Protest Viele Bellenberger wollen keine Flüchtlinge in der Gemeinde

Beinahe reichten die Stühle nicht: In einer emotionalen Infoveranstaltung der Gemeinde haben viele Bellenberger am Mittwoch klar gemacht, dass die keine Flüchtlinge im Ort haben wollen. Es gab aber auch Gegenstimmen.
Beinahe reichten die Stühle nicht: In einer emotionalen Infoveranstaltung der Gemeinde haben viele Bellenberger am Mittwoch klar gemacht, dass die keine Flüchtlinge im Ort haben wollen. Es gab aber auch Gegenstimmen. © Foto: Ingrid Weichsberger
Bellenberg / INGRID WEICHSBERGER 24.07.2015
Viele Bürger in Bellenberg laufen Sturm gegen Flüchtlinge. 500 Besucher kamen am Mittwoch in die von der Gemeinde angesetzten Diskussionsrunde. Die Bürger beklagten, nicht genug informiert worden zu sein.

Eigentlich sollte die Infoveranstaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen in Bellenberg im Foyer der Turn- und Festhalle abgehalten werden. Doch dann kamen am Mittwochabend so viele Besucher, dass die Gemeinde beide Turnhallen öffnete und am Ende mehr als 500 Stühle besetzt waren. Wie berichtet, hatte sich in der vergangenen Woche Protest an dem Vorhaben von Unternehmer Wolfgang Schrapp entzündet, in seinem ehemaligen Firmengebäude Platz für bis zu 90 Flüchtlinge zu schaffen.

Redner griffen Schrapp, der auch Gemeinderat-, Kreisrat und Kreisvorsitzender der Freien Wähler ist, direkt und heftig an. Ihm wurde neben finanziellen Interessen auch unterstellt, hinter dem Rücken der Mitbürger mit der Verwaltung seine Pläne vorangetrieben zu haben.

Gleichzeitig artikulierten die Kritiker allerdings ihre Sorge darüber, dass ihre Grundstücke massiv an Wert verlieren könnten, wenn die Asylunterkunft in der Hammerschneide gebaut werde. Denn ihre neuen Wohngebiete sind nur durch den Mühlbach von Schrapps ehemaligem Firmensitz getrennt. Diesen hat er nach Illertissen verlegt, weil ihm in Bellenberg kein Grundstück verkauft worden war.

Wolfgang Schrapp stellte sich den Anschuldigungen direkt: Er sei Unternehmer und müsse am Gewinn interessiert sein, sagte er. Zudem sei das Landratsamt im April an ihn herangetreten - nicht er ans Landratsamt. Zuerst habe er den Vorschlag abgelehnt, Asylbewerber in seinen ehemaligen Betriebsräumen unterzubringen. Schließlich habe er dem Vorhaben doch zugestimmt. "Vor 70 Jahren mussten ebenfalls zahlreiche Flüchtlinge untergebracht werden", begründete Schrapp seine Meinungsäußerung und zog sich lauten Protest zu.

Bürgermeisterin Simone Vogt-Keller bemühte sich, die Wogen zu glätten. Seit der Besprechung der Bürgermeister mit Landrat Thorsten Freudenberger vor einigen Wochen sei klar, dass jede Kommune Flüchtlinge aufnehmen müsse. Gemäß der Ein-Prozent-Regel, die sich an der Einwohnerzahl orientiert, müsste die Gemeinde in diesem Jahr 45 Asylbewerber aufnehmen.

Allerdings, machte Karen Beth vom Landratsamt klar, könnte der Bedarf an Unterkünften wohl noch größer werden. "Was in den kommenden Monaten auf uns zu kommt, wissen wir nicht", sagte sie. "Vielleicht müssen wir auch Zelte aufstellen." Diese Idee fand durchaus die Zustimmung im Publikum. "Diese wären schnell auf- und abgebaut", lautete einer der Zurufe.

Dann meldete sich Hidayet Gürbüz zu Wort. Er wurde nach eigenen Worten in Bellenberg geboren, ist Moslem und hat türkische Wurzeln. Bellenberg sei nicht das Ziel jedes Asylbewerbers, beruhigte er. "Sie können jedoch sehr wohl ein Teil der Gesellschaft werden", sagte Gürbüz. Er forderte die Anwesenden zur Zusammenarbeit mit der Verwaltung auf, um gemeinsam ein Konzept zur Integration der Neubürger zu entwickeln.

An dieser Bereitschaft mangele es in Bellenberg sehr, beklagte die Bürgermeisterin. Alle ihre Anfragen nach freiem Wohnraum seien abschlägig beantwortet worden, teilte sie mit. Sie hoffe jedoch, dass sich in der Gemeinde ein Helferkreis bilden werde, wenn es offenbar schon keinen Freundeskreis gebe. Als allerdings ein Vertreter der Helfer aus Illertissen ans Mikrofon ging und Unterstützung, sowie Informationen anbot, verließen zahlreiche Besucher die Veranstaltung. Vorher hatte noch Kaplan Daniel Riester das Wort ergriffen und sagte unter anderem: "Wir Christen müssen unseren Beitrag leisten."