Claudia Schäfer  Uhr

Es ist ein in der Region wohl einmaliges Projekt. Der Name des Projekts: „Klare Kante“. Dieser ist Programm für André Wieland. Der 32-jährige Betriebswirt will in Weißenhorn schon bald den ersten plastikfreien Supermarkt in der Region eröffnen. Wieland möchte damit Stellung beziehen gegen die Flut an Verpackungsmüll, die damit verbundene Umweltverschmutzung und Verschwendung von Ressourcen. Alles, was in seinem Laden zu finden sein wird – von Milchprodukten über Getreide, Nudeln und Zucker bis hin zu Gemüse und Obst, Drogerie- und Geschenkartikeln –, wird ohne Plastikverpackung gelagert, angeboten und verkauft.

Mehr als 90 Schütt- und Schaufelspender wird Wieland aufstellen. Mindestmengen wird es bei den losen Waren nicht geben, wer etwas Neues wie Quinoa ausprobieren möchte, kann auch nur mal eine Portion kaufen – ein weiterer Unterschied zum herkömmlichen Supermarkt. Für den Transport können die Kunden mitgebrachte Behälter nutzen oder die Verpackungen aus Glas, Jute oder Papier, die Wieland anbietet.

Dass es überhaupt etwas werden würde mit der „Klaren Kante“, stand in den vergangenen Monaten immer wieder auf der Kippe. Und das, obwohl die Geschäftsidee in den sozialen Netzwerken viele Fans hat. Trotzdem brachte eine Crowdfunding-Kampagne, mit der Wieland im Internet Unterstützer gesucht hatte, nicht das nötige Geld zusammen. Es dauerte, bis er eine Bank gefunden hatte, die sein Start-up finanzierte.

Da hatte er schon den Laden in der Weißenhorner Hauptstraße angemietet, in dem er „Klare Kante“ bald eröffnen wird. Nach seinen Erfahrungen glaube er gerne, dass viele Gründer mit ihren Ideen scheiterten: „Man muss dranbleiben, darf nicht aufgeben. Und man lernt unheimlich viel.“

Bis zur Eröffnung muss Wieland noch einigen Papierkram erledigen, die Geschäftsräume herrichten, die Innenausstattung besorgen. Und die Waren bestellen: „Meine Lieferanten warten schon.“ Im März soll „Klare Kante“ eröffnen, wann genau, stehe rund drei Wochen vorher fest.

Warum er in Weißenhorn und nicht in Ulm oder Neu-Ulm eröffne, werde er oft gefragt, sagt Wieland. Seine Antwort: Er sei eben Weißenhorner und wolle dort auch seinen Laden haben. In seiner Heimatstadt gebe es viele, die sein Konzept unterstützen würden. Und der Großraum Ulm/Neu-Ulm gehöre dank der guten Straßen- und Bahnverbindung ja zu seinem Einzugsgebiet: „Die Leute brauchen von Ulm nach Weißenhorn auch nicht unbedingt länger als von einer Ecke Ulms in die Innenstadt.“

Er lade jeden ein, einfach mal zu kommen und das „Klare Kante“-Konzept auszuprobieren, sagt Wieland. Zumal es ja außer Dingen des täglichen Bedarfs auch witzige Sachen gebe, die sonst bestenfalls im Internet  zu finden seien: Stifte aus alten Textilien, Plastikersatz-Produkte aus Zuckermelasse, Einwegteller und -becher aus Naturmaterial. Er habe da tolle Anbieter gefunden, betont der 32-Jährige. Viele seien froh, ihre innovativen Produkte auch mal in einem Laden präsentieren zu können.

Erstmal will der Unternehmer seinen Supermarkt mit Unterstützung seiner Familie ohne zusätzliches Personal führen, kündigt der Weißenhorner an. Die Öffnungszeiten möchte er erst sehr großzügig halten und dann den Bedürfnissen der Kunden anpassen. Überhaupt habe er noch genug Ideen für die Zukunft: „Pläne gibtˋs genug. Aber jetzt fange ich erstmal an.“

Millionen Tonnen Plastik verschmutzen die Meere

Gefahr Mehr als 10 Millionen Tonnen Abfälle, darunter 7,5 Millionen Tonnen Plastikmüll, gelangen laut Unep, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, jährlich in die Ozeane. Sie kosten zehntausenden Meerestieren das Leben. Seevögel etwa verwechseln Plastik mit natürlicher Nahrung.

Zersetzung Plastik ist im Meer nahezu unvergänglich, nur langsam zersetzt es sich durch Salzwasser und Sonne und gibt nach und nach kleinere Bruchstücke an die Umgebung ab.