom Wielandbrunnen ins Stadtgebiet.

Bahnhofs-Toilette Für die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes sind im Haushalt 40 000 Euro eingeplant. Was es dort dann weiterhin nicht geben wird: eine Toilette. Es sei „hochpeinlich“, wie sich Bahnreisende mit dringenden Bedürfnissen in Ecken und Gebüsche verdrücken müssten, sagte Roland Bader (SPD). Anwohner und Bahnmitarbeiter werden im Umfeld Zeugen von würdelosen Szenen. Klar ist: Eine Toilette und die damit verbundene Reinigung kosten Geld. CSU-Rat Bernhard  Thalhofer merkte an, dass es ja auch WCs in den Zügen gebe, sein Fraktionskollege Michael Neher schlug vor, übergangsweise mit der gegenüberliegenden Gaststätte eine Notdurft-Lösung für Bahnreisende auszuhandeln.  „Langfristig brauchen wir am Bahnhof eine Toilette“, sagte er.  Das Thema wird nun noch einmal separat im Bauausschuss behandelt, Bahnhof und Vorplatz gehören der Stadt.

Straßenausbau Der Ausbau der Illerzeller Straße wird verschoben. Für 2019 waren 250 000 Euro vorgesehen. Nun werden nur Unterhaltsarbeiten vorgenommen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, sagte Bürgermeister Karl Janson. Aus dem gemeinsamen Ausschuss regte sich kein Widerstand. „Es gibt andere Dinge, die notwendiger sind“, sagte Peter Kelichhaus (FWG).  In diesem Zusammenhang sprachen die SPD-Räte Wilfried Maier und Volker Barth die abgeschafften Straßenausbau-Beiträge an. „Gut gemeint, schlecht gemacht“, sagte Barth. „Es ist schön, wenn die Bürger entlastet werden.“ Allerdings stünden nun die Kommunen finanziell alleine da. Gerade einmal 50 000 Euro beträgt die Straßenausbau-Pauschale, die die Landesregierung für 2019 an die Stadt überweist. Im Vergleich zur früheren Regelung ein Kleckerbetrag. „Das ist eine Sauerei von Seiten Münchens“, befand Barth.

 

Zebrastreifen Für die Beleuchtung an den Fußgängerüberwegen stehen 175 000 Euro im Haushaltsplan. Wie berichtet, entsprechen diese nicht der DIN-Norm, im Fall eines Unfalls könnten auf die Stadt Schadensersatzforderungen zukommen. Im gemeinsamen Ausschuss setzte sich die Ansicht durch, das nun nicht nach Belieben die Übergänge ertüchtigt – und so teure Fakten geschaffen werden. Vielmehr wird der Bauausschuss prüfen, welche Zebrastreifen sinnhaft sind und bleiben, welche überflüssig sind und an welchen Stellen in der Stadt neue dazukommen sollen.

 

Gasthof Brückle Eine größere Terrasse bekommt der Gasthof Brückle in Illerzell. Die Stadt Vöhringen hat die Gastronomie vom Sportverein Illerzell und der Illerzeller Trachtenkapelle gepachtet. Insgesamt 40 000 Euro sind für Umbaumaßnahmen eingeplant. In der Sitzung wurde die Frage laut, ob die Finanzspritzen der Stadt einen unfairen Eingriff in den Wettbewerb darstellen. Das Brückle sei „ein Sonderfall“, sagte Janson. Weil der Gasthof der einzig verbliebene Treffpunkt im Ort sei.

Ehrenamt Mehr Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche – etwa bei der Feuerwehr – finden sich im Haushalt. Keine Riesenbeträge, aber in der Sitzung wurde darüber diskutiert, ob diese Anerkennungen nicht auch ein falsches Signal senden, Begehrlichkeiten wecken. Und so das ehrenamtliche Engagement als freiwillige und unentgeltliche Leistung verwässern. „Wir müssen maßvoll damit umgehen“, sagte Janson. Jedoch werde die Suche nach Helfern auch zunehmend schwieriger. 

Neue Schulden und Griff in die Reserven


Geld Vorbehaltlich der beschlossenen Änderungen umfasst der Haushalt ein Gesamtvolumen von 50,5 Millionen Euro. Die Stadt rechnet mit 9,1 Millionen Euro aus der Gewerbe- sowie 8,7 Millionen Euro aus der Einkommensteuer. Im Ursprungsentwurf ist von einer Kreditaufnahme in Höhe von 6,8 Millionen Euro die Rede. Diese dürfte geringer ausfallen.  Bleibt es dabei, wächst der Schuldenstand bis Jahresende auf 11,7 Millionen Euro – mehr als doppelt soviel wie Ende 2018 (5,4 Millionen). Knapp 4 Millionen Euro werden aus der Rücklage entnommen.