Senden Vereine fürchten um Nutzbarkeit der Festhalle in Ay

Senden / NIKO DIRNER 29.08.2013
Können Großveranstaltungen in der Ayer Halle nicht mehr stattfinden? Das meinen Vereinsvertreter, nachdem die Stadt dort die aktuellen Brandschutzregeln umgesetzt hat. Der Bürgermeister winkt ab.

Eimer voller Bauschutt stehen zwar noch überall herum, doch Handwerker sind an der Ayer Turn- und Festhalle nicht mehr aktiv. Die Brandschutzsanierung sei abgeschlossen, das Gebäude sei wieder uneingeschränkt nutzbar, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. "Die Halle ist jetzt wieder voll funktionstüchtig", sagt Bürgermeister Kurt Baiker. Doch die Ayer Vereine, die auf die Halle angewiesen sind, haben daran leise Zweifel. Sie fürchten nach den von der Stadt veranlassten Umbauten um die Nutzbarkeit des Gebäudes von 1920.

Denn um im Fall eines Feuers zusätzliche Fluchtmöglichkeiten bieten zu können, haben Arbeiter unter Führung von Architekt Martin Maslowski zwei der Fenster auf der Südseite ausgebaut, die Öffnungen bis zum Boden erweitert und stattdessen Türen eingebaut. Damit Festbesucher durch diese Notausgänge nach draußen gelangen können, dürfen die Wege dorthin natürlich nicht verstellt sein. Das bedeutet aus Vereinssicht: weniger Tische, weniger Sitzmöglichkeiten, weniger Gäste, ergo: nur noch kleine Veranstaltungen. Zudem wurde laut Baiker auf Anraten eines Brandschutzexperten die Empore dauerhaft gesperrt. Am Fuße der Treppe wurde eine abschließbare Türe eingebaut.

Feste mit 300 Besucher gehörten damit wohl der Vergangenheit an, ist seitens des Trachtenvereins DUnterillertaler zu hören. Es wird die Frage aufgeworfen, ob es nicht sensiblere Lösungen für den Brandschutz gegeben hätten. Etwa wie im Bienenmuseum in Illertissen. Oder ob es in Senden nicht möglich gewesen wäre, wie im Historischen Stadttheater in Weißenhorn, bei Veranstaltungen zwei Feuerwehrleute als Brandwache abzuordnen.

Eduard Schilling vom FV Ay sagt, große Feste wie etwa die Jahresfeier des Vereins oder Ü-30-Partys machten "wenig Sinn", wenn nur noch halb so viele Leute in die Halle hineindürfen. Besonders schmerzlich sei für den Verein, dass die Empore nicht mehr verfügbar ist, sagt Schilling. "Das ist ein Problem für uns, weil wir oben bei der Jahresfeier immer die Tombola aufgebaut haben. Auch die Garderobe war immer dort." Er verstehe diesen Schritt auch nicht, weil es von der Galerie einen Fluchtweg nach draußen durch die ehemalige Bar, einen Notausgang und eine Stahltreppe gibt.

Baiker sagt, die Sorgen der Vereine seien unbegründet. Der neue Bestuhlungsplan lasse 200 Personen in der Halle zu. Wie viel es früher waren, könne er nicht sagen. "Das haben wir nie so genau kontrolliert." Seiner Meinung nach seien es aber wohl kaum mehr gewesen. "Lücken zwischen den Tischen musste man bislang ja auch schon lassen." Die schlechte Alternative zum Einbau der Fluchttüren, die 40.000 Euro gekostet hat, sei eine Generalsanierung des Gebäudes gewesen; mit langen Schließzeiten und immensen Kosten. Die Idee, Feuerwehrleute abzustellen, habe man im Rathaus geprüft und wegen der dünnen Personaldecke bei den Rettungskräften verworfen: "Wenn ein Einsatz ist, rücken die ab. Das wäre keine Dauerlösung gewesen."

Die beiden Fluchttüren sind für den Bürgermeister die "ideale" Lösung: "Wenn es brennt, kann man den Raum jetzt schnell räumen." Einziger Wermutstropfen ist aus seiner Sicht die Schließung der Empore. Abgesehen davon sieht er keinen Grund für eine Aufregung der Vereine: "Wir planen immer so, dass unsere Gebäude hinterher besser nutzbar sind. Im Prinzip müssten jetzt alle zufrieden sein."