Vöhringen / Amrei Oellermann  Uhr

Mit Hunden im Allgemeinen und Hundesport im Besonderen haben Klaus Hitzler und Michael Sekler eigentlich gar nichts am Hut. Die beiden Männer aus dem Landkreis Heidenheim vermieten Zimmer an Monteure und Studenten. Warum sich die Geschäftspartner nun mit dem größten Hundesportcenter zwischen Nürnberg und Köln einen Namen machen wollen, liegt an einer Reihe von Zufällen – und der Anfrage einer Hundesportlerin aus der Region.

„Wir kaufen leerstehende Häuser und Hotels“, sagt Hitzler. So auch das ehemalige Sporthotel Ihle am südlichen Ortsrand der Stadt Vöhringen. Zu ihm gehörten die beiden je rund 1300 Quadratmeter großen Tennishallen, mit denen der Familienbetrieb einst Sportler in die Region lockte. „Für uns sind sie ein Nebenprodukt“, sagt Hitzler. „Wir haben lange überlegt, was wir daraus machen.“

Offene Türen eingerannt

Bis Alexandra Pöschl auf die Männer zukam. Die 42-Jährige war mit einigen Freunden auf der Suche nach einer wettergeschützten Trainingsmöglich­keit für ihre beiden Hunde (siehe ­Info-Box). Bei Sekler rannte sie offene Türen ein. „Mein Schwiegervater ist leidenschaftlicher Hundesportler“, sagt er. „Ich habe ihn gefragt, was er davon hält – und er hat gefragt, wann wir eröffnen.“

Schnell wurden sich Hitzler, Sekler und Pöschl einig. Wenige Monate später haben die Planungen die Zielgerade erreicht: Der Bauausschuss der Stadt gab grünes Licht für die Nutzungsänderung von Tennis- zu Hundesporthallen. Pöschl hat einen Vertrag als Betriebsleiterin unterschrieben. Die Beleuchtung wurde komplett erneuert, ein professioneller Sport-Kunstrasen ist bestellt, Hundesportgeräte sind geordert. Insgesamt investieren Klaus Hitzler und Michael Sekler rund 150 000 Euro.

Beraten werden sie von Profis, die Erfahrung aus mehreren WM-Teilnahmen mitbringen. Die Obedience-Weltmeisterin 2014, Sandra Rohrer aus Rammingen, sowie der Agility­-Team-Europa­meister 2017 und amtierende Jugendnationaltrainer, Chris Lucke aus Ulm, begleiten das Projekt. Dass es ankommt, steht bereits jetzt fest. Auf eine Facebook-Umfrage hin meldeten über 150 Hundesportler aus der Region in nur zwei Tagen Interesse an. „Mein Telefon stand nicht mehr still“, sagt Pöschl.

Nach aktuellem Stand fehlt nur das Okay des Landratsamts Neu-Ulm. „Der entsprechende Bauantrag liegt uns vor“, bestätigt Thomas Luther, Leiter des Fachbereichs Rechtliche Bauordnung, auf Anfrage. Er werde gegenwärtig geprüft. Unter anderem müsse geklärt werden, „ob dieses Vorhaben an dieser Stelle zulässig ist“ und ob das bestehende Gebäude die Voraussetzungen für seine geplante neue Nutzung unter anderem im Hinblick auf den Brandschutz erfülle.

Läuft alles nach Plan, sollen Ende Juni die ersten Veranstaltungen im neuen Hundesportcenter Vöh­ringen stattfinden. „Obwohl noch gar nichts sicher ist, haben wir schon jetzt Dauer­Abonnenten, die nach der Eröffnung regelmäßige Zeiten buchen wollen“, sagt Pöschl. „Es kommen jeden Tag neue Anfragen.“

Hundetrainer aus der Region wollen die Gelegenheit für wetterunabhängiges Training ebenso nutzen wie Hobby-Hundeführer aus den verschiedensten Bereichen. Auch etliche Sportler, die sich auf Europa- und Weltmeisterschaften vorbereiten, stehen auf der Liste der Interessenten. Zuchtvereine planen Ausstellungen, im September steht ein Treffen für Hunde im Rollstuhl an.

„Ein supergeniales Projekt“

„Die Halle hat überregionale Bedeutung“, ist Hitzler überzeugt. Vergleichbare Trainingsmöglichkeiten gebe es in weitem Umkreis nicht. Sandra Rohrer kann dem voll und ganz zustimmen. „Das ist ein supergeniales Projekt“, sagt sie. Insbesondere ambitionierte Hundesportler profitierten von der ganzjährigen Trainingsmöglichkeit auf rutschfestem, gelenkschonendem Untergrund.

„Je besser der Boden, desto geringer ist das Verletzungsrisiko für Mensch und Hund“, bestätigt Chris Lucke, der in Ulm eine Agility-Schule betreibt. Aus seiner Sicht ist der Bedarf an einer Halle im deutschen Süden groß. „In Nordrhein-Westfalen schießen derartige Zentren nur so aus dem Boden.“ Entsprechend viele Turniere fänden statt, entsprechend viele Talente kämen von dort.

Dass sie selbst Termine buchen werden, steht für Rohrer wie Lucke außer Frage. Da viele wichtige Prüfungen in Hallen stattfinden, sollen die Hunde eine solche Umgebung rechtzeitig kennenlernen. Und auch Hundeführer, die sonst nur auf Naturrasen arbeiten, müssen sich an den Kunstrasen erst gewöhnen: „Rein läuferisch ist der Unterschied erheblich“, sagt Lucke.

Artgerechte Auslastung

Parcours Agility, auf Deutsch „Gewandtheit“, ist ein Hundesport, bei der der Hund einen Parcours aus Hürden, Tunneln, Wippe und anderen Geräten so schnell wie möglich überwinden muss. Der Hundeführer lenkt ihn dabei mit Hand- und Hörzeichen.

Gehorsam Obedience, auf Deutsch „Gehorsam“, ist die hohe Schule der Unterordnung. Der Hund muss Gehorsamsübungen wie Fuß, Sitz, Platz und Steh zeigen und apportieren. Bei allen Aufgaben wird auf eine harmonische, schnelle und exakte Ausführung geachtet.