Nersingen Unterfahlheim: Erste Flüchtlinge ziehen am Donnerstag ein

Nersingen / OLIVER HEIDER 23.07.2015
40 Asylbewerber werden am Donnerstag aus einer Neu-Ulmer Turnhalle aus- und in eine Unterkunft in Unterfahlheim einziehen. Dort ist inzwischen alles für die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet.

Die Platznot ist weiterhin groß. Weil zu wenige Unterkünfte im Landkreis für den Flüchtlingsstrom bereit stehen, sind in der Turnhalle an der Ringstraße in Neu-Ulm derzeit 130 Flüchtlinge notdürftig untergebracht. Für 40 von ihnen werden sich die Wohnbedingungen verbessern: Sie ziehen am Donnerstag in die neue Unterkunft für Asylbewerber im Nersinger Ortsteil Unterfahlheim.

Am Mittwoch hat Jürgen Offenwanger vom Landratsamt Neu-Ulm Vertretern der Gemeindeverwaltung, des Helferkreises Asyl und der Medien die generalsanierten Räume des früheren Verwaltungsgebäudes an der Kreisstraße NU 12 gezeigt. Im Erdgeschoss befinden sich - wie im zweiten Stock - Schlafräume. Auch ein Büro für Mitarbeiter der Diakonie gibt es. Im Keller sind Waschräume, Duschen, eine Küche sowie ein Aufenthaltsraum untergebracht.

In einem ersten Schritt sollen am Donnerstag 35 Syrer und 5 Afghanen die Schlafräume im Erdgeschoss beziehen. "Es handelt sich nicht um Familien, sondern um einzelne Männer. Der jüngste ist 18 Jahre alt", sagte Offenwanger. Das Landratsamt versuche die Menschen so einzuquartieren, dass nur Landsleute ein Zimmer bewohnen.

Die Flüchtlinge werden Geld bekommen und sich selbst verpflegen - anders als in Neu-Ulm, wo sie das Essen gestellt bekamen. Insofern ist es wichtig, dass die Flüchtlinge wissen, wo sie einkaufen können, einen Arzt oder das Rathaus finden. In einer Führung wollen ihnen Mitglieder des Helferkreises das am Samstag zeigen (siehe Infokasten). Zudem soll jeder Asylbewerber eine Info-Mappe zur Begrüßung erhalten. Diese beinhaltet laut Karin Bogoczek vom 50-köpfigen Helferkreis neben einem Willkommensbrief auf Arabisch, Englisch und Deutsch auch einen Orts- und Busfahrplan, Hinweise auf die angebotenen Deutschkurse sowie Bonus-Gutscheine für einen Einkauf.

Einen Hausmeister wird es laut Offenwanger nicht geben. Nur jemanden, der im Auftrag des Vermieters, des örtlichen Holz-Unternehmers Franz Merkle, nach dem Rechten schaut, etwa der Räumpflicht nachkommt. Allerdings werden Mitarbeiter des Landratsamts und der Diakonie für die Flüchtlinge als Ansprechpartner dienen.

Wie sich bereits in anderen Asyl-Unterkünften gezeigt hatte, ist eine Verkehrsschulung für die Flüchtlinge sinnvoll. "Die Polizei ist derzeit aber sehr eingespannt", erklärte Alexander Ertle von der Gemeindeverwaltung. Erst ab Anfang Dezember sei eine Schulung möglich. Das sei arg spät, waren sich die Anwesenden am Mittwoch einig. "Da müssen wir uns etwas überlegen", forderte Silvia Steinbach-Kokorsch, die stellvertretende Geschäftsleiterin der Gemeinde. Sie schlug vor, an pensionierte Polizisten heranzutreten und sie um Hilfe zu bitten.

Insgesamt ist in dem Gebäude in Unterfahlheim Platz für 94 Asylbewerber. Es handelt sich damit um die bisher größte Unterkunft, die der Landkreis Neu-Ulm angemietet hat. Aus "organisatorischen Gründen" seien nicht alle Plätze auf einmal belegt worden, erklärte Offenwanger. Wann die restlichen Flüchtlinge einziehen, ist noch unklar. Dies wird allerdings wohl zeitnah geschehen.

In Neu-Ulm wird sich die Lage indes nicht entspannen. Denn wenn die 40 Asylbewerber nach Nersingen umgezogen sind, werden gleich 40 neue Flüchtlinge in der Turnhalle untergebracht.

Fahrradkammer beim Wertstoffhof - Ortsführung geplant

Erste Orientierung Am Samstag zeigen laut Karin Bogoczek Helfer des Arbeitskreises "Erste Orientierung", dem sechs Mitstreiter angehören, Flüchtlingen ab 9 Uhr die Gemeinde.

Fahrräder Ein Ort für eine Fahrradkammer ist gefunden: auf dem Wertstoffhof. Unter anderem haben Günter Rohm und Karl-Heinz Bieber 21 Räder - teils aus Spenden, teils nicht abgeholte Fundräder, teils vom Schrottplatz - hergerichtet. Weitere 20 sollen folgen. Wer Räder spenden will, kann dies nach wie vor tun.

Kleider Wo eine Kleiderkammer beherbergt sein soll, ist noch nicht ganz klar. Es scheint aber auf einen Raum der katholischen Kirche hinauszulaufen, sagt Anita Selig vom Arbeitskreis "Kleiderkammer".

Deutschkurse Montags bis donnerstags wird es im evangelischen Gemeindezentrum im Untergeschoss für die Flüchtlinge Deutschkurse geben - zu acht verschiedenen Zeiten. Laut Inge Stengel stehen dafür 17 Helfer bereit.