Weißenhorn Unruhen in Ägypten: Weißenhorner Familie verschiebt Rückflug nach Kairo

Zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften ist es auch an der Al-Fateh-Moschee in Kairo gekommen. Foto: dpa
Zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften ist es auch an der Al-Fateh-Moschee in Kairo gekommen. Foto: dpa
Weißenhorn / CARSTEN MUTH 20.08.2013
Die blutigen Zusammenstöße in Ägypten dauern an. Die Hellendrungs aus Weißenhorn kehren deshalb vorerst nicht zurück nach Kairo. Die Familie hält sich damit an eine Reisewarnung der Bundesregierung.

Seit drei Jahren leben die Hellendrungs aus Weißenhorn nun schon in Kairo. Derzeit macht die Familie, wie berichtet, Urlaub in der Heimat. Wann sie wieder nach Ägypten zurückkehren können, ist wegen der blutigen Zusammenstöße in dem Land ungewiss. Ihren für den morgigen Mittwoch geplanten Rückflug in die Hauptstadt des von Unruhen erschütterten Landes haben die Hellendrungs jedenfalls gestern gecancelt.

"Die Sicherheitslage vor Ort ist leider völlig unklar", sagt Holger Hellendrung. Das heißt: Der 43-Jährige, seine Frau Miriam (41) und die beiden Kinder Lea (7) und Jonas (10) bleiben vorerst in Deutschland. Die Familie will kein Risiko eingehen, hält sich an den Reise- und Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts in Berlin. Die Behörde rät von Reisen nach Ägypten ab.

Holger Hellendrung leitet eine deutsche Privatschule in Kairo, unterrichtet Chemie, Physik und Englisch. Kürzlich erst hat der 43-Jährige seinen Vertrag in Kairo um drei weitere Jahre verlängert. Die Lage in der ägyptischen Hauptstadt bereitet auch ihm Sorgen. Eigentlich sollte am 1. September die Schule nach den Sommerferien wieder beginnen. Der Schulstart ist nun verschoben worden - um mindestens eine Woche, berichtet der Pädagoge. Der 43-Jährige spricht von einer schwierigen Situation, sagt: "Eigentlich will man ja loslegen. Aber die Sicherheit der Familie geht vor."

Die Hellendrungs leben in "6th-October-City", einer Vorstadt im Westen der Millionenmetropole Kairo, in einem komfortablen Haus mit Garten, Pool und privatem Sicherheitsdienst. Bis zum Tahrir-Platz, dem Epizentrum der Demonstrationen, sind es 30 Kilometer. Doch auch in "6th-October-City" ist die Lage offenbar alles andere als sicher. Auch dort sollen am Wochenende Schüsse gefallen sein, berichtet Holger Hellendrung. "Wir haben mit Bekannten gesprochen. Die bleiben derzeit in ihren Häusern, gehen vorsichtshalber nicht raus."

Anhänger und Gegner des geschassten Präsidenten Mursi stünden sich in Ägypten unversöhnlich gegenüber, sagt der 43-Jährige. Nach den blutigen Zusammenstößen mit mehreren hundert Toten sei das Land tief gespalten. Niemand wisse, wohin der Machtkampf führe - zumal für die nächsten Wochen erneut Großdemonstrationen angekündigt worden seien. "Wir müssen also abwarten. Uns bleibt nichts anderes übrig."

Auswärtiges Amt rät von Ägypten-Reisen ab
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