Innovation Virtuell im Körper unterwegs dank Leipheimer Firma XCYDE

Mit der VR-Brille geht es im Körper auf Entdeckungsreise.
Mit der VR-Brille geht es im Körper auf Entdeckungsreise. © Foto: Josephine Schuster
JOSEPHINE SCHUSTER 03.07.2017

Im Leipheimer Gewerbegebiet tut sich das Navigationsgerät schwer; überall schießen auf dem Areal Pro neue Gebäude in die Höhe. Auch die Firma XCYDE hat dort ihren Sitz. Seit Oktober vergangenen Jahres hat das Unternehmen hier eine luftige, moderne Bürofläche. Dort entwickelt das zwölfköpfige Team sogenannte Virtual-Reality-Anwendungen. Gründer Kai Thomas ist eigentlich Industriedesigner, beschreibt sich aber als äußerst technologieaffin und liebt es, Vorhandenes neu zu kombinieren. So entstand sein neuestes „Baby“.

„Innovation ist für mich die Summe aus Erfahrung und Mut“, sagt er. Dafür braucht er eine agile und schnelle Truppe. Sie sind alle zwischen 20 und 32 Jahre alt. Kai Thomas ist mit 40 Jahren der Älteste. Warum er ausgerechnet in Leipheim sein will und nicht in München, wie die anderen Start-ups? „Weil ich beweisen wollte, dass es trotzdem funktioniert!“

Die Hierarchien sind flach, man duzt sich. Es gibt keine klassischen 40-Stunden-Verträge. Die Arbeit kann sich jeder selbst einteilen. Hauptsache, man ist zum vereinbarten Termin fertig. „Wir sind so ein cooles Team. Und durch die Arbeitsweise können wir eben auch mal quatschen oder eine Runde Tischkicker spielen ohne dass uns jemand schief anschaut“, sagt Julia Leizer. Die 24-Jährige ist für die Unternehmenskommunikation zuständig. Nicht nur sie hat zurzeit alle Hände voll zu tun. Es müsse viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Viele sind skeptisch, welchen Mehrwert die neuen Virtual-Reality-Anwendungen nun tatsächlich haben sollen.
Entwickler Dominik Baumann hilft dem Besucher, eine große VR-Brille aufzusetzen. Durch das Display taucht der Nutzer in eine virtuell gestaltete Realität ein. In diesem Fall in das Modell eines menschlichen Darms. XCYDE hat das Modell für die Felix-Burda-Stiftung kreiert. Diese will damit zukünftig die Aufklärungsarbeit zum Thema „Darmkrebs“ unterstützen. Der Nutzer kann sich umschauen wie in einer echten Welt, Infotafeln lesen und kleine Filme schauen. Mittels eines Steuergerätes in der Hand kann der Nutzer sogar im Darm herumlaufen. Kai Thomas erklärt, dass das Gehirn schon nach 28 Sekunden auf die neue Realität umschaltet. Ursprünglich war die Idee für den Maschinenbau gedacht, um Anlagen aus der Ferne zu warten oder von Lehrlingen erkundet werden können.

Gehirn braucht 28 Sekunden

Mittlerweile sind auch viele andere Felder denkbar: Messen, Urlaubsorte, Hotels, Konferenzräume, Museen oder Raumgestaltung. Man kann Dinge virtuell greifen, bewegen oder auseinander bauen. Der Kunde soll am Ende mittels einer Software selbst seine Touren erstellen können. Deshalb habe man die Handhabung sehr einfach gestaltet. Und es macht offenbar auch Spaß. „Wir brauchen mittlerweile unsere tägliche Dosis virtuelle Realität“, erzählt Kai Thomas und lacht.

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