Die Pläne für den Bau eines großen Flüchtlingsheims in Weißenhorn sind bekanntlich vom Tisch. Dennoch ist die Stadt bereit und durchaus in der Lage, zu helfen. Das hat Bürgermeister Wolfgang Fendt am Montag auf Anfrage unserer Zeitung gesagt. Fendt reagierte damit auf den Appell von Landrat Thorsten Freudenberger. Der CSU-Politiker hatte, wie berichtet, am vergangenen Freitag die Kommunen dazu aufgerufen, den Landkreis bei der Suche nach Unterkünften zu unterstützen. Die Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisengebieten sei schließlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Die Weißenhorner Stadtverwaltung hat dem Landratsamt laut Rathauschef Fendt bereits vor einigen Wochen eine Liste mit privaten und städtischen Gebäuden und Wohnungen geschickt, die als Flüchtlingsunterkünfte in Frage kommen. "Bislang haben wir aber noch keine Antwort erhalten, wie die Prüfungen ausgefallen sind", sagte Fendt. Als Kritik am Landratsamt will er seine Aussage nicht verstanden wissen. "Schließlich arbeiten sie dort mit Hochdruck."

680 Asylbewerber wohnen zurzeit im Kreis Neu-Ulm, davon gerade einmal 14 in Weißenhorn. Zwei Familien sowie vier Jugendliche, die sich jeweils alleine durchgeschlagen haben und ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind, haben in der Fuggerstadt eine Bleibe gefunden. "Die Bereitschaft zu helfen ist bei uns absolut vorhanden", sagt Petra Bohatsch, Vorsitzende des Helferkreis-Vereins, dessen Mitglieder sich um Flüchtlinge kümmern. Die Helferkreis-Mitarbeiter haben Kontakt mit den Familien aufgenommen, um ihnen den Start in der Fremde zu erleichtern. Die vier Jugendlichen erhalten Unterstützung von einem Betreuer. Sie leben in einer vom Jugendamt bereitgestellten Wohnung und werden in einer Übergangsklasse in der Mittelschule unterrichtet.

Für diese Woche hat das Landratsamt die 25 zugewiesenen Asylbewerber noch "mit Ach und Krach untergebracht", sagte gestern Martin Mommers, Geschäftsbereichsleiter im Landratsamt. Mit Hochdruck arbeite man daran, Möglichkeiten für die nächste Woche auszuloten. "Wir leben von der Hand in den Mund." Deshalb sei die gleichmäßige Verteilung im Kreis schwer zu steuern. Mommers betätigt, dass zurzeit in Weißenhorn weniger Flüchtlinge leben als in anderen Kommunen. "Das trifft aber auch auf Vöhringen und Bellenberg zu", nennt Mommers weitere Beispiele. Der Notfallplan, am vergangenen Freitag von Landrat Thorsten Freudenberger ins Gespräch gebracht, sei auch als der letze Ausweg anzusehen. "Wir hoffen, dass dies nicht nötig sein wird." Wie berichtet, handelt es sich um die Turnhallen an den Berufsschulen in Illertissen und Neu-Ulm, die als vorübergehende Notunterkünfte dienen könnten. Was Weißenhorn angeht, habe man zum Beispiel angebotene Häuschen aus den 50er Jahren an der Bahnlinie im Eschach geprüft. "Es wäre aber zu aufwendig, diese zu sanieren."