Kellmünz Unfallstrecke von Kellmünz wieder frei

Die Bergungs- und Reperaturarbeiten in Kellmünz sind im Gange. Dort hatte sich am Mittwochmorgen ein schwerer Unfall zwischen einem Auto und einem Zug ereignet, bei dem der Zug entgleist und in einen Garten gestürzt war.
Die Bergungs- und Reperaturarbeiten in Kellmünz sind im Gange. Dort hatte sich am Mittwochmorgen ein schwerer Unfall zwischen einem Auto und einem Zug ereignet, bei dem der Zug entgleist und in einen Garten gestürzt war. © Foto: Ralf Zwiebler
Kellmünz / LYDIA BENTSCHE, CARSTEN MUTH 22.07.2013
Zug und Unfallauto sind geborgen, die Strecke wieder repariert: Fünf Tage nach dem schweren Zugunglück mit 13 Verletzten in Kellmünz ist die Illertalbahn von Ulm nach Memmingen wieder freigegeben worden

Zug und Unfallauto sind geborgen, die Strecke wieder repariert. Fünf Tage nach dem schweren Zugunglück mit 13 Verletzten in Kellmünz ist die Illertalbahn von Ulm nach Memmingen wieder freigegeben worden. Das bestätigte ein Sprecher der Bahn am Montagnachmittag. Fachleute hatten am Wochenende mit Hochdruck daran gearbeitet, die Strecke wieder in Schuss zu bringen. Auf einer Länge von 300 Metern wurde Kies aufgeschüttet, Schwellen und Gleise neu verlegt.

Wie berichtet, hatte am vergangenen Mittwoch ein mit 50 Fahrgästen besetzter Regionalzug an einem Bahnübergang den Golf einer 46-Jährigen erfasst. Der Triebwagen des Zugs sprang aus den Gleisen und stürzte in den Garten eines Wohnhauses. Die Autofahrerin aus Osterberg, einem Kellmünzer Nachbarort, wurde lebensgefährlich verletzt. Schwer verletzt wurden zwei 21 und 52 Jahre alte Fahrgäste.

Die Betroffenen, nicht nur die 13 Verletzten, dürften noch unter dem Eindruck des Erlebten stehen. Einige von ihnen leiden unter den Folgen des Unfalls. Davon ist Dr. Zrinka Sosic-Vasic überzeugt. Die Leitende Klinische Psychologin der Uniklinik Ulm sagt: „Viele Betroffene zeigen direkt nach dem Unglück bestimmte Stressreaktionen.“ Dazu gehöre anfangs „das Gefühl von Betäubung“, später mitunter panische Angst, Schwitzen, Herzrasen und starke innere Unruhe. Alles in allem sei dies „eine normale Reaktion der menschlichen Psyche auf eine extreme Belastungssituation“. Die Symptome würden binnen einiger Tage abklingen. In der ersten Phase nach einem solchen Unglück komme es auf die Unterstützung von Familien und guten Freunden an. Diese könnten dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl Betroffener wiederherzustellen. Freunde und Angehörige sollten den Betroffenen klar machen: „Es ist normal, dass Belastungsmomente auftreten.“

Einige Unfallbeteiligte erwische es womöglich schlimmer. Sie könnten eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Eine Erkrankung, die laut Dr. Zrinka Sosic-Vasic behandelt werden muss. Wer darunter leide, werde dauerhaft von Albträumen gequält, sei besonders schreckhaft, meide Züge, Busse und Bahnhöfe – alles, was in irgendeiner Form an das Unglück erinnere.

Wie es zu dem Unfall am vergangenen Mittwoch kommen konnte, ist nach wie vor unklar. Die Polizei vermutet, dass die Autofahrerin den heranrasenden Zug übersehen hat, weil sie von der Sonne geblendet war. Die dreifache Mutter konnte bislang noch nicht vernommen werden. Das Eisenbahnbundesamt schließt inzwischen einen technischen Defekt an dem schrankenlosen Bahnübergang aus. Die Lichtsignalanlage dort hat nach Angaben des Eisenbahnbundesamts einwandfrei funktioniert, die Staatsanwaltschaft unterdessen einen Sachverständigen beauftragt. Er soll den Unfallhergang klären. Mit einem Ergebnis ist aber vorerst nicht zu rechnen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Kempten betont: „Das dauert Monate.“

Heute werden Gutachter den umgestürzten Triebwagen anschauen und dann entscheiden, ob dieser repariert werden kann oder als Totalschaden aussortiert wird.

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